Ein Schild weist darauf hin, dass Fußgänger links eine Treppe und Rollstuhlfahrer rechts eine Auffahrt benutzen können. | Foto: dpa

ADAC-Expertenreihe

„Bis zur Barrierefreiheit ist es noch ein langer Weg“

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Von Klaus Müller

„Warum glaubt ihr eigentlich, dass ihr nie in meiner Welt landen werdet.“ Heinrich Buschmann, der seit Jahr und Tag auf den Rollstuhl angewiesen ist, meint damit die „Welt eines Behinderten“. Die Botschaft, die sich beim ersten Klang wie eine Provokation anhören mag, will der Vorsitzende des Vereins „Mobil mit Behinderung“ (MMB) durchaus als Mahnung verstanden wissen; als Aufforderung, sich Gedanken darüber zu machen, Mobilität im öffentlichen Leben für alle zu gewährleisten.

ADAC: Dienstleister in Sachen Mobilität

Genau darum ging es in einer Expertenreihe des ADAC Nord- und Südbaden. „Wir sind ein Mobilitätsclub und damit ein Dienstleister in Sachen Mobilität. Und dazu gehört eben auch barrierefreie Mobilität“, sagt Thomas Hätty, Leiter Verkehr & Technik beim ADAC Nordbaden.

Recht auf barrierefrei Mobilität ist Gesetz

Das Recht auf barrierefreie Mobilität ist Gesetz, unter anderem verankert im Bundesteilhabegesetz. Für den öffentlichen Nahverkehr oder für öffentliche Gebäude gebe es sogar Fristen, Barrierefreiheit sicherzustellen, erklärt Buschmann. 2022 sollte es soweit sein.

Frist ist wünschenswerte Vorgabe

Dass der Zeitpunkt, obwohl schon lange bekannt, nie und nimmer eingehalten werden kann, weiß auch der MMB-Chef nur allzu gut. Aus der Frist sei inzwischen eine „wünschenswerte Vorgabe“ geworden. Mehr nicht, zumal ein Überschreiten der „Frist“ nicht sanktioniert wird.

Bewusstsein schaffen

Bewusstsein schaffen, lautet eine weitere Botschaft der Expertenreihe, an der Vertreter von Verwaltungen, Kommunen, der Polizei und Verkehrsplaner teilnahmen. Der barrierefreie Ausbau der öffentlichen Infrastruktur bezieht sich übrigens nicht allein auf Menschen mit Behinderung. Barrierefreiheit, betonte Alexander Thewalt, Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement der Stadt Heidelberg, schließe alle Formen der Mobilität ein, seien es Fußgänger, Autofahrer, Behinderte, Radfahrer, Senioren oder Familien mit Kinderwagen.

Heidelberg mit praxisnahen Beispielen

Thewalt sprach über praxisnahe Beispiele und Prioritäten. In Heidelberg scheint das zu funktionieren. Was den Ausbau der Straßenbahnhaltestellen angehe, sei die Stadt gut unterwegs; bis zum Jahr 2022 sollen die Vorgaben erfüllt werden. Kleine Kommunen hätten es da schwerer.