Nach rund zweijähriger Aufbauphase betreut das 22-köpfige Einsatznachsorgeteam ENT des Kreisfeuerwehrverbandes Rastatt die Feuerwehrangehörigen nach psychisch belastenden Einsätzen.
Nach rund zweijähriger Aufbauphase betreut das 22-köpfige Einsatznachsorgeteam ENT des Kreisfeuerwehrverbandes Rastatt die Feuerwehrangehörigen nach psychisch belastenden Einsätzen. | Foto: pr

Hilfe für die Helfer

Das Einsatznachsorgeteam hilft Feuerwehrleuten nach psychisch belastenden Einsätzen

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Angehörige von Feuerwehren werden bei ihren Einsätzen oft mit dramatischen Bildern und traumatischen Erfahrungen konfrontiert, die erst einmal verarbeitet werden müssen. Nach rund zweijähriger Aufbauphase geht das Einsatznachsorgeteam (ENT) des Kreisfeuerwehrverbandes Rastatt an den Start.

Von unserem Redaktionsmitglied Georg Keller

Aufgabe des ENT-Teams ist es, die Feuerwehrfrauen und -männer zu betreuen, so dass sie wieder in das normale Leben und in ihren Familien zurückkommen können. Es ist erst die zweite Gruppierung dieser Art in Baden-Württemberg.

Im Landkreis Rastatt versehen rund 4.700 Frauen und Männer ehrenamtlich ihren Dienst in Freiwilligen Feuerwehren, Betriebs- und Werkfeuerwehren. Das neue Einsatznachsorgeteam besteht aus 22 Angehörigen aus acht verschiedenen Feuerwehren des Landkreises Rastatt. Es sind Frauen und Männer, welche aktiven Dienst in ihren Feuerwehren leisten und sich zusätzlich für diese Aufgabe einbringen.
Hierbei wird eng zusammen mit dem Notfallkrisenteam und der Notfallseelsorge gearbeitet.

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In diesen Fällen besetzt das ENT die Position als sogenannte „Peers“. Michael Bracht, Leiter des Einsatznachsorgeteams: „Ein Peer hat immer entsprechende Einsatzerfahrung und durch diese gleiche Basis einen besseren Zugang zu den betroffenen Kollegen.“

Überbringen von Todesnachrichten auf dem Seminarplan

Die Mitglieder des ENT haben eine zweijährige Ausbildung durchlaufen, dabei wurden sie von einem erfahrenen Psychotraumatologen betreut. Günter Nuth bildet auch die Berufsfeuerwehr der Landeshauptstadt Düsseldorf aus. Die Seminare bilden die Basis für zukünftige Einsätze des ENT.

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Beim letzten zweitägigen Seminar vermittelte Nuth unter anderem den Umgang mit Selbstmordgefährdeten. Nachbesprechungen, einzeln oder in der Gruppe, sowie die Grenzen der Betreuung wurden thematisiert.
Auch das Überbringen von Todesnachrichten stand auf dem Seminarplan, keine leichte Aufgabe. Geübt wurde in Rollenspielen. Dabei gab Nuth, der trotz der schweren Themen das Seminar kurzweilig gestaltete, praktische Tipps, so die Mitteilung des Kreisfeuerwehrverbands.

Diskretion wird gewährleistet

„Von uns, für uns“, beschrieb Kreisbrandmeister Heiko Schäfer bei einer Stippvisite. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Es ist ein großes Team geworden, welches ein gemeinsames Ziel hat, ihren Kameraden zu helfen“, so Schäfer weiter. Auch Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Jürgen Segewitzwar stolz auf die Truppe, welche sich zusammen gefunden hat. „Alles wird geübt, wie die Technik die in den Fahrzeugen steckt, das Löschen und das Retten von Menschen“, so Segewitz.“ Nun haben wir auch eine Einheit die unserer Seele gut tut“.

Segewitz empfiehlt den Feuerwehrangehörigen, das Team in Anspruch zu nehmen. Diskretion und Verschwiegenheit auch gegenüber den Vorgesetzten sowie eine gute Beratung wird gewährleistet. Das Einsatznachsorgeteam wird über den Notruf 112 bei der integrierten Leitstelle Mittelbaden mitalarmiert.