Willy und Jimmy haben viele Fans bei YouTube. | Foto: pr

Webers Filme haben viel Erfolg

Das Ziel ist klar ein Oscar

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Angefangen hat alles mit Super-8-Filmen, nun hofft Joachim Weber mit seinen Animationen einen Oscar zu gewinnen. „Nichts ist erfolgreicher als Erfolg“, ist sein Motto. „Und der Erfolg ist die Summe aller Anstrengungen.“ Das Zeug für einen Academy Award haben seine Werke auf jeden Fall – das zeigen allein schon die ganzen Auszeichnungen, die Weber zuletzt auf internationalen Filmfestivals gewonnen hat.
In Rastatt ist Weber vor allem für RA³ bekannt – als kreativer Kopf hinter den bemalten Stromkästen und Hausfassaden. Doch damit endet sein Schaffen nicht. Er entwickelt auch Computerspiele und eben Animationsfilme.

Pensionierte Computerchips bringen Klicks

Seine Mini-Serie Pensioners Chips ist mit mehr als 1,2 Millionen Klicks, über 1 600 Abonnenten und etwa 24 000 Likes bei Youtube sehr erfolgreich. Die Stars der kleinen Serie sind Willy und Jimmy, zwei alte Microprozessoren, die seit über 20 Jahren in Rente sind. Täglich treffen sich die beiden im Park und sprechen über alles und jeden – in Episode fünf zum Beispiel über amerikanische Präsidenten, allen voran Donald Trump. „Es werden immer sozialkritische Themen behandelt“, erzählt Weber im BNN-Gespräch. Der sechste Teil von Pensioners Chips heißt Fake News. Weber hat ihn gerade bei Filmfestivals eingereicht. Später soll er dann auch auf Youtube veröffentlicht werden; die Fans warten schon. Mit Episode sechs erhofft sich Weber, seine Chance auf einen Oscar zu erhöhen.

Animationsfilme sind aufwändig und teuer

Doch eigentlich sind Willy und Jimmy nur Nebenfiguren in einem viel größeren Projekt: The Fabulous Three – Abenteuer im Internet. Das Web wird durch Viren bedroht, die unter anderem die Internethauptstadt Netcity vernichten wollen. Die famosen Drei sind die Protagonisten Spleeny, eine Schnake, Lilly, eine Libelle, und Emsy, eine Ameise, die zufällig ins Internet geraten und dieses nun retten müssen. Die Figuren hat sich Weber schon Anfang der 90er-Jahre ausgedacht. Doch die Entstehung eines Animationsfilms dauert sehr lange, wenn nicht ein großes Filmstudio wie Pixar mit Hunderten von Mitarbeitern beteiligt ist. „In drei bis vier Minuten Laufzeit stecken Monate an Arbeit drin“, erklärt Weber. Und Geld. Filme zu animieren ist sehr teuer. Weber bezahlt alles aus eigener Tasche. Doch sein Ziel war von Anfang an, irgendwann einmal Geld mit seinen Streifen zu verdienen – und eben einen Oscar zu gewinnen. Weber ist optimistisch. „Wer kein Ziel hat, kann keins erreichen“, ist sein Credo.

Der Rastatter ist der Schöpfer der Figuren, er entwickelt die Storyboards und Screenplays. Außerdem ist er Geschäftsführer des von ihm gegründeten und in den USA ansässigen Unternehmens CGI Magic Movie Corporation. Insgesamt gehören seinem Team zirka 20 Personen an: vom Tontechniker über Illustratoren bis hin zu Übersetzern. Das Team ist wichtig. „Alleine geht es nicht“, sagt Weber. „Ich arbeite schon sehr lange mit diesen großartigen Leuten zusammen.“

Eine erster Misserfolg sorgte für viel Motivation

Seit fünf Jahren reicht Weber seine Filme bei Filmwettbewerben ein. Seinen ersten Versuch hat er bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen gestartet – ein totaler Reinfall sagt Weber schmunzelnd; damals war ihm allerdings nicht zum Lachen zumute. Seine Animation sei überhaupt nicht verstanden worden. Es war eine riesige Enttäuschung für den Schöpfer. Aber auch eine große Motivation, mit Vollgas weiterzuarbeiten und seine Filme besser zu machen. Seither hat er es weit gebracht. Dieses Jahr hat er bereits mehrere Awards gewonnen, unter anderem den Accolade Global Film Competition Award für den besten Animationsfilm. Die meisten Auszeichnungen haben Weber und sein Team in Los Angeles erhalten, der Hauptstadt des Films, wie der Rastatter betont. Die größte Sensation war für ihn allerdings die Nominierung beim neunten internationalen Kurzfilmfestival des Metropolitan College in New York. Bei zwölf weiteren Festivals in diesem Jahr sind die Pensioners Chips noch vertreten. Diese dienen als Oscar-Qualifizierung, das heißt, die Gewinnerfilme werden automatisch von der Oscar-Jury als Kandidaten für eine Nominierung als bester animierter Kurzfilm in Betracht gezogen. Weber ist seinem großen Traum also schon ganz nah.