Das Taxigeschäft wie hier am Bahnhof Rastatt ist fast zum Erliegen gekommen.
Das Taxigeschäft wie hier am Bahnhof Rastatt ist fast zum Erliegen gekommen. | Foto: Collet

Schwierige Lage für Branche

Dialysefahrten in Zeiten des Coronavirus: Rastatter Taxifahrer in Sorge

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Wer die Möglichkeit hat, bleibt derzeit zuhause. Dialysepatienten haben keine Wahl, sie müssen regelmäßig an die lebenserhaltenden Maschinen angeschlossen werden. Etwa 130 Menschen aus Rastatt sind betroffen. Und damit notgedrungen auch viele Taxifahrer, die den Transport gewährleisten.

Zum Dialysezentrum An der Ludwigsfeste kommen die meisten Betroffenen per Taxi. Besondere Vorsichtsmaßnahmen gegen das Coronavirus gibt es nicht. „Wir können weder uns schützen noch unsere Fahrgäste“, bemängelt die Rastatter Taxifahrerin Alma Dedic.

Sterilität im Dialyse-Taxi kaum möglich

„Ich verfolge täglich die Nachrichten aus aller Welt, über uns Taxifahrer berichtet niemand, als ob wir nicht existieren“, sagt die Rastatterin, die für die Firma Taxi Barock fährt. Ein gutes Gefühl hat sie derzeit nicht: „Im geschlossenen Auto hat man nahen Kontakt zu den Fahrgästen“.

Haben keine Möglichkeit, uns und unsere Fahrgäste zu schützen.

Alma Dedic, Taxifahrerin aus Rastatt

Das Unternehmen, bei dem Alma Dedic beschäftigt ist, hat regelmäßig Dialysepatienten als Kunden. „Wir haben mehrere Dialysepatienten, die wir jeden Tag fahren“. Die Patienten sind gesundheitlich angeschlagen, viele sind hochbetagt, teilweise auf den Rollstuhl oder zumindest auf Hilfestellung durch die Fahrer angewiesen.

„Unsere Fahrgäste sind sehr verängstigt“, so die Beobachtung von Alma Dedic.

Alle Fahrgäste müssen die Tür- und Haltegriffe anfassen. Die Möglichkeit, Oberflächen im Fahrzeuginneren zu desinfizieren, hat sie nicht. „Wir haben kein Waschbecken und keine Seife im Taxi“. Es gibt aktuell nirgendwo Desinfektionsmittel zu kaufen.

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Das Rathaus verweist aufs Gesundheitsamt – dort ist dauerbesetzt

Sie habe sich deshalb bereits an den Rastatter Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch gewandt, erzählt Alma Dedic. Dessen Büro habe sie an das Gesundheitsamt verwiesen. Dort sei die Telefonleitung dauerbelegt, so Dedic.

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Bleibt die Frage: „Was passiert mit dem Dialyse-Zentrum, wenn nur ein Patient positiv auf das Coronavirus getestet wird“? Im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden sind aktuell 182 Corona-Infizierte bestätigt.

In einigen anderen Ländern wurden in den Städten wegen der besonderen Situation Spender mit Desinfektionsmittel an öffentlichen Plätzen oder in Einrichtungen aufgestellt, in Rastatt nicht. „Da hat die Stadt gewaltig gepennt“, sagt die besorgte Taxifahrerin und legt nach: „Der OB hat Nachholbedarf“.

Schwierige Lage fürs Taxi-Geschäft wegen Coronavirus

Die derzeitige Situation trifft die Taxi-Branche auch wirtschaftlich massiv: Die Zahl der Fahrgäste ist fast auf null zurückgegangen. Bereits durch das kostenlose Shuttle des Gewerbevereins RA3 brachen den Rastatter Taxifahrern Einnahmen weg.

Dedic: „Wir bangen um unsere Löhne, im Moment fahren wir nur unsere kranken Leute zur Dialyse und zurück.“ Sie weiß von Taxiunternehmen, die bereits Fahrzeuge abmelden mussten.

„Wir fahren nur noch mit drei Mann“, sagt Bayram Ercan von der Hügelsheimer Firma Taxi Bercan. Normalerweise hat er 21 Mitarbeiter im Einsatz. „Wir sind breit aufgestellt.“ Zu Taxifahrten kommen Schüler- und Behindertenfahrten für die Lebenshilfe sowie ein Parkplatz für Urlauber, die vom Baden Airpark fliegen. „Mit dieser Situation konnte keiner rechnen, es trifft alle Branchen, außer die Supermärkte.“

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Der Unternehmer hat Kurzarbeit angemeldet und wartet auf ein Signal aus der Politik: „Wir hoffen auf Soforthilfemaßnahmen vom Staat, in Bayern haben sie schon eine Lösung gefunden, in Baden-Württemberg passierte bislang leider noch gar nichts.“

Nicht viel länger als zwei Monate

Die Marge im Taxigeschäft sei nicht sehr hoch, länger als ein, zwei Monate können viele Betriebe nicht durchstehen, so seine Prognose.

Mit 70 Mitarbeitern gehört die Firma Citycar in Baden-Baden zu den größeren Taxibetrieben. „Das Bargeschäft ist komplett weggefallen, es kommt niemand mehr am Bahnhof an“, betont Christel Kohler. Alle Messen sind abgesagt und das Festspielhaus hat seinen Betrieb eingestellt, dazu fehlen die regelmäßigen Fahrten für den SWR und Firmen wie Grenke.

Die Auslieferungsfahrten für die Pizzeria Mama Lina fangen den Ausfall nur zu einem kleinen Teil auf.

Bleiben noch die Fahrten für Dialyse- und Chemopatienten. Kohler: „Unsere Autos werden jeden Tag geputzt und desinfiziert und wir fahren die Leute einzeln“.