Mit viel Kunstblut bereitet „Set Dresser“ Marten Bauer die Szene über ein Schlachtfest vor, die gestern Nachmittag vor der Freitreppe von Schloss Favorite gedreht wurde. | Foto: Vetter

Filmarbeiten in Rastatt

Brecht wird kräftig entstaubt

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Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ war einer der größten Theatererfolge der Weimarer Republik: Vor allem der „Kanonensong“ des Komponisten Kurt Weill über Soldaten, die aus braunen oder blassen Rassen Beefsteak Tartar machen, wurde zum Publikumshit. Seither gehört das Theaterstück zum deutschen Bildungskanon. Rechtzeitig zum doppelten Brecht-Jubiläum im nächsten Jahr soll dann der Kinofilm „Brechts Dreigroschenfilm“ herauskommen. Vor 120 Jahren am 10. Februar 1898 wurde dann nämlich der Dramatiker und Lyriker in Augsburg geboren. Am 31. August 1928 fand außerdem die Uraufführung der „Dreigroschenoper“ am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin statt.

Die Schauspieler (von links) Lars Eidinger, Claudia Michelsen, Hannah Herzsprung, Joachim Krol und Robert Stadlober spielen in „Brechts Dreigroschenfilm“ mit. Foto: dpa

Seit Anfang der Woche gehen nun unter größter Geheimhaltung die Dreharbeiten für den Film in Rastatt weiter, die am 3. März in Baden-Württemberg begannen und im Land noch bis Ende April laufen sollen. Welche Szenen etwa im Ahnensaal des Rastatter Schlosses oder vor der Freitreppe von Schloss Favorite gedreht wurden, wollte die zuständige Presseagentur nicht mitteilen: „Das sind alles Interna. Vielleicht wird ja noch mal umgedreht“, heißt es auf BNN-Anfrage aus Berlin. Der „Hauptcast“, also die Schauspieler Lars Eidinger als Bertolt Brecht, Tobias Moretti als Macheath, Hannah Herzsprung als Polly, Joachim Król als Peachum, Claudia Michelsen als Frau Peachum und Robert Stadlober als Kurt Weill sollen „in irgendeiner Art und Weise“ bei den Dreharbeiten vor Ort dabei sein.

Seeräuber-Jenny

Unter der Regie von Joachim A. Lang werden in dem Filmprojekt die legendären Songs wie „Die Moritat von Mackie Messer“ oder „Die Seeräuber-Jenny“, die turbulente Entstehungsgeschichte der Oper und der Dreigroschenroman zu einer Story zusammengeführt. Regisseur Lang führt die Zuschauer dabei in das London um 1900 oder das Berlin der wilden 20er Jahre. Wie bereits berichtet, fand in der Rastatter Tanzschule Müller am 4. Februar dafür ein Casting statt, bei dem Statisten gesucht worden waren. Sie sollen Gangster, Polizisten, Tänzer oder elegante Theatergäste darstellen.

Statisten warten vor dem Schloss auf ihren Auftritt als Bobbys. Foto: Vetter | Foto: Vetter

Der Tanz auf dem Vulkan, Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und aufkommender Faschismus sind der Rahmen für den Dreigroschenfilm. Diese Rahmenhandlung ist laut Pressemitteilung „eine Art Making of“ eines Films, der bis heute nie gedreht wurde. Sie zeige den Versuch, einen Film in Konfrontation mit der Filmindustrie zu machen, die Dreigroschenhandlung dagegen zeige den nicht gemachten Film. Sie entführt dabei in ein Kunst-London um 1900 zum legendären Gangsterboss Mackie Messer und zu seinem Kampf mit dem Bettlerkönig Peachum.

Bertolt Brecht ohne Klischees

„Brechts Dreigroschenfilm“ wird als musikalische Satire angekündigt, bei dem der Haifisch wieder Zähne bekommen hat und der Staub, der sich seit Jahrzehnten über den Klassiker gelegt hat, weggeblasen wurde. In dem Film sollen nicht nur die 20er Jahre als Zeit großer Veränderung dargestellt werden. Der Schauspieler Lars Eidinger will sich dabei der Person Bertolt Brechts nähern und ihn von vielen Klischees befreien. Regisseur Lang legt dem Dramatiker oder Weill in den Szenen keine erfundenen Dialoge in den Mund. Die Schauspieler sprechen in Originalzitaten, die aus Texten, Stücken, Gedichten oder Briefen stammen.

Max Raabe spielt Moritatensänger

In den weiteren Hauptrollen spielen neben Lars Eidinger auch noch Christian Redl (Tiger Brown), Britta Hammelstein (Lotte Lenya), Meike Droste (Helene Weigel), Peri Baumeister (Elisabeth Hauptmann) und der Sänger Max Raabe, er verkörpert einen Moritatensänger. Die Musik wird eingespielt von Musikern des SWR Symphonieorchesters, der SWR Big Band und dem SWR Vokalensemble unter der Leitung des Dirigenten und Komponisten HK Gruber. Es tanzt die Gauthier Dance Company.