Vor seinem neuen Arbeitsplatz, als Foto auf dem großen News-Bildschirm in der BNN-Redaktion, beantwortete Alexander Becker Fragen über Fragen zu seinem Einzug in den Stuttgarter Landtag. Der Musikwissenschaftler aus Ötigheim will parallel zum Mandat seinen Job als Institutsleiter der Max-Reger-Forschungsstelle in Karlsruhe behalten. | Foto: Collet

Ötigheimer zieht in Landtag

Beckers Musik spielt jetzt in Stuttgart

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Er ist keiner, den es drängt, die erste Geige zu spielen. Doch wenn im großen Sinfonie-Orchester des Landes jemand ausfällt, dann springt er selbstredend ein. Weil Rastatts CDU-Abgeordnete Sylvia Felder demnächst als Regierungspräsidentin in Karlsruhe auf die Pauke haut, heißt es schon bald Bühne frei für ihren Nachrücker, den Ötigheimer Musikwissenschaftler Alexander Becker.

Nachricht kam überraschend

Für den 46-jährigen Familienvater kam die Nachricht aus heiterem Himmel. Nicolette Kressl zieht sich zurück und Felder übernimmt die Leitung des Regierungspräsidiums. Für Becker heißt das, die passende Bahnverbindung in die Landeshauptstadt raussuchen und ab in den Landtag. Der Zweitkandidat ist damit schon der dritte Ersatzmann, der von Rastatt aus nach Stuttgart geht. Thomas Hentschel (Grüne) folgte früh auf Kirsten Lehnig, Jonas Weber (SPD) bald auf Ernst Kopp. Doch Becker dachte nicht im Traum daran, Landtagsabgeordneter zu werden.

Sylvia Felder wird Regierungspräsidentin

Den Job des Ersatzkandidaten hatte er bei der strittigen Nominierung 2015 übernommen, als Sylvia Felder das verdiente Urgestein Karl-Wolfgang Jägel aus dem Rennen warf. „Als damals amtierender Kreisvorsitzender wollte ich Ruhe reinbekommen. Kein Mensch hat damals damit gerechnet, dass Sylvia Felder den nächsten Schritt so schnell machen würde.“ Jetzt hat sie ihn gemacht. Am Dienstag bestätigte das Landeskabinett die Berufung der Gernsbacherin zur Regierungspräsidentin und Becker, der sein politisches Engagement mit Rücksicht auf seine Aufgaben als Leiter des Max-Reger-Instituts in Karlsruhe eigentlich zurückfahren wollte, steht wieder mitten drin im Politspektakel.

Die Landespolitik hat wesentlich mit Bildung, Forschung und Kultur zu tun. Ich bin einer der wenigen Politiker, die das auch im Berufsbild haben. Ich erwarte, dass sich da ein Mehrwert ergibt.

Seinen Job in Karlsruhe will der Musikwissenschaftler behalten. „Die Landespolitik hat wesentlich mit Bildung, Forschung und Kultur zu tun. Ich bin einer der wenigen Politiker, die das auch im Berufsbild haben. Ich erwarte, dass sich da ein Mehrwert ergibt.“ Obwohl er nach dem Abitur eigentlich Mathematik studieren wollte, war dem Spross aus dem Volksschauspieldorf die Kultur in die Wiege gelegt. Dass der Bassist für die Musik lebt, verrät nicht nur sein Handy, das nicht klingelt, sondern jagdhorngleich zum Abnehmen bläst. In seinem Heimatdorf dirigiert er das Mandolinen- und Gitarrenorchester. Im Landesparlament will er sich mit den lauten Tönen erst mal zurückhalten. Bei der Förderung von Kunst, Musik und Kultur würde er hingegen gern das große Rad drehen.

Auch Casparys Ersatzkandidat

Doch gefragt, was er seinen Enkeln dereinst als seine Leistung als Abgeordneter präsentieren will, wird er demütig. „Es wäre viel erreicht, könnte ich ihnen sagen: Schaut, diese kleine Schule konnte ich für die Menschen in meinem Wahlkreis erhalten. Denn darum geht es, um die Vertretung der Bürger.“ Wen er aber wahrlich nicht vertreten will, ist Daniel Caspary. Dem CDU-Europaabgeordneten wünscht Becker nicht nur eine lange Gesundheit, sondern auch möglichst keinen politischen Aufstieg. Nicht dass er Caspary den Erfolg nicht gönnt. Doch Becker ist auch Casparys Ersatzkandidat. Und in Europa will er dann doch nicht mitposaunen.