Die Rheintalbahn wird derzeit abgebaut.
Die Rheintalbahn wird derzeit abgebaut. | Foto: dpa

Havarie bei Rastatt

Bahn will Tunnel weiterbauen

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Die Deutsche Bahn baut derzeit die Rheintalbahn an der havarierten Stelle bei Rastatt-Niederbühl ab. Es wird eine Betonplatte errichtet, die den Tunnel stabilisieren soll. Der Konzern will das 4,3 Kilometer lange Bauwerk weiterbauen, wurde beim Besuch des Landesverkehrsministers erklärt.

Verkehrsminister stänkert gegen Bund und Bahn

Die aktuellen Arbeiten zur Schadensbegrenzung hält er für plausibel. Und der Kontakt von der Bahn zu seinem Ministerium funktioniere. Das sind im Wesentlichen die einzigen positiven Aspekte, die Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) nach einem Baustellentermin am havarierten Tunnel bei Rastatt-Niederbühl benennen kann. Ansonsten stänkert er kräftig gegen Bund und Bahn. Der Unfall habe „fatale Auswirkungen“, so Hermann.
Genau dafür habe die Bahn offenbar keinen Plan B in der Schublade gehabt: „Bei einer derartigen Baustelle muss man mit solchen Risiken rechnen und muss darauf vorbereitet sein.“ Das Land würde ja auch nicht die parallel verlaufenden Straßen A 5 und B 3 gleichzeitig sanieren.

Schienennetz ausgedünnt

Und damit kommt der grüne Minister direkt beim Bund an, denn solche parallel verlaufenden Strecken gibt es bei der Schiene im Rheintal nicht – zumindest nicht in brauchbarem Zustand. „Jetzt rächt es sich, dass über Jahrzehnte das Schienennetz ausgedünnt wurde, dass Nebenstrecken nicht elektrifiziert wurden und eingleisig ausgebaut blieben“, beklagt Hermann. Das Land habe viele Schienenprojekte beim Bundesverkehrswegeplan angemeldet, der Bund habe alles abgelehnt. Letztlich gebe es eben keine reinen Strecken für den Nahverkehr, „alle Strecken haben internationale Bedeutung“. Die nächste Bundesregierung müsse ein umfangreiches Sanierungskonzept für die Schiene ausarbeiten. Lobend erwähnt der Minister, dass die Bauarbeiten an der Gäubahn von Stuttgart nach Singen eine Woche früher beendet wurden als geplant. Diese Strecke ist neben dem Rheintal die zweite Achse in die Schweiz – sie ist ab Horb am Neckar allerdings eingleisig.

Viele Baustellen stillgelegt

Das ist indes nicht die einzige Baustelle, in die eingegriffen wurde, betont DB-Netz-Vorstand Dirk Rompf vor den Medien: Rund ein Dutzend Baustellen seien verändert worden, man benötige für den Güterverkehr Pools mit Lokomotiven. Das Problem: Die fast ausschließlich mit Elektroloks fahrenden Güterzüge müssen jetzt mit Dieselloks über nichtelektrifizierte Strecken gezogen werden. Auch die Parallelstrecke im Elsass ist nicht elektrifiziert.

Züge fahren ab 7. Oktober wieder

„Wir gehen fest davon aus, dass der Tunnel weitergebaut wird“, so Rompf. In Niederbühl werde die Strecke abgebaut, eine Grube ausgehoben und eine Betonplatte gegossen. Bis zum 7. Oktober sollen die Züge wieder rollen. Im Übrigen betont er als Replik auf den Minister, dass es einen Plan B gegeben habe, „aber auf das, was hier passiert ist, kann man sich nicht vorbereiten“.
Konzernbevollmächtigter Sven Hantel stellt in Aussicht, dass zum Ferienende mehr Pendelbusse zwischen Rastatt und Baden-Baden eingesetzt werden. Dezernent Claus Haberecht vom Rastatter Landratsamt erklärt im BNN-Gespräch, er werde sicherstellen, dass während des Pendelverkehrs keine Baustelle auf den betroffenen Straßen eingerichtet wird.

Ich persönlich glaube ja, diese Havarie und die Maßnahmen, wie man es löst, werden mit Sicherheit in die Lehrbücher der Bauingenieure eingehen.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann