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Kein gemütliches Einkaufserlebnis haben Rollstuhlfahrer, Senioren mit Rollator oder Eltern mit Kinderwagen derzeit auf der Oberen Kaiserstraße. | Foto: Collet

Obere Kaiserstraße

Baustelle setzt Rastatter Händlern massiv zu

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Mit der Stimmung bei den Einzelhändlern in der Oberen Kaiserstraße ist es nicht gerade zum Besten bestellt. Je nachdem, welcher Branche das Geschäft angehört und auf welcher Seite der Baustelle die Läden liegen, fällt die Meinung zwar unterschiedlich aus – doch deutlich wird: Die Umgestaltung des Platzes zwischen Kapellenstraße und Sankt Alexander zehrt nicht nur an den Nerven, sondern vor allem auch an den Umsätzen. Kenner der Szene sprechen von bis zu 30 Prozent Umsatzminus, das die Händler verkraften müssen. Eine Entwicklung, die – neben dem Tod von Wolfgang Peitz – auch dazu beigetragen hat, dass die Sibylla-Augusta-Buchhandlung geschlossen hat.

Mancher Händler sieht seine Existenz bedroht

„Ja, für uns kann diese Baustelle existenzbedrohend werden“, erklärt die Angestellte eines Modegeschäfts, die nicht namentlich genannt werden möchte. Der Laden befindet sich auf der südlichen Seite der Straße, dort, wo in den vergangenen Wochen der Stauraumkanal eingebaut wurde und deshalb besonders wenig Platz für Wege zur Verfügung stand. „Die Situation ist bescheiden. Die Wege verändern sich immer wieder und wenn sich hier jemand mit Rollator und Kinderwagen begegnet, dann geht nichts mehr.“ Fast wehmütig blickt sie über Bauzäune und Dreck auf die andere Straßenseite: „Die dort sind wenigstens durch das Gröbste durch und überhaupt näher an der Poststraße dran.“

Kunden klagen über Parkplatzmangel …

Das stimmt zwar grundsätzlich, die klassische Laufkundschaft sei aber auch hier weniger geworden, erklärt Hannelore Karl von Elektro Karl direkt an der Ecke zur Poststraße. „Die Leute sind es eben gewohnt, dass sie in Rastatt mal eben schnell vorbeifahren können.“ Jetzt, wo kaum noch Parkplätze da seien, gebe es vor allem Nachmittags nur wenige Kunden, die sich noch in den Laden verirren. Ob es irgendwann eng werden könnte? Karl zögert. Doch aus dem Hintergrund meldet sich ein Vodafone-Mitarbeiter zu Wort, der regelmäßig im Laden zu Gast ist: „Ja, definitiv ist das existenzbedrohend.“

… Händler über schlechte Beschilderung

Selbst Hubertus Grafe, Inhaber des gleichnamigen Fotogeschäfts direkt gegenüber, spürt die Auswirkungen der Baustelle. „Wir kommen damit aber ganz gut klar, weil wir ein Dienstleister und nicht so sehr auf Laufkundschaft angewiesen sind.“ Das gilt auch für Bruno Hörig vom Optikgeschäft Blum: „Dank unserer Stammkundschaft tut uns die Baustelle glücklicherweise nichts.“
Fotograf Grafe ärgert sich dennoch über das Baustellenmanagement. „Ich würde gerne mehr Arbeiter auf der Baustelle sehen. Und einen fertigen Gehweg. Das war ja vorprogrammiert, dass es im Februar wieder kalt wird und wegen des Frosts nichts mehr geht.“ Auch Hinweisschilder auf die Badner Halle als zusätzliche Parkgelegenheit vorne bei den Stellplätzen am ehemaligen Pavillon fände Grafe hilfreich. „Das habe ich auch dem Citymanager schon mal gesagt.“

Citymanger appelliert an das Durchhaltevermögen

Ja, er kenne die Probleme der Einzelhändler, sagt dieser. „Die fehlende Kundenfrequenz ist nicht von der Hand zu weisen“, so Johannes Flau. Allerdings höre er derzeit auch aus anderen Städten ohne Baustelle, dass zu Jahresbeginn deutlich weniger Kunden unterwegs seien als sonst. „Das Problem haben nicht nur wir.“ Der Verlust der Sibylla-Augusta-Buchhandlung sei „überaus schade“, so der Citymanager, der gleichzeitig an das Durchhaltevermögen der verbliebenen Einzelhändler appelliert. „Bis Ende Mai wollen wir den jetzigen ersten Bauabschnitt fertig haben.“ Sprich: Auf beiden Seiten soll es Gehwege, neue Parkplätze und sogar wieder Bäume geben. „Dann hat man auch einen ersten Eindruck davon, wie schön der Platz einmal werden wird.“

Hannelore Karl aus dem gleichnamigen Elektrogeschäft sieht den Zeitplan skeptisch. „Die hätten im Sommer schon früher anfangen müssen, dann vielleicht auch im Zwei-Schicht-Betrieb und keine ewig lange Winterpause machen.“ Der Bürgersteig vor ihrem Laden hätte schon im Dezember fertig sein sollen. „Aber ich lass’ mich ja auch gern positiv überraschen.“

Baustelle Obere Kaiserstraße
Ursprünglich sollte die Obere Kaiserstraße im Frühjahr nächsten Jahres in neuem Glanz erstrahlen, inzwischen ist daraus Ende 2019 geworden. Bis Ende Mai soll der erste Bauabschnitt im unteren Teil der Straße, also bei der Stadtkirche Sankt Alexander, fertig werden. Das ist auch wegen des tête-à-tête wichtig, zu dem Ende Mai wieder Hundertausende strömen werden.
Nach dem Straßentheaterfestival beginnt dann der zweite Bauabschnitt im Bereich des ehemaligen Pavillons. Dann geht es daran, die neuen Wasserspiele an der Kapellenstraße zu bauen und den Bernhardusbrunnen zu sanieren und mit einem Wasserbecken zu umrahmen. Außerdem soll der Aufenthaltsbereich gestaltet werden. In dieser Phase werden auch die Busspuren eingerichtet. Der erste Bauabschnitt wird etwa 2,7 Millionen Euro kosten. Wie teuer der zweite Abschnitt wird, steht noch nicht fest.