Elke Büdenbender, die Gattin des Bundespräsidenten, beantwortete beim Frauenfrühstück in Rastatt die Fragen von Claudia Peter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau. | Foto: Hegmann

Talk mit Elke Büdenbender

Deutschlands „First Lady“ wirbt bei Frauenfrühstück in Rastatt für klischeebefreite Berufswahl

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Elke Büdenbender, die Gattin des Bundespräsidenten, ist Schirmherrin der Initiative „Klischeefrei“, welche die Berufswahl von Jugendlichen ohne Geschlechterklischees fördern will. Diese bundesweite Initiative dürfte in nächster Zeit noch deutlich mehr Mitglieder in Mittelbaden gewinnen. Büdenbender war prominenter Gast des Frauenfrühstücks zum Internationalen Frauentag am Samstag in der Reithalle Rastatt.

Moderatorin Claudia Peter ging forsch mit dem Mikrofon, kaum dass die Initiative vorgestellt worden war, auf die versammelten Amtsträger an ihren Tischen zu und fragte sie, wie sie es denn mit „Klischeefrei“ halten.

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Sodann sicherten Landrat Toni Huber ebenso wie Oberbürgermeisterin Margret Mergen aus Baden-Baden und der Rastatter Bürgermeister Arne Pfirrmann unisono zu, die Initiative, die auch Mädchen fördern will, aufgreifen und unterstützen zu wollen; auch der Gaggenauer OB Christof Florus sprach von einer „tollen Idee“. Hatten sie, vor der geballten weiblichen Macht beim Frauenfrühstück, überhaupt eine andere Chance?

Knapp 200 Damen waren gekommen, die Reihen in der Reithalle waren dicht gefüllt. Offenkundig hatten sich die Teilnehmerinnen auch nicht von Veranstaltungsabsagen andernorts wegen des Coronavirus irritieren lassen. Eingeladen hatten die Beauftragten für Chancengleichheit des Landkreises und der Städte Baden-Baden, Rastatt und Gaggenau sowie der IG Metall und der Bundesagentur für Arbeit.

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Die Begrüßung oblag Petra Heinisch-Hildenbrand; sie betonte, dass „sich die Veranstaltung Frauenfrühstück mit kulturellem Rahmenprogramm inzwischen fest etabliert“ habe. Für den passenden musikalischen Abschluss sorgten die „Rheinsirenen“.

Seit Jahrzehnten nur 20 Lieblingsberufe

Als „engagierte Kämpferin für die Rechte der Frauen“ würdigte Bürgermeister Pfirrmann in seinem Grußwort die Bundespräsidentengattin und stellte zum Thema des Tages heraus: „Man muss da anfangen, wo Klischees entstehen – in den Köpfen“; mithin sei Bildung von Beginn an, somit schon in den Kitas, ein großes Thema.

Patricia Montbrun-Löffler, die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Karlsruhe-Rastatt, redete Klartext: „Es gibt 330 Ausbildungsberufe, aber wir haben nur 20 Lieblingsberufe – und zwar seit Jahrzehnten“.

Auch wusste sie aus Erfahrung, dass Eltern einen größeren Einfluss auf die Berufswahl ihrer Sprösslinge haben als es ihnen selbst bewusst ist, und sei es nur durch einzelne Bemerkungen.

Die First-Lady ist Industriekauffrau – und wollte Archäologin werden

Im Zwiegespräch mit Moderatorin Claudia Peter, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau, gewährte Elke Büdenbender Einblicke in ihre Vita und in ihr Rollenverständnis an der Seite von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

So hatte sie zunächst eine Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht, erst später Jura studiert. Eigentlich wollte sie ja Archäologie studieren, hatte aber Sorge, dass sie mit diesem Abschluss nicht für ein gesichertes eigenes Einkommen hätte sorgen können.

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„Für mich war immer klar: Du musst Deinen Lebensunterhalt selbst verdienen – als Juristin geht das!“ 20 Jahre hat sie als Richterin gearbeitet; augenblicklich ist sie beurlaubt, könnte also später in den Beruf zurückkehren.

Sie findet ihre jetzige Aufgabe „sehr reizvoll“ und möchte als Schirmherrin der Initiative „Klischeefrei“ Jugendliche ermuntern, sich bei ihrer Berufswahl nicht von gängigen Rollenklischees leiten zu lassen. Ganz wichtig: „Wir brauchen Rollenvorbilder“, so Büdenbender, die ein Beispiel parat hatte: Im Gespräch mit jungen Mechatronikerinnen in Leipzig – der Beruf wird ganz überwiegend von jungen Männern gewählt – hat sie erfahren, dass deren Mütter etwa Lkw- oder Kranfahrerinnen zu DDR-Zeiten gewesen seien.

Wenn sie durch ihre Präsenz Einfluss auf Themen nehmen könne, so wolle sie das gerne tun, resümierte Elke Büdenbender, die für ihre Ausführungen in der Reithalle mehrfach spontanen Beifall erhielt.