Auf dem Tiefpunkt kommt die Laune vieler Reisender der Bahn in Rastatt an. Wegen der Sperrung der Rheintalbahn halten hier ICE-Züge – an einem der heruntergekommensten Bahnhöfe des Landes.
Auf dem Tiefpunkt kommt die Laune vieler Reisender der Bahn in Rastatt an. Wegen der Sperrung der Rheintalbahn halten hier ICE-Züge – an einem der heruntergekommensten Bahnhöfe des Landes. | Foto: Collet

Bahnhof in Rastatt

Das Ende der Glitzerwelt der Bahn

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Spätestens an der Endstation der ICE-Züge kommt die Laune der Bahn-Fernreisenden auf dem Tiefpunkt an. Sie müssen wegen der abgesackten Gleise bei Niederbühl auf ihrer Fahrt in den Süden mehr Zeit einplanen, sollen mehrmals umsteigen, dürfen in einem Bus übers Land hoppeln – und dann erleben sie auch noch einen der heruntergekommensten Bahnhöfe des Landes: Rastatt.

Hier gibt es im Grunde nichts, was überall sonst längst zum Standard gehört. Tausende Menschen quälen sich in diesen Tagen über steile Treppen hinauf und hinab, Rollstühle und Kinderwagen müssen von Mitreisenden hinuntergewuchtet werden, schon der Ausstieg aus den pfeilschnellen Superzügen wird zum Abenteuer. In der engen und völlig verdreckten Unterführung bekommt manch einer Platzangst. In Rastatt endet die Glitzerwelt der Bahn.

Kampf für den Ausbau des Bahnhofs

Seit vielen Jahren kämpft die Stadt Rastatt um eine Sanierung und vor allem einen behindertengerechten Ausbau dieses Bahnhofs mit seinen täglich 7.000 Fahrgästen, der im Regionalverkehr eine Umsteigestation ist. Immer wieder hat die Bahn die Stadt vertröstet, zuletzt sollte das Rathaus vier Millionen Euro locker machen, um den Bahnhof sanieren zu können.

Der Gemeinderat schob dem aber einen Riegel vor, weil man die Auffassung vertrat: Wir sind nicht dafür zuständig, wenn die Bahn ihre Einrichtung im Laufe von 50 Jahren sukzessive vergammeln lässt. Für diese Haltung gab es aus der Bevölkerung viel Beifall.

Das hässliche Gesicht der Bahn

Nicht einmal eine Toilette gab es mehr, die Stadt baute im vergangenen Jahr eine auf eigene Rechnung. Die Bahn beteiligte sich mit einem symbolischen Zuschuss. In diesem Jahr schrieb der Rastatter Arbeitskreis Inklusion mit Unterstützung des Landesseniorenrats eine Resolution an den Bahnchef. Tenor: Europäisches Recht verpflichte die Bahn dazu, ihre Einrichtungen barrierefrei zu halten.

Auch das beeindruckte die Bahn kaum. Sie schickte ihren Konzernbevollmächtigten Sven Hantel, der in diesen Tagen wegen der abgesackten Gleise im Rheintal in schwerer Erklärungsnot ist, nach Rastatt, um die aufgebrachten Bürger zu beruhigen. Das gelang ihm angesichts des ernüchternden Ergebnisses nicht: Die Bahn will bis in einem Jahr prüfen, ob man eine Sanierung des Rastatter Bahnhofs finanzieren kann.

Banhreisende quälen sich mit ihrem Gepäck am Rastatter Bahnhof über steile Treppen hinab. Gepäckbänder gibt es nicht.
Banhreisende quälen sich mit ihrem Gepäck am Rastatter Bahnhof über steile Treppen hinab. Gepäckbänder gibt es nicht. | Foto: Collet

Insofern dürfte es für die Bahn derzeit eine besondere Demütigung sein, wenn ausgerechnet ihre Fernreisenden, die mit Aktenköfferchen aus der ersten Klasse aussteigen und normalerweise Bahnhöfe in Gestalt von Glaspalästen kennen, in Rastatt nun das hässliche Gesicht des Beförderungsriesen in den Niederungen der Provinz kennenlernen: Die Bahnsteige sind viel zu niedrig und holprig, es gibt keine Aufzüge, keine Gepäckbänder, die Durchsagen funktionieren nur manchmal, aus den Ritzen sprießt das Unkraut, von den Wänden blättert die Farbe – und das Bahnsteigdach ist so kurz, dass es gerade mal für ein Viertel der Länge des ICE ausreicht.

Pläne zur Neugestaltung

Die Stadt hat ihrerseits Pläne in der Schublade, wie sie den Vorplatz des Bahnhofs neu gestalten will. Unter einigen Stadträten kursiert derweil die Idee, vor dem Bahnhof Schilder aufzustellen: „Achtung! Sie betreten jetzt Gelände der Deutschen Bahn für dessen Zustand die Stadt Rastatt nicht verantwortlich ist.“

So berichtete BNN.de zuletzt über die Sperrung der Rheintalbahn: