Auf dem Acker in Bietigheim wachsen kleine Paulownia-Bäume in Reih und Glied. In ein paar Jahren wird es aussehen wie ein kleiner Wald. | Foto: Collet

Edelholz wächst auf Plantagen

Bietigheim: Paulownien verändern die Landschaft

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Die Landschaft wandelt sich

Das Landschaftsbild um Bietigheim wird sich in den kommenden Jahren verändern. Wo bis vor kurzem noch Getreidefelder standen, wachsen nun Baumplantagen. Momentan sind die Anfang Juni gepflanzten Paulownien, in Deutschland auch als Blauglocken- oder Kiribäume bekannt, circa 80 bis 140 Zentimeter groß – in zehn Jahren werden es dann schon über zehn Meter sein.
Das Unternehmen Green Wood International mit Sitz in der Schweiz hat 64 Hektar auf 33 Flächen in Bietigheim gepachtet, wo die Paulownia-Bäume in langen Reihen stehen. Die kleinste Plantage ist 0,01 Hektar groß, die größte 5,84 Hektar. Geplant ist, dass jährlich weitere 13 Hektar hinzukommen. Ziel ist die Holzgewinnung – Edelholz. Es ist sehr leicht und hat eine hohe Dichte. Verwendet wird es unter anderem für Gitarren und Bässe, Surfbretter und Fahrräder, erklärt Wolfgang Goese, Präsident des Verwaltungsrates von Green Wood International, zu der die Marke Treeme gehört. Möbel oder Baumaterial soll nicht hergestellt werden.
Die Paulownien kennzeichnet vor allem ihre blauviolette Blütenpracht – doch diese werden die Bietigheimer wohl nicht zu sehen bekommen. „Das werden wir unterbinden“, sagt Goese. „Wir werden die Knospen abnehmen, da die Blüten viel Energie brauchen – die soll lieber in das Holz fließen.“

Paulownia
Der Paulownia, auch Blauglockenbaum genannt, kommt ursprünglich aus China. Kennzeichnend sind die großen blauvioletten Blüten, die an den Fingerhut erinnern. Die Blätter sind herzförmig. Ein einzelnes Blatt kann bis zu 40 Zentimeter lang und 30 Zentimeter breit werden. Die Bäume wachsen sehr schnell und sind relativ pflegeleicht. Sie sind an das mitteleuropäische Klima gut angepasst.
Der Baum blüht nach sechs bis zehn Jahren zum ersten Mal. Ideale Wachstumsbedingungen finden Paulownien in sonnigen, windstillen Lagen auf leichten, sandigen Böden. Die Lebenserwartung beträgt unter günstigen Bedingungen etwa 60 bis 70 Jahre. Paulownien könnten bis zu 1,6 Metern pro Jahr in die Höhe wachsen und bis zu vier Zentimeter im Durchmesser.
Das Holz ist leicht zu verarbeiten und verfügt über gute physikalische Eigenschaften. Es ist leicht, hart und sehr dauerhaft. Es hat einen hohen Flammpunkt von 420 Grad (Eiche entflammt ab etwa 230 Grad). Das Holz eignet sich gut zum Bauen.

Viele waren skeptisch

Aus Bietigheim waren zunächst skeptische Stimmen zu hören. Weil das typische Landschaftsbild verändert werde. Weil die Nahrungsmittelproduktion aufgegeben werde. Doch hier wiegelt Goese ab. „Die Flächen wären sowieso stillgelegt worden.“ Dabei bezieht er sich auf die Flächen, die sein Unternehmen von Landwirt Hermann Schmitt gepachtet hat. Dazu kommen von der Gemeinde freigegebene. Zudem gab es Bedenken, ob die Bäume invasiv sind, sich also bedenklich ausbreiten. Dazu steht auf der Internetpräsenz von Treeme, dass eine Spezialzüchtung verwendet werde, die nicht invasiv sei und bei der sich die Hybriden nicht unkontrolliert ausbreiten könnten.
So wurde das Projekt dann auch vom Landwirtschaftsamt im Landratsamt Rastatt im Einvernehmen mit der Gemeinde genehmigt. Die Nutzung unterliegt Auflagen, erklärt Leiterin Andrea Stief. Etliche Behörden waren an dem Genehmigungsverfahren beteiligt, so zum Beispiel die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg. Nur nachdem ausgeschlossen werden konnte, dass die Paulownia-Plantagen keine Schäden für die heimische Flora und Fauna bringen würde, wurde grünes Licht für das Vorhaben gegeben. Ein Prozess, der sich lange gezogen hat. Auch bei Green Wood waren sie überrascht, dass es so lange gedauert hat, bis sie die Genehmigung bekommen haben, erzählt Goese. „Wir hatten es uns leichter vorgestellt.“ Er und seine Kollegen wollten eigentlich bereits 2017 mit der Auspflanzung beginnen.

Baumplantagen bringen Vorteile für den Boden

Grundlage für die Genehmigung war das Landwirtschafts- und Landeskulturgesetz (LLG). Darin ist auch die Bewirtschaftung von sogenannten Kurzumtriebsplantagen festgelegt, „wie zum Beispiel auch von Weihnachtsbäumen“, erläutert Stief vom Landratsamt. Sie bestätigt zwar auch, dass zunächst Anbaufläche für Getreide verloren geht. Aber eine Auflage an Green Wood sei, dass nach Abholzung der Bäume in gut zehn Jahren die Flächen wieder als Äcker hergerichtet werden, sagt Stief.
Die Paulownia-Plantagen bringen zudem Vorteile für den Boden: „Er muss nicht ständig bearbeitet werden. Bei Weizen zum Beispiel ist die pflanzenbauliche Nutzung viel intensiver“, erklärt die Leiterin des Landwirtschaftsamts. Derweil ist die Pflege der jungen Paulownien „sehr aufwendig“, erzählt Goese. Zehn Mitarbeiter gießen die Pflanzen momentan täglich und schneiden sie zum richtigen Zeitpunkt zurück. Um die Kosten möglichst gering zu halten, hofft Goese, weitere Anbauflächen in Bietigheim zu bekommen. Plantagen weiter weg mit zu pflegen, wäre zu teuer.
Die Wurzeln für die Plantagen sind acht Wochen in Containern von China nach Deutschland gereist. Nun müssen sie sich ungefähr ein Jahr akklimatisieren. Waren sie zunächst noch ungefähr fußballgroß, werden sie in ein paar Jahren zehn Meter tief in die Erde reichen. Auch sie können später als Holz, zum Beispiel für Möbel, genutzt werden.

Anleger finanzieren das Projekt

Finanziert werden die Plantagen von Anlegern. Alle Bäume in Bietigheim sind bereits an rund 180 Kunden verkauft und mit einer GPS-Nummer versehen. So kann theoretisch jeder Besitzer seinen Baum besuchen. „Ich bin jedes Mal wieder so begeistert“, schwärmt Goese beim Anblick des Feldes. Das werde mal das beste Holz weltweit.