Projektstart: Auf dieser Fläche in den Rastatter Rheinauen soll getestet werden, welche Baumarten am besten mit dem Klimawandel zurecht kommen. Martin Koch, Mareike Roeder und Gregory Egger (von links) präsentierten dazu eine Info-Tafel. | Foto: Collet

Projekt in Rastatter Rheinauen

Bäume sollen dem Klimawandel standhalten

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Derzeit ist die Fläche gut begehbar. Im Hochwasserfall freilich herrscht hier buchstäblich Land unter – wie so oft in der Rheinauenlandschaft. Nun startet auf den Gemarkungen von Plittersdorf und Wintersdorf ein Forschungsprojekt, das vom Aueninstitut in Rastatt koordiniert wird. Dabei geht es um die Anpassung der Auenwälder an den Klimawandel. Das Vorhaben ist Bestandteil des Waldklimafonds, der vom Bundeslandwirtschaftsministerium und dem Bundesumweltministerium eingerichtet wurde.

Aueninstitut koordiniert Projekt

„Wir haben dafür Flächen zur Verfügung gestellt im Bereich der von Pappeln geprägten Weichholzaue in Plittersdorf und der Hartholzaue in Wintersdorf“, sagt Martin Koch, Leiter des Kundenbereiches Forst, bei der Stadt Rastatt. Beide Bereiche umfassen eine Fläche von jeweils rund 1,3 Hektar, insgesamt also 2,6 Hektar.

Versuchsflächen umfassen 2,6 Hektar

Getestet werden soll hier künftig, welche Baumarten besonders anpassungsfähig sind und in der Lage erscheinen, von den Auswirkungen des Klimawandels am wenigsten beeinträchtigt zu werden. 5.000 neue Bäume werden deshalb alsbald auf den Versuchsflächen eingesetzt. Das Areal in Plittersdorf, das Koch am  Freitag (8. März) gemeinsam mit den Projektleitern des Aueninstitutes, Gregory Egger und Mareike Roeder, vor der Presse vorstellte, sieht jeweils einen Bereich vor, in dem die neu zu pflanzenden Baumarten ganz unter freiem Himmel Platz finden oder von Baumkronen „beschirmt“ sind – mit einem dazwischen liegenden Puffer.

Info für Wanderer

Aufgestellt wird dazu auch eine Informationstafel, „damit die Wanderer verstehen, warum diese Waldfläche für das Projekt geräumt wurde“, sagt Koch. Projektleiter Egger verweist auf die aktuellen Probleme bei vielen Baumarten wie etwa dem Eschentriebsterben oder die vom Ulmensplintkäfer verbreitete Krankheit bei den Ulmen. Immer heißere und trockenere Sommer und feuchtere Winter – dies präge den Klimawandel und deshalb sei zu untersuchen, welche Baumarten sich künftig für die Forstwirtschaft besser eignen.

Auch Uni Freiburg ist Partner

Egger betont, dass dieses Projekt nicht nur aus Sicht des Naturschutzes, sondern auch in enger Zusammenarbeit mit dem Forst unter wirtschaftlichen Aspekten entwickelt werde: „Wir sind froh über die Zusammenarbeit.“ Auch die Universität in Freiburg sei als Partner mit von der Partie. Insgesamt wird die Anpassung der Auenwälder in fünf Forstbetrieben an der Donau, am Lech und am Rhein untersucht. Egger spricht von einer Re-Dynamisierung der Auen – eben mit Unterstützung der Stadt als Grundeigentümer. Zugleich betont er, dass die Anpassung der Bäume an den Klimawandel ein langfristiger Prozess sei, dessen Ergebnisse erst nach Jahrzehnten ersichtlich seien.

Strukturreicher Wald ist das Ziel

Stileiche, Schwarzpappel, Feldahorn, Wildbirne, Flatterulme, und Winterlinde, jeweils in einer Größe von 1,20 bis etwa 1,50 Metern gehören zu den Baumarten, die auf kleinen Parzellen neu gepflanzt werden. Ziel sei, daraus einen strukturreichen Wald zu schaffen mit wirtschaftlichen Baumarten, die mit den Folgen des Klimawandels zurecht kommen. Martin Koch betont die breite Risikostreuung bei der Pflanzung der Bäume. Schließlich sei heute noch nicht klar, wie sich in Jahrzehnten der Holzmarkt entwickeln werde.

Nur einheimische Bäume werden angepflanzt

Als Besonderheit nennt Egger, dass in Rastatt im Blick auf das Naturschutzgebiet nur einheimische Baumarten angepflanzt werden. Sie sollen auch mit einem speziellen Schutz vor Wildverbiss ausgestattet werden, sagt Koch. Insgesamt werden für das Projekt durch den Bund 800 000 Euro bereitgestellt, wobei die Bäume auf Rastatter Gemarkung auch der Stadt gehören, wie Martin Koch unterstreicht.