Fans der Gospelmusik sind überall: Mit ihrem ekstatischen Gesang tauchen „The Best of Black Gospel“ in viele emotionale Momente ab und reißen damit das Publikum von seinen Sitzen. | Foto: pr

Gospel in der Badner Halle

„Die Liebe zur Musik ist auf allen Kontinenten gleich“

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Mit „The Best of Black Gospel“ kommt am Samstag, 15. Dezember, die Gospelsensation aus den USA nach Rastatt. Mit allseits bekannten Songs wie „Oh Happy Day”, „Down By The Riverside” oder „Go Down Moses“ verspricht der Chor ab 20 Uhr über zwei Stunden Party in der Badner Halle, mit der er auf Weihnachten einstimmen möchte. Unsere Mitarbeiterin Meike Paul hat mit dem Chorleiter Sam Franklin über Chor-Traditionen, Michael Jackson und mitreißende Rhythmen für graue Tage gesprochen.

Oh happy day – fragt man nach dem bekanntesten Gospel-Hit, dann sind sich alle einig. Was glauben Sie warum ist es dieser Song, der den Leuten so ins Ohr geht?

Franklin: So richtig bekannt geworden ist das Lied in den 90er Jahren durch den Film „Sister Act“ mit Whoopi Goldberg. Er ist deshalb auch so beliebt, da er einen sehr einfachen aber melodischen Refrain hat mit zwei einfachen Worten, die sich jeder merken kann. Das Lied strahlt auch durch die Melodie eine gewisse Lebensfreude aus. Ursprünglich wird der Tag von Jesus Geburt besungen, der war ein wirklicher happy day.

Bei ihren Konzerten wird getanzt und gelacht. Steht das nicht im Widerspruch mit einem besinnlichen Weihnachtsfest?

Franklin: Nein, das Beisammensein, das gemeinsame Singen und Zeit verbringen ist doch genau das, was bei den europäischen Familien zelebriert wird. In der afroamerikanischen Kultur fällt das eben alles noch ein wenig intensiver aus. Aber ich denke lachen, singen und glücklich sein, sollte man auch gerade zu Weihnachten, wenn es draußen dunkel und kalt ist.

Sie reisen durch die ganze Welt. Warum kann Musik Grenzen überwinden, die das gesprochene oder geschriebene Wort vielleicht nicht zu passieren vermag?

Franklin: Ja, wir sind im Laufe der Jahre schon viel unterwegs gewesen und haben die unterschiedlichsten Kulturen kennengelernt. Aber die Fans der Gospelmusik gibt es überall auf der Welt. Es gibt diejenigen, denen die christlichen Botschaften in den Liedern besonders wichtig sind, oder aber die Menschen, denen einfach die Vortragsweise des ekstatischen Gesangs mit den unterschiedlichen Stimmfacetten besonders am Herzen liegt.

So oder so – eine Musikform, die man nur lieben kann, oder?

Franklin: Ich glaube, Liebe zur Musik ist auf allen Kontinenten gleich und überspringt auch sprachliche Barrieren. Und das ist genau das, was für die Verständigung am Wichtigsten ist.

Sehen Sie sich dennoch manchmal mit Anfeindungen konfrontiert?

Franklin: Nun, das ist ein sehr schwieriges Thema, und das ist sicher für jeden individuell zu betrachten. Wenn wir hier als „The Best of Black Gospel“ auf Tournee sind, dann sind wir in erster Linie Künstler die auf einer Bühne stehen und vor Publikum auftreten, welches uns wohlgesonnen ist. Sicher gibt es aber im alltäglichen Leben, in Deutschland, oder auch bei uns in den Staaten, immer wieder Situationen mit anderen Mitmenschen, die man als sogenannten Alltagsrassismus benennen kann. Nicht schön, aber leider wahr. Es geht dann eben darum, wie man damit umgeht.

Als energiereiche Gruppe gibt es sicher viel Rückhalt. Wie muss man sich Ihre Proben vorstellen?

Franklin: Wir proben am Anfang der Tournee alle Lieder durch, die wir uns überlegt haben. Natürlich kennen wir die schon seit unserer Kindheit. Es sind also vor allem die Arrangements zu klären und wer welchen Solopart übernimmt. Wir tauschen uns da aber auch regelmäßig aus, so dass jeder mal sein Können zeigen kann.

Fällt es manchmal schwer, gute Laune zu verbreiten? Oder kommt die automatisch, bei den mitreißenden Rhythmen?

Franklin: Ehrlich gesagt, kommt es dabei auch ein Stück weit auf das Publikum an. Grundsätzlich haben wir immer gute Laune, Spaß an der Sache und wollen den Menschen das auch vermitteln. Sicher gibt es auch mal schwierige Tage, aber das fangen die Mitmusiker auch wieder auf.

Und auf der Bühne ist man dann wieder frei?

Franklin: Ja! Wenn dann im Publikum der Funke überspringt, gibt es auch bei uns kein Halten mehr. Das bedingt sich immer gegenseitig und macht großen Spaß.

Gibt es Vorbilder? Sänger und Musiker, zu denen Sie als Chor aufschauen?

Franklin: Das kann man gar nicht auf einen beschränken, da wir auch alle unterschiedliche musikalische Projekte und Interessen haben. Ein großer Namen in der Gospelszene ist aber zum Beispiel Hezekiah Walker, der vielen Musikern und Gospelfans ein Begriff ist. Es gibt aber auch persönliche Vorlieben für Hip Hop, R’n’B und Soul.

Das heißt, man schaut sich überall etwas ab und entwirft seinen eigenen Stil?

Franklin: So in der Art, ja. Es ist relativ schwer, da gemeinsame Vorbilder zu nennen. Aber ein Megastar darf natürlich nicht unerwähnt bleiben, der uns alle immer wieder beeinflusst hat – Michael Jackson!

Und wie verbringen Sie Weihnachten. Schaffen Sie es rechtzeitig nach Hause?

Franklin: Wir sind während der gesamten Weihnachtszeit auf Tournee und verbringen Thanks Giving und Heiligabend im Hotel oder Restaurant mit der ganzen Gruppe und auch unserem Team.

Gibt es dabei eine Tradition, die Sie als Gruppe pflegen?

Franklin: Wir beten vor jedem Konzert und bedanken uns dafür, was wir doch für ein Glück bisher gehabt haben, unsere Passion unseren Mitmenschen in Form von Musik mitteilen zu dürfen.

Warum sollten sich die Rastatter ihren Auftritt nicht entgehen lassen?

Franklin: Ich denke die Rastatter sollten sich selbst ein Bild davon machen, wie wir in den Staaten Gospel feiern und dabei viel Spaß haben. Das steckt an und reißt die Menschen von den Sitzen. Wir garantieren zwei Stunden Abschalten vom Alltag und ein Eintauchen in viele emotionale Momente. Das kann ich auf jeden Fall versprechen.