Trotz schönsten Wetters verwaist: Die Stadtverwaltung hat die Spielplätze wie hier in Niederbühl absperren lassen. Nach dem Eindruck der Ortsvorsteher halten sich die Bewohner der Stadtteile an die aktuellen Corona-Verordnungen. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Nachbarschaftshilfe

Corona lässt die Menschen in den Rastatter Stadtteilen enger zusammenrücken

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Nachbarn und Verwandte unterstützen sich, auch die Jugend ist aktiv: Die Coronakrise stärkt den Zusammenhalt in den Rastatter Stadtteilen. Während es in der Kernstadt mehrere organisierte Hilfsangebote gibt, sind diese in den Dörfern oftmals nicht notwendig. „Die Bevölkerung rückt zusammen“, sagt Mathias Köppel, Ortsvorsteher von Plittersdorf.

Auch sein Ottersdorfer Amtskollege Stefan Lott berichtet von einem großen Zusammenhalt. Nachbarn und Angehörige würden für Hilfsbedürftige einkaufen gehen. Bei der Ortsverwaltung seien außerdem mehrere Angebote für Menschen in Not eingegangen. Ein Anrufer habe sogar angekündigt, ein Wohnmobil zur Verfügung zu stellen, sollte jemand aufgrund der Krise in finanzielle Schieflage geraten und seine Wohnung verlieren.

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„Da sind richtig große Brocken dabei“, freut sich Lott über solche großzügigen Angebote. Die Bevölkerung unterstütze auch eine Gaststätte, die ausgerechnet in diesen Zeiten neu eröffnet habe und die ihre Gerichte jetzt zum Mitnehmen anbieten müsse. „Das ist gut angelaufen“, erzählt Lott.

Daniela Schneider, Ortsvorsteherin von Wintersdorf, spricht von einer „sehr guten Vernetzung“ der Bewohner, die sich im jeweiligen Umfeld bei Bedarf unterstützen würden. In den Straßen des Stadtteils sei es mittlerweile „sehr ruhig“ geworden. Probleme mit größeren Gruppen von Jugendlichen habe es in den vergangenen Tagen nicht gegeben. Die Akzeptanz der Regeln in der Bevölkerung sei hoch.

Man möchte das gar nicht glauben

Daniela Schneider, Ortsvorsteherin von Wintersdorf

Viele empfänden die Situation als surreal: „Man möchte das gar nicht glauben.“ Im Gegensatz zur Kernstadt sei die Nähe zur Natur ein Vorteil der Stadtteil-Bewohner. Viele hätten außerdem einen eigenen Garten oder zumindest einen Balkon, um dem Lagerkoller vorzubeugen.

Verdachtsfall an der Schule in Rauental hat sich nicht bestätigt

Auch in Rauental gibt es laut Ortsvorsteher Thorsten Ackermann wenig Verstöße gegen die Corona-Spielregeln: „Die meisten haben es verstanden.“ Dazu habe auch die Sperrung der Spielplätze durch die Stadtverwaltung beigetragen. Die Grundschule in dem Stadtteil hatte bereits vor den meisten anderen Schulen schließen müssen, weil es dort einen Corona-Verdachtsfall gegeben hatte. „Dieser hat sich aber nicht bestätigt“, sagt Ackermann.

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Sein Amtskollege Köppel in Plittersdorf berichtete ebenfalls von disziplinierten Bürgern. Er selbst sei regelmäßig draußen zum Joggen unterwegs – allein. Größere Gruppen seien nicht mehr zu sehen. Bei dem schönen Wetter gehen die Menschen zwar spazieren, aber sie beachten dabei die Vorgaben.

Mit der Fähre kurz über den Rhein nach Frankreich überzusetzen, ist nicht mehr möglich. Seitdem an der Staustufe Iffezheim die Kontrollen angelaufen sind, liegt die Fähre vor Anker. Privat gebe es telefonische Kontakte zu den französischen Nachbarn, aber die persönlichen Begegnungen müssen pausieren, sagt Köppel. Auch in Plittersdorf helfen sich viele Nachbarn gegenseitig, darüber hinaus biete auch die KJG einen Einkaufservice an.

In Niederbühl herrscht auf Plätzen und Straßen tote Hose

Auch in Niederbühl und Förch will die katholische Jugend Ältere, Kranke und Bedürftige unterstützen. Die Gruppenleiter haben ihr Angebot unter das Motto „Gemeinsam schaffen wir das“ gestellt. Wer sich bei Rufina Scharer oder Christian Römmich montags bis freitags zwischen 9 und 12 Uhr meldet, bekommt die Einkäufe noch am selben Tag zwischen 16 und 18 Uhr ausgeliefert. Sie sind zu erreichen unter (01 57) 71 54 21 30 beziehungsweise (01 76) 20 46 92 68.

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Ortsvorsteher Klaus Föry findet die Initiative „mehr als gut“. Er selbst hatte nach einem Skiurlaub 14 Tage in Quarantäne verbringen müssen, die er gesund überstanden hat. Aus seiner Sicht haben es die Bewohner in den Ortschaften in diesen Zeiten ein wenig einfacher als in der Kernstadt: „Hier hat fast jeder einen Garten oder eine Terrasse.“ Auch er habe die Quarantäne für Heimarbeit nutzen können. Dementsprechend herrsche in den Straße und auf den Plätzen Niederbühls „absolut tote Hose“.