„Fellwechsel“-Geschäftsführer Andreas Leppmann im gut gefüllten Lager der Rastatter Abbalg-Station.
„Fellwechsel“-Geschäftsführer Andreas Leppmann im gut gefüllten Lager der Rastatter Abbalg-Station. | Foto: Alina Meier

Abbalgstation in Rastatt

Die Firma „Fellwechsel“ setzt sich für Pelz ohne schlechtes Gewissen ein

Anzeige

Tierfreunde tragen keinen Pelz. Andreas Leppmann sieht das anders. Er ist der Geschäftsführer der Firma „Fellwechsel“, die 2016 vom Deutschen Jagdverband und vom Landesjagdverband Baden-Württemberg gegründet wurde und Pelze aus Fellen heimischer Jagd herstellt – mit einer Abbalg-Station in Rastatt. In einer Zeit der Diskussionen um Nachhaltigkeit ist Pelz-Tragen für ihn nur sinnvoll.

„Wir haben als Jäger die gesetzliche Verpflichtung, zum Beispiel Füchse, Waschbären oder Marderhunde zu bejagen“, erklärt Andreas Leppmann. Die Grundlage dafür sei eine EU-Verordnung zur Eindämmung invasiver Arten.

Einige dieser gebietsfremden Arten, wie etwa Nutria oder eben Waschbär haben hier keine natürlichen Feinde und werden zu einer Bedrohung für heimische Flora und Fauna.

Nutria
Ein Nutria beim Fressen. Die aus Südamerika stammenden Nagetiere haben sich erheblich ausgebreitet. | Foto: Philipp Schulze

Pelze nutzen statt wegwerfen

Der Grundgedanke hinter „Fellwechsel“ sei also gewesen, die bei der Jagd anfallenden Felle zu verwerten, „Nutzen statt wegwerfen. Denn das Tier stirbt ja sowieso“, sagt Leppmann. „Die Felle fallen so oder so an.“

Mehr zum Thema: „Fellwechsel“-Bilanz: Pelze aus heimischer Jagd sehr gefragt

Gerade in Anbetracht der Diskussion um Plastik meint er: „Die Plastikbestandteile vieler Kleidungsstücke sind Erdöl pur. Warum die dann nicht aus Echtpelz machen, aber eben aus der freien Natur.“ Der Pelz lasse sich sogar kompostieren.

Herkunft wird ab der Jagd dokumentiert

In 820 bundesweiten Stellen werden die Tiere für „Fellwechsel“ gesammelt. Die Jäger geben sie dort ab, nachdem sie sie schnellstmöglich nach dem Erlegen eingefroren haben, um das Einsetzen der Verwesung zu verhindern.

Mehr zum Thema: Jagdverband wehrt sich gegen längere Schonzeit für Nutrias

Seit 2018 hat die GmbH die Betriebserlaubnis für die Abbalg-Station in Rastatt. Dort werden die gesammelten Tiere aufgetaut und die Felle abgezogen. Jedes Fell hat eine Marke, also einen Herkunftsnachweis, der bis zum Erlegen des Tieres zurückreicht, die Jäger müssen die Jagd dokumentieren. Zur weiteren Verwendung müssen die Felle gegerbt werden. „Aktuell liegen unsere Gerbungszeiten bei etwa einem Jahr“, sagt Leppmann. Das liege vor allem an der geringen Zahl von Gerbereien, die es noch in Deutschland gebe.

Aber auch an der Menge an Fellen, die „Fellwechsel“ liefert. „In der vergangenen Saison waren es etwa 25.000“, sagt er. In der laufenden Saison rechne er sogar mit 35.000.

Kennzeichnung der Pelze mit „We Prefur“-Label

Nach der Gerbung werden die Pelze zum Beispiel zu Jacken-Innenfutter, Taschen-Anhängern, Stirnbändern oder Nierenwärmern verarbeitet und mit der Kennzeichnung „We Prefur“ verkauft.  Vermarktet würden die Produkte bislang über den eigenen Online-Shop und auf Messen – und das erfolgreich.

Ein Verkauf über den normalen Fellhandel sei deswegen auch geplant, gestalte sich aber schwierig. „Der aktuelle Preis für einen Echtpelz liegt bei elf US-Dollar. Das ist dann aber Zuchtware“, so Leppmann. Da könnten sie einfach nicht mithalten.

„Letztendlich muss der Verbraucher sich aber für eine nachhaltige Nutzung aus der Natur und ein Tier mit einem glücklichen Leben entscheiden“, sagt Leppmann. Jedoch könne man sich bei „Fellwechsel“ unter dem Slogan „Ehrlich. Nachhaltig. Wild.“ darauf verlassen, dass das was draufstehe, eben auch drin sei.

So schön kann Artenschutz sein

Andreas Leppmann, „Fellwechsel“-Geschäftsführer

Die Reaktionen auf „Fellwechsel“ seien nicht schlecht. Er persönlich habe noch nie negative Erfahrungen gemacht, erzählt Leppmann. Er habe immer eine Geschichte zu den Pelzprodukten zu erzählen, das sei ein ganz wichtiger Punkt. Dadurch könne er nämlich authentisch vertreten, was er da mache.

Natürlich brauche man mit Tier-Rechtlern nicht über das Thema diskutieren, denn die lehnten jedwede Nutzung eines Tieres ohne Alternative ab, so Leppmann. Beim Tierschutz sei die Jagd an sich meist Mittelpunkt der Diskussion. Es herrsche die Sorge, dass durch „Fellwechsel“ das Tragen von Pelz allgemein wieder salonfähig werde.

„Wir wollen mit Fell aus nachhaltiger Jagd positive Akzente auf dem Pelzmarkt setzen. Viele bedrohte Arten wären ausgestorben, wenn man andere nicht jagen würde“, sagt Leppmann und schaut auf einen Pelz: „So schön kann Artenschutz sein.“

We Prefur
Das Etikett „We Prefur – natural & fair“ kennzeichnet nach eigenen Angaben nachhaltige Pelzmode. Der Markenname setzt sich zusammen aus den englischen Worten „Prefer“ (bevorzugen) und „Fur“ (Pelz). Der deutsche Zentralverband des Kürschner-Handwerks hat dieses Label 2016 ins Leben gerufen. Es soll dem Endverbraucher garantieren, dass die verwendeten Felle aus nachhaltiger, waidgerechter Jagd stammen. Aus Asien importierte Zuchtpelze sind oft genauso billig oder billiger als Kunstpelze. Obwohl echter Pelz in der EU eigentlich mit dem Hinweis „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ gekennzeichnet werden muss, wird häufig falsch deklariert. Die mit „We Prefur“ gekennzeichneten Pelzprodukte sollen sich so klar zu anderen Fellmaterialien abgrenzen.