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Regen und verwaiste Plätze – so wie beim tête-à-tête 2010 – sind eine Horrorvorstellung für Festivalmacherin Julia von Wild. | Foto: Archiv Collet

tête-à-tête in Rastatt

Das Hoffen auf Sonnenschein

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Nein, einen Wetterfrosch im Glas mit kleiner Leiter habe sie noch nicht. „Aber inzwischen haben wir uns hier im Team ein Wetter-App-Verbot auferlegt“, erzählt Julia von Wild lachend. Dabei ist der künstlerischen Leiterin des Straßentheaterfestivals tête-à-tête beim Gedanken an das Wetter überhaupt nicht zum Lachen. „Wir können viel planen. Aber das Wetter lässt sich nicht beeinflussen.“

Wetter macht abergläubisch

Natürlich hoffen von Wild und ihre Kollegin Kathrin Bahr sowie das gesamte tête-à-tête-Team auf herrlichen Sonnenschein für das Festival – die Aussichten auf die hochsommerlichen Tage heute und morgen stimmen sie allerdings eher skeptisch als optimistisch. „Da bin ich abergläubisch und denke: Wenn es dieses Wochenende schon gut ist, wird es nächstes bestimmt schlecht“, unkt von Wild und erzählt die Geschichte ihrer Kollegin Bahr, die gerade für einen Tag in Portugal bei einem Festival als Jurorin unterwegs ist. „Da denkt doch jeder an super Wetter. Und was ist? 18 Grad und Starkregen.“

Schlechtwetterplan ist in der Mache

Tatsächlich lassen sich die Festival-Macherinnen aber nicht so schnell entmutigen. Derzeit arbeiten sie auf Hochtouren an einem Schlechtwetterplan. Die Devise laute aber grundsätzlich: So lange wie möglich draußen bleiben. „Wenn man einmal drinnen ist, dann bleibt man auch drinnen. Das ist ein riesiger technischer Aufwand, wieder rauszugehen“, weiß von Wild. Deshalb ist der Plan, Schauer einfach abzuwarten und Vorstellungen zu verschieben oder im Zweifel auch mal eine ausfallen zu lassen.

Wir bleiben so lange wie möglich draußen

Sowieso lassen sich nicht alle Auftritte problemlos ins Innere verlegen – die Feuerwerkshow „Silence!“ etwa. „Das geht nicht, ohne gleich die ganze Halle abzufackeln“, schmunzelt von Wild. Doch die Gruppe sei hart im Nehmen, spiele auch auf jeden Fall bei schlechterem Wetter. Anders sieht es bei der „Compagnie Mesdemoiselles“ aus, die hinter dem Schloss ihre Trapezkunst vorführen werden. Allein wegen des Aufbaus des Geräts kann die Gruppe nicht einfach nach Innen ausweichen – doch draußen muss das Wetter für einen Auftritt zumindest trocken sein. „Die Vorstellung, dass diese Show ausfallen könnte, ist grauenvoll“, gibt Julia von Wild offen zu. Immerhin stecken in der 13. Auflage des Straßentheaterfestivals zwei Jahre Planung. „Da zu denken, dass etwas auf der Kippe stehen könnte, ist echt frustrierend.“

Ausfälle und Zusatzvorstellungen
Die ersten Veranstaltungen beim Straßentheaterfestival tête-à-tête sind ausverkauft. Wie Festival-Macherin Julia von Wild erklärt, gibt es keine Karten mehr für die Show von This Maag am Donnerstagabend. Der Komiker wird aber am Mittwoch, 30. Mai, eine Zusatzvorstellung um 20 Uhr in der Reithalle geben. Karten sind ab sofort erhältlich.
Ebenfalls ausverkauft ist die Donnerstagsshow des Cirque de la Compagnie im Benz-Kundencenter. Dies liegt am Schlechtwetterplan der Festivalleitung: Derzeit werden lediglich Karten für die überdachten Plätze ausgegeben. Bei gutem Wetter kann es also sein, dass doch noch weitere Karten an der Abendkasse erhältlich sind, so von Wild gegenüber den BNN.
Gar nicht auftreten wird dagegen die Gruppe Eléctrico 28, die an vier Festivaltagen theatrale Stadtrundgänge machen wollte. Dies habe sich produktionstechnisch leider nicht umsetzen lassen, bedauert von Wild.

„Magic Sky“ hält Regen ab

Mit Gelassenheit schaut die künstlerische Leiterin auf den Spielort beim Mercedes-Benz-Kundencenter: Bühne und Tribünen werden hier von einem „Magic Sky“ überspannt, weshalb ein wenig Regen keine der Shows des Cirque la Compagnie und der Compañia de Circo „Eia“ ins Wasser fallen lassen dürfte. Sicherheitshalber werden aber derzeit nur Karten für die überdachten Bereiche verkauft, so von Wild. Bei gutem Wetter gebe es an der Abendkasse noch Tickets für zusätzliche, nicht überdachte, Bestuhlung.

Wetterfrösche in roten Festivalshirts

Als Notquartiere stehen neben den Indoor-Spielorten wie der Reithalle oder der Badner Halle der Pfarrsaal und die Aula des LWG zur Verfügung. Auch mit der Schlossverwaltung werde derzeit verhandelt, welche Möglichkeiten es gebe, erklärt von Wild. „Wir wollen auf jeden Fall schnell erreichbare Orte anbieten.“ Die Zuschauer sollten allerdings nicht auf eigene Faust entscheiden, ob das Wetter schon zu schlecht für einen Auftritt draußen sei, warnt sie. „Wir informieren kurzfristig über die sozialen Medien.“ Außerdem werden alle Helfer – gut erkennbar in ihren roten Festivalshirts – immer auf dem Laufenden sein. „Nicht dass nochmal passiert, was wir am letzten Tag des Festivals 2016 hatten: Da haben wir noch abgewartet und das Publikum stand schon in der Reithalle.“ Am Ende schlägt aber auch bei Julia von Wild die Hoffnung den Aberglauben: „Schließlich liegt Rastatt in einer Schönwetterschneise.“