Asphalt statt Wasser: Auch ein Raddampfer war beim Auer Umzug zu bestaunen. | Foto: Heck

Fastnacht in Au am Rhein

Detailverliebtheit bis zum letzten Accessoire

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Eine wahre Zierde im Fastnachtsumzug in Au am Rhein waren die strammen Festdamen und die aufgebrezelten Dörfschönheiten. Ihr Ziel war eine Beschäftigung über den Aschermittwoch hinaus. Die aus verschiedenen Fastnachtsgruppen stammenden Grazien bewarben sich als schmückendes Beiwerk für die Feierlichkeiten zum 1 200-jährigen Bestehen der Gemeinde. Das Dorfjubiläum war mehrfach Thema bei den 83 Gruppen – etwa 30 davon mit einem Wagen.

Von Helmut Heck

Dorfjubiläum wird als Thema aufgegriffen

Da schwang eine Auer Damen-Feldhockey-Frauschaft die Schläger. Da wurde ein leckeres Sortiment Geburtstagstörtchen aufgetragen. Da machten sich von Überschwemmungen geplagte Gestalten ihren eigenen Reim aufs Heimatdorf: „Seit 1200 Jahren das gleiche Spiel, Au hat Wasser viel zu viel“.  Ein eigenes Jubiläum feiert der Turnverein.  Er ließ zu seinem hundertjährigen Bestehen wie anno domini einen mit grünen Girlanden und Blumen geschmückten Festwagen durch die Straßen rollen. Die „Krutlätsche“ feierten elf, die Auer Reiher 22 Jahre Umzugsbeteiligung. Die Stahlsprieße machten zum 25. Mal mit, ebenso die „Planlosen,“ die sich mit einem „letzten Kampf“ aus der Narrenparade verabschiedeten.

Erste Umzüge in der Nachkriegszeit

Wann die Umzugs-Tradition begonnen hat, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Bettina Bauer-Wörner, die an einem neuen Heimatbuch mitwirkt, hat auf Bitten der BNN nach Dokumenten gestöbert. Gefunden hat sie eine Reihe von Meldungen. Demnach wurden die ersten Umzüge in der Nachkriegszeit wohl 1952 und 1953 in Gang gesetzt. Irgendwann kam die Sache offenbar ins Stocken. Am 5. Februar 1972 wurde dann gemeldet, dass man das Narrentreiben mit einem Umzug „wieder etwas beleben“ wolle.

Narren zeigen sich detailverliebt

Der Versuch klappte auf Anhieb, schon der zweite Umzug im Folgejahr wurde ein großer Erfolg. Was am Rosenmontag 1973, in der Presse zu lesen war, trifft auch 2019 voll und ganz zu: den Zuschauern sei ein „ideenreicher, farbenprächtiger und origineller Faschingsumzug“ geboten worden. Bei windigem Wetter säumten am Sonntag viele tausend Besucher die Straßen.

Viele Besucher

Ein Merkmal des Auer Umzugs war wieder einmal die Detailverliebtheit, mit der Motive bis in allerkleinste Accessoires fortgesetzt werden. Wie seit je ist das „Umzugskarussell“, wie es in einem Bericht vor 55 Jahren hieß, ein Schaufenster des unkonventionellen „Phantasiereichtums“ der närrischen Einwohner. Wie titelte gestern Karla Kolumna, die als „rasende Reporterin“ in Mehrfachausfertigung im Umzug auftauchte: „einfach sensationell“.