Drei begnadete Musiker auf Tour: Konstantin Wecker mit Jo Barnikel am Flügel und Fany Kammerlander am Cello in der bis in den letzten Winkel bestuhlten und ausverkauften Badner Halle in Rastatt.
Drei begnadete Musiker auf Tour: Konstantin Wecker mit Jo Barnikel am Flügel und Fany Kammerlander am Cello in der bis in den letzten Winkel bestuhlten und ausverkauften Badner Halle in Rastatt. | Foto: Collet

Trio auf Tour

Der Poet Wecker singt in Rastatt den Hass einfach weg

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Mit Poesie lässt sich kein Staat machen. Das weiß Konstantin Wecker, und doch ist gegen Liebe und Zärtlichkeit kein Kraut gewachsen. Da ist er sich ganz sicher – und mit ihm die über 1 000 Besucher in der ausverkauften Badner Halle in Rastatt. Der 71-jährige Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit wird angehimmelt, nach drei Stunden Programm mit sieben Zugaben und einem Rainer Maria Rilke zum Schluss liegt die Atmosphäre einer anderen Welt über dem Raum.

Ja, Wecker ist von einer anderen Welt, Gott sei Dank. Er hat in seinen Liedern und Gedichten nie einen Zweifel daran gelassen, dass die „braune Brühe“ am Ende nicht das Land verseuchen wird. Die Realität macht es ihm da nicht leicht, nach den rechten Ausschreitungen in Chemnitz musste er mit einem Lied wieder kräftig dagegen ansingen: „Das Leben will lebendig sein.“ Überhaupt: Niemals hätte er gedacht, dass der „Willy“ 50 Jahre nach seinem Entstehen nochmals so aktuell wird. Willy ist gewissermaßen das Standardwerk der 70er Jahre gegen den rechten Mob.

Das Leben will nicht stramm marschieren,
es lädt zum Tanzen ein. Wer mit dem Leben tanzen will, darf nie gehorsam sein.

Ansonsten hält sich Konstantin Wecker mit kämpferischen Liedern zurück, er setzt auf Lyrik und Poesie. Mit den beiden Musikern Jo Barnikel am Flügel und Fany Kammerlander am Cello hat er kongeniale Partner gefunden, die jeden Beitrag zum Kunstwerk werden lassen.

Musikalische Begleitung

Barnikel lässt die Akkordbrechungen nur so prasseln, wuchtet saftige Akkordsäulen hin und entfaltet virtuose Motive. Keine abgegriffenen Harmonien, keine banalen Rhythmen, dafür die volle kreative Wucht eines begnadeten Improvisators. Fany Kammerlander lässt ihr Cello beseelt singen, ihre Interpretation lotet sie spannend aus zwischen sonor begleitenden Bassfiguren und prägnanter Melodieführung. Beide Musiker zusammen sind es, die den klassischen Wecker-Sound zum Klingen bringen.

Werke voller Sehnsucht

Aber auch der Texter und Komponist selbst greift zuweilen in die Tasten, jazzt gemeinsam mit den anderen, zitiert auch mal Beethoven oder Mozart, hämmert im Stehen die oberen Tonlagen – in den Schlussakkord donnert er mit dem Fuß. Überhaupt sind es wahre Meisterwerke, die Konstantin Wecker komponiert, mit halsbrecherischen Modulationen, voller Sehnsucht und Träumerei, manchmal auch energisch und unerbittlich.

Das Laute schweigt, das Stille tönt.

In diese Musik fallen Weckers Textzeilen sanft hinein: „Die Winde meinen’s gut mit uns, die Welt nimmt uns in kauf.“ Oder: „Du warst es, die das Ungereimte in mir zu einem Vers verband.“ Aber auch: „Das Laute schweigt, das Stille tönt.“

Wecker hat politischen Anspruch

Es sind Liebeslieder, die den politischen Anspruch nie verloren haben. Vor allem um seine Familie geht es oft, sein reiferes Alter macht Konstantin Wecker bei aller widerstrebenden Energie, bei aller revolutionären Kraft irgendwie weise. Über manche Weggefährten muss er inzwischen in der Vergangenheit sprechen – so etwa über Dieter Hildebrandt oder den erst jüngst verstorbenen Werner Schneyder. Und wo es schon mal sentimental ist, da spielt Wecker eine Aufnahme aus dem Jahr 1959 ein, als er elfjährig mit seinem Vater Giuseppe Verdis „Traviata“ trällerte.

Was für eine Nacht.

Im Finale darf freilich das Lied „Was für eine Nacht“ nicht fehlen, mit dem er anno 2000 mit Hannes Wader auf Tour ging – einschließlich Marsch durch das Publikum bis in die hintersten Ränge. In einem italienischen Abendlied verklingt der Abend. Mit dem CD-Titel aus dem Jahr 1988 sei resümiert: „Ganz schön Wecker!“