Rastatter Tierheim
Am Rastatter Tierheim: Dicke Luft gab es bei der Mitgliederversammlung des Rastatter Tierschutzvereins, an deren Ende die Vorsitzenden und die Verwaltungsmitglieder ihre Ämter niederlegten. | Foto: Archiv/Collet

Versammlung in Rastatt

Beim Tierschutz fliegen die Fetzen

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Die Luft war zum Schneiden dick und extrem emotionsgeladen. Der Tierschutzverein Rastatt kommt auch ein Jahr nach der Runderneuerung seiner Vorstandsriege weiterhin nicht zur Ruhe. Bei der Mitgliederversammlung zeigte sich im Brückenhof am Freitagabend (19. Oktober), dass hier offenbar Welten aufeinanderprallen, wenn es um Pflichten und Wünsche geht.

Harte Worte und Beleidigungen

Am Ende gab es wiederum einen Scherbenhaufen, nachdem einige Mitglieder auf unschöne Weise miterleben ließen, was eine schlechte Kinderstube ist. Harte Worte, Beleidigungen und eine Kultur, bei der offenbar nur der zu Wort kommt, der am lautesten schreit, machten den Abend zu einem so unerquicklichen Erlebnis, dass außer der Vorsitzenden und ihrem Stellvertreter einmal mehr alle Verwaltungsmitglieder ihre Ämter niederlegten.

Vorsitzende und Verwaltungsmitglieder legen Ämter nieder

Fast eine Stunde lang referierten die Vorsitzende Sibylle Fritz und ihr Ehemann Thomas Fritz über die Fortschritte, aber auch die gegenwärtige personelle Schieflage des Vereins. Zwei festangestellte Kräfte hatten ihren Job kurzerhand hingeschmissen, Krankmeldungen eingereicht und letztlich die Kündigung erhalten. Neue Mitarbeiter sind wohl inzwischen gefunden, hatten jedoch an anderer Stelle Kündigungsfristen einzuhalten, so dass von ehrenamtlicher Seite kräftig mit angepackt und manche arbeitsintensive Sparmaßnahme ergriffen werden musste. Dieser Notfallplan beinhaltet unter anderem, dass die täglichen Öffnungszeiten drastisch eingedampft werden mussten und auch die Gassigeher gegenwärtig nicht zum Zuge kommen können. Vieles sei einfach im Augenblick nicht zu leisten.

Personelle Schieflage

Man konzentriere sich auf die Versorgung der Tiere, bis sich die personelle Lage wieder entspannt. Doch mit dieser Entscheidung stach Sibylle Fritz offenbar in ein Wespennest, zu dem der Verein im Laufe der vergangenen Jahre mutierte. Sie führe den Verein wie ein Unternehmen, warf man ihr unter anderem vor. Obendrein sei zu spüren, dass sie mit aller Gewalt das Chaos ihrer Vorgänger in den Griff bekommen wolle und dabei das andere Extrem ansteure. Dieser Perfektionismus lasse wenig Raum für Menschliches.

Aussprache rutscht in Streitgespräch ab

Rasch rutschte der als Aussprache geplante Tagesordnungspunkte ab in ein Streitgespräch. Argumente wuchsen sich teilweise aus zu mehr als zehnminütigen Solovorträgen. Während die Vorsitzende und die Leiterin des Tierheims ganz auf Sicherheit setzen, was die Hunde betrifft, wurde von den Mitgliedern das Regiment als allzu rigide gerügt. So müssten die Vierbeiner Maulkörbe tragen, was so manchen sauer aufstoße. Auch habe man sich angetragen zu helfen, um den personellen Engpass zu überbrücken, doch sei die Hilfe abgelehnt worden. Den Argumenten der Tierheimleitung und der Vorsitzenden, dass Hilfe zwar ausdrücklich erwünscht sei, das Mitwirken bei der täglichen Arbeit jedoch einer planbaren zuverlässigen Einteilung bedarf, beugten sich die auf vielen Ebenen zerstrittenen Mitglieder keineswegs. Hinzu kamen offenbar unbedacht öffentlich gemachte missliche Kommentare via Facebook.

Ehepaar Fritz leitet Geschäfte kommissarisch

Am Ende war die Versammlung nicht mehr konstruktiv weiterzuführen. Ja, die Vorsitzende habe sich sehr aktiv und erfolgreich eingebracht, attestierten ihr einige der scheidenden Vorstandskollegen. Sie sei zynisch und sorge für Missstimmung im Verein, warfen ihr die anderen vor. Letztlich reihte sich einer nach dem anderen der Amtsniederlegung ein. Nun werde sie mit ihrem Ehemann die Geschäfte kommissarisch weiterführen und eine weitere Mitgliederversammlung einberufen, um Nachwahlen durchführen zu können.

von Christiane Krause-Dimmock