Nicht nur der Stadtparksee soll im Zuge der Vorbereitungen auf eine mögliche Landesgartenschau in Rastatt sein Gesicht verändern. | Foto: Collet

Gilt für 2032 und 2034

Bewerbung für Landesgartenschau in Rastatt: Der Countdown läuft

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Der Countdown läuft. Bis zum 19. Dezember müssen die Bewerbungsunterlagen im baden-württembergischen Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz abgegeben sein. Im Sommer kommenden Jahres wird dann entschieden, ob Rastatt in seinen Bemühungen erfolgreich war, eine Landesgartenschau auszurichten.

Die Bewerbung gilt für die Jahre 2032 und 2034. Bei der offiziellen Auftaktveranstaltung vor einer respektablen Zahl von Besuchern am Freitagabend in der Reithalle wurde Geschmack auf dieses Großereignis geschürt. Einen hohen Anteil daran hatte Richard Arnold, Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, der in seiner Stadt 2012 eine Landesgartenschau ausgerichtet hat und in diesem Jahr die Remstalgartenschau beherbergt. Mit geradezu leidenschaftlichem Enthusiasmus dokumentierte Arnold anhand von Lichtbildern den Wandel seiner Stadt zu einem waren Schmuckstück.

Keine Angst vor „undenkbaren Ideen“

Und er ermunterte die Rastatter dazu, auch vor „undenkbaren Ideen“ nicht zurückzuschrecken, vor allem aber auch die Bürger mitzunehmen, die selbst Gastgeber der Gartenschau seien. Immerhin rund 1 500 Einwohner von Schwäbisch Gmünd waren dafür selbst im Einsatz. Vorbehalte ob der anfallenden Kosten versuchte Arnold zu relativieren: „Eine Gastgeberstadt für eine Landesgartenschau ist auf der Überholspur für Zuschüsse, die es gibt.“

Gartenschau als „emotionales Ergebnis“

Freilich müssten im städtischen Haushalt auch Mittel bereitgestellt werden und Sponsoren Unterstützung leisten. Nach Arnolds Einschätzung ist eine Gartenschau „nicht nur ein planerischer Prozess, sondern ein emotionales Ereignis und auch eine kleine Expo“, die tolle Chancen für die Stadtentwicklung biete.

Da die Stadt Ulm für das Jahr 2030 den Zuschlag erhalten habe, könnten die Aussichten für Rastatt steigen, im Jahr 2032 Ausrichter zu werden, zeigte sich Arnold zuversichtlich. Diesen Optimismus teilte Rastatts Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch. Er betonte, an diesem Tag noch kein fertiges Konzept vorlegen zu wollen und erklärte, weshalb eine so lange Vorlaufzeit bei der Bewerbung wichtig sei. „Es sind alleine zwei bis drei Jahre nötig, um richtig einzusteigen. Es dauert auch seine Zeit, bis alles begrünt und angewachsen ist.“

2009 nur knapp gescheitert

Das Interesse, eine Gartenschau zu veranstalten, sei riesig im Land, unterstrich das Stadtoberhaupt. Er erinnerte zugleich nochmals an die nur knapp gescheiterte Kandidatur aus dem Jahr 2009. Elke Ukas, Landschaftsarchitektin aus Karlsruhe, die das Bewerbungskonzept für Rastatt erarbeitet, sprach von etwa 40 Bewerberstädten, mit denen bisweilen zu rechnen sei.

Pütsch zeigte sich überzeugt, das eine Gartenschau eine hervorragende Möglichkeit biete, den städtischen Lebensraum für die Zukunft zu gestalten. Bei einer Busfahrt nach Schwäbisch Gmünd am 12. Oktober soll Interessenten die Möglichkeit geboten werden, zu sehen, wie eine Stadt von einer Gartenschau partizipieren kann.

Bürgerspaziergang Ende September

Außerdem verwies Pütsch auf einen geplanten Bürgerspaziergang am Dienstag, 24. September, in dem Teile des Geländes begutachtet werden sollen, die für das Event vorgesehen sind. Nach Aussage von Elke Ukas sei mit einer Fläche von rund 40 Hektar zu arbeiten, wobei 23 Hektar schon im städtischen Besitz seien. Dazu gehöre, die Schlossachse als zentrales Element wieder zu einer Sichtachse auszubauen. Eine Promenade zur Murg ist ebenso in der Konzeption erhalten, wie ein Landschaftspark „Oberwiesen“ im Westen Rastatts oder ein Klimaschutzpark im Gewann „Kolbengarten“.

 Die speziellen Liegen dokumentieren Rastatts Wunsch, eine Landesgartenschau auszurichten. | Foto: Collet

Naturerlebnisräume am Stadtrand soll es geben und auch der Stadtpark befindet sich im Visier der Architektin: „Der Stadtparksee kann deutlich aufgewertet werden.“ Eine neue grüne Lunge im Westen könnte entstehen und die Entwicklung des Merzeau-Geländes ist ebenfalls ein Thema, verdeutlichte Ukas. Insgesamt hob sie die schon vorhandenen grünen Strukturen der Stadt hervor. Aber: „Wir haben viele Brachflächen und brauchen nun eine Initialzündung“, meinte Pütsch.

Viele Ideen, viele Pläne

In der Diskussionsrunde, die von Kristin Burgert, Fachbereichsleiterin für Ökologie und Grün bei der Stadt, geleitet wurde, regte Hans-Peter Faller, Intimkenner der Rastatter Stadtgeschichte, nicht nur die Einbeziehung der Rheinauen und von Schloss Favorite in das Konzept an. Die neue Schiffsanlegestelle in Plittersdorf könnte ebenfalls integriert werden, meinte Faller – was bei Schwäbisch Gmünds OB Arnold fast ein wenig Neid weckte. Allenthalben auf viel Gegenliebe bei den Besuchern stieß die Idee einer Elektrobahn, die sich bei der Gartenschau in Schwäbisch Gmünd zu einer Top-Attraktion entwickelt hat – und die in Rastatt ihr Pendant finden könnte.

Im Frühjahr wird eine Jury aus zwölf bis 15 Fachleuten Rastatt in Augenschein nehmen. Die endgültige Entscheidung im Sommer 2020 treffen dann Politiker. Für OB Arnold aber steht jetzt schon außer Zweifel: „Rastatt mit seinen Schlössern und Gärten ist eine Perle.“

Kommentar – Stefan Maue

Bürgernah
Es ist ein Projekt mit einer Vorlaufzeit von über einem Jahrzehnt. Der Startschuss aber ist gefallen – sowohl mit der Entscheidung des Gemeinderates im Mai, als auch der ersten offiziellen Informationsveranstaltung am Freitagabend in der Reithalle.
Egal, ob die Stadt Rastatt im Jahr 2032 oder 2034 Gastgeber der Landesgartenschau sein sollte – wichtig ist, die Bevölkerung auf dem Weg zu diesem Ziel von Beginn an mitzunehmen. Was bei Kandidaten, die sich um eine Austragung von Olympischen Spiele bewerben wollten, zuletzt mehrfach gründlich schief ging, muss in Rastatt gelingen. Die Bürgerwünsche, die auf Bierdeckeln formuliert werden können, sind da ein gleichermaßen origineller wie sinnvoller Ansatz, um genaueres über die Vorstellungen der Rastatter zu erfahren.
In einer Zeit, da die Klimadebatte breitesten Raum einnimmt, erhalten Grünflächen, Aufforstung, Blumenwiesen und Naturschutz natürlich einen noch höheren Stellenwert. Sicher ist: Wenn die geäußerten Wünsche und Anregungen bei den Organisatoren Beachtung finden, dann könnte die Begeisterung für die äußerst reizvolle Gartenschau-Idee so richtig entfacht werden.