Meike Schlitter erläutert die bisherigen Arbeitsschritte an der künftigen Abzweigstelle der Neubaustrecke in der Basheide.
Meike Schlitter erläutert die bisherigen Arbeitsschritte an der künftigen Abzweigstelle der Neubaustrecke in der Basheide. | Foto: Collet

Rastatter Tunnel

Bald liegen Gleise entlang der B 36

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Die Deutsche Bahn hat mit dem Bau des Abzweigs der Neubaustrecke von der bestehenden Strecke nördlich von Durmersheim begonnen. Inzwischen stehen die ersten Oberleitungsmasten, der Boden neben der Strecke wurde aufgefüllt und verdichtet, erklärt Arbeitsgebietsleiterin Meike Schlitter von der Bahn im Gespräch mit den Badischen Neusten Nachrichten. Bereits im nächsten Jahr könnten die ersten Gleise entlang der B 36 auf der neuen Trasse zu sehen sein.

Warten auf neuen Zeitplan beim Bau des Tunnels

„Wir planen zunächst bis Ende 2019. Wie es danach weitergeht, hängt vom Zeitplan für den Weiterbau des Tunnels ab“, so Schlitter. Nach derzeitigem Stand haben die Verwerfungen in der Tunnelröhre bei Niederbühl die Arbeiten um zwei Jahre zurückgeworfen. Unabhängig davon wird im Norden alles vorbereitet, damit die Trasse bis zum Tunnel rechtzeitig fertig ist.

Aushubmaterial wird weiterverwendet

Derzeit wird der zu lockere Boden in der Basheide – das ist in Höhe von Rheinstetten-Mörsch – aufgefüllt und verdichtet. „Wir verwenden dafür Material vom Aushub der Wanne bei Ötigheim, das ist sehr ressourcenschonend“, erklärt Meike Schlitter. In der Basheide wird die heutige Strecke von der Schnellstrecke abzweigen, die Gleise werden also völlig anders verlegt als bisher: Die ICE rauschen mit 160 Kilometer pro Stunde durch und beschleunigen dann auf 250 Sachen – die Regionalzüge fahren über Weichen mit 100 Kilometer pro Stunde in Richtung Durmersheim.

Für die Überholstelle bei Bietigheim musste unter anderem eine Gasleitung tiefergelegt werden.
Für die Überholstelle bei Bietigheim musste unter anderem eine Gasleitung tiefergelegt werden. | Foto: Collet

Damit nicht schon heute die Züge auf Tempo 100 abbremsen müssen, wird der Abzweig zwar vorbereitet, aber erst kurz vor Inbetriebnahme des Tunnels angeschlossen – das wird also erst nach 2022 sein. Ausgetauscht werden allerdings schon jetzt die Strommasten von Karlsruhe bis zur Basheide. „Die stammen aus dem Jahr 1957“, erklärt Meike Schlitter. An ihnen entlang werden zwei Versorgungsleitungen für die Neubaustrecke verlegt, dies ist mit den alten Masten nicht möglich. Noch umfangreicher ist der Umbau der Signaltechnik, die gewissermaßen mehrere Entwicklungsstufen der Bahntechnik überspringt: Die mit Drahtzügen bedienten mechanischen Flügelsignale werden durch Lichtsignale ersetzt. Hierfür entstehen zwei elektronische Stellwerke, eines davon beim Abzweig – also ganz in der Nähe der alten Signal-Blockstelle, die gerade abgerissen wurde.

In Forchheim werden zwei Weichen entfernt

Am Bahnhof Forchheim sind bereits erste Auswirkungen der Umbauten bemerkbar. Die Schiebeschranke wurde entfernt, die Fahrgäste müssen nun über die bestehende Unterführung die Bahnsteige wechseln. Im September nächsten Jahres werden außerdem die Weichen im Bahnhof entfernt. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt beginnen die Arbeiten an der Trasse parallel zur B 36. „Es wird leider für einige Zeit laute Ramm-Arbeiten geben“, kündigt Meike Schlitter an. Wenn das Gleis Ende 2019 fertig ist, hat es zunächst keine Oberleitung. „Die können wir erst bauen, wenn der Tunnel fertig ist. Dann wird sie gewissermaßen von der Basheide bis hinter Niederbühl durchgezogen“, so Schlitter. Ausgeschrieben seien die Arbeiten jedoch bereits, weil dafür lange Planungszeiten nötig sind. Entlang der B 36 sind unterdessen Treppen zu erkennen, die später für Arbeiter den Zugang zur Strecke ermöglichen. Rettungsflächen werden in gewissem Abstand zum Tunnel auf beiden Seiten eingerichtet.

Keine Signale mehr an der Strecke

Bei Bietigheim wird die Trasse derweil verbreitert, weil hier ein drittes Gleis als Überholstrecke gebaut wird. Hierfür wurde unter anderem eine Gasleitung tiefergelegt. Außerdem ist an dieser Stelle eine Recyclinganlage aufgebaut, die das Aushubmaterial von der Wanne aufbereitet für die Weiterverwendung an der Abzweigstelle. Eine große Rolle spiele bei allen Arbeiten der Umweltschutz, so Meike Schlitter. „Seit vergangenem Jahr wurden über 5 000 Eidechsen, 994 Amphibien und fünf Schlingnattern abgefangen“, berichtet sie. Diese sollen sich später teilweise an den Böschungen wieder ansiedeln.
Wenn die Strecke in Betrieb geht, ist sie mit dem „European Train-Control-System“ ausgestattet, das die bisherige Linienzugbeeinflussung für Schnellstecken ablöst. Damit wird es keine Signale mehr geben.