Rastatter Rätsel
Stark beschädigt wurde die Skulptur bei einer Verfolgungsfahrt Ende Januar. | Foto: Stadt Rastatt

Goertz-Skulptur in Rastatt

Des Rätsels Lösung kommt bald zurück

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Die „rätselfreien“ Tage in Rastatt sind gezählt: Am 31. Oktober wird die Auflösung des „Rastatter Rätsels“, wie das Kunstwerk am Postplatz heißt, wieder aufgestellt. Dies bestätigte Künstler Jürgen Goertz im Gespräch mit den BNN.

Geländelimousine schrammt Skulptur

Im Januar war ein 28-Jähriger auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle nachts mit seiner Geländelimousine durch die Poststraße gebraust und hatte es gerade noch geschafft, unbeschadet durch das Museumstor zu kommen. Dahinter jedoch endete seine hollywoodreife Fahrt an der Goertz-Skulptur und dem Baum daneben. Dabei wurde das zweiteilige Kunstwerke, dessen „Rätsel-Aufgabe“ vor dem Rastatter Bahnhof steht, beschädigt.

Reparatur kostet 38.000 Euro

Lange stand nicht fest, wie hoch die Reparaturkosten sein werden und wer sie am Ende bezahlen wird. Da der junge Mann bei seiner Flucht alkoholisiert war, stand zudem die Befürchtung im Raume, die Versicherung könnte sich weigern, die Kosten zu tragen. Diese Angst ist inzwischen ausgeräumt. „Wir haben eine Kostenzusage“, freut sich die städtische Pressesprecherin Heike Dießelberg. An der Stadt bleiben damit keine Kosten für den Abtransport, die Reparatur und den Wiederaufbau des Kunstwerks hängen – immerhin sind in Summe 38 000 Euro zusammengekommen, so die Stadt.

Uns ging es darum, dass das Rätsel schnell wieder aufgestellt wird und die Stadt nicht auf den Kosten sitzenbleibt.

Heike Dießelberg, Pressesprecherin der Stadt Rastatt

Der Unfallverursacher, der sich wegen zahlreicher Vergehen vor Gericht hätte verantworten müssen, wendete die Hauptverhandlung ab, indem er den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft akzeptierte. Demnach musste er der Staatskasse einen vierstelligen Betrag überweisen. Eine Lösung, mit der die Stadt gut leben kann: „Uns ging es darum, dass das Rätsel schnell wieder aufgestellt wird und die Stadt nicht auf den Kosten sitzenbleibt“, bekräftigt Stadtsprecherin Dießelberg.

Gießerei löst Kunstabteilung auf

Auch Künstler Jürgen Goertz freut sich, dass die Auflösung des Rätsels bald wieder an Ort und Stelle stehen wird. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätte die ganze Reparatur auch schneller gehen können. Doch die Gießerei, mit der er seit Jahrzehnten zusammenarbeitet, löst zum Jahresende die Kunstabteilung auf. Deshalb standen nicht mehr so viele Mitarbeiter wie sonst zur Verfügung. „Das ist schon deprimierend, wenn man in die Werkstatt kommt und nach und nach wird alles abgebaut“, erzählt Goertz – der sicher ist: „Es wird trotzdem sehr schön.“

Griff des Regenschirms wurde neu entworfen

Dazu trägt sicher auch ein Kniff bei, den sich der Künstler eigentlich nicht erlauben wollte: Er hat den Griff des Regenschirms neu entworfen. „Der Knauf war kaputt, die ursprünglichen Teile waren nicht mehr da, also musste ich neu entwerfen.“ Genaues will er nicht verraten, schließlich soll das Rätsel noch ein bisschen rätselhaft bleiben. Nur so viel: Das Messingschild mit der Aufschrift „Kein Trinkwasser“ ist jetzt Teil des Schirmgriffs geworden. Und auch die Wasserführung hat sich verändert.

Postplatz wird umgestaltet

Mit der Umgestaltung des Postplatzes wird auch der Boden rund um das Rätsel ausgetauscht werden. Goertz hat die Pläne bereits gesehen und lobt den respektvollen Umgang der Verwaltung mit dem Thema. „Die Einstellung, den Künstler einzubinden, solange er noch lebt, gefällt mir.“ Er seinerseits wolle sich nicht in die Platzgestaltung einmischen. Lediglich einige Akzentuierungen rund um sein Kunstwerk seien geplant.
Wie genau die aussehen werden – auch hier hüllt sich der Künstler in Schweigen. Sorgen bräuchten sich die Rastatter allerdings nicht zu machen – anders als die Nürnberger anno 1984: Die hatten bei Goertz eine Hommage an Dürers Fellhasen-Aquarell bestellt und auf dem Sockel während der Wartezeit eine Abbildung des berühmten Tiers ausgestellt. „Als die dann sahen, was ich daraus gemacht hatte – das war ein Schock für die Nürnberger.“ Erzählt der Künstler – und bricht in schallendes Gelächter aus.