Die Ursache von PFC-Belastungen kann in Feuerlöschschäumen, Abwässern, Klärschlämmen oder auch Papierschlämmen liegen. Hinzu kommen PFC-Freisetzungen aus Produktionsstätten.
Die Ursache von PFC-Belastungen kann in Feuerlöschschäumen, Abwässern, Klärschlämmen oder auch Papierschlämmen liegen. Hinzu kommen PFC-Freisetzungen aus Produktionsstätten. | Foto: Klatt

Verschiedene Quellen der PFC

Die PFC-Belastung von Böden und Gewässern variiert je nach Ursache

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In einer vierteiligen Serie ordnet BNN-Mitarbeiterin Patricia Klatt die Dimensionen des Rastatter PFC-Problems im weltweiten Vergleich ein. Im zweiten Teil blickt sie auf die verschiedenen Ursachen, die einer PFC-Belastung zugrunde liegen können.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

Über Nachweise von PFC (perfluorierte Kohlenwasserstoffe) in Mensch und Umwelt berichten Wissenschaftler verstärkt seit Anfang der 2000er Jahre, eine umfassende Übersicht liegt nirgendwo vor. Die Ursache von PFC-Belastungen kann ganz unterschiedlich sein – sie kann in Feuerlöschschäumen, Abwässern, Klärschlämmen oder auch Papierschlämmen liegen.

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Verschiedene Ursachen haben zu PFC-Belastungen in Baden geführt

Hinzu kommen PFC-Freisetzungen aus Produktionsstätten, Produkten und auch kommunalen Kläranlagen. Ebenso unterschiedlich wie die möglichen Quellen ist auch die PFC-Zusammensetzung, die dann vor Ort gemessen werden kann, weswegen es die eine PFC-Belastung offenbar so gar nicht gibt.

„Das können wir bereits in unserer Region beobachten“, sagt Reiner Söhlmann von der PFC-Geschäftsstelle im Rastatter Landratsamt. Die Landesanstalt für Umwelt habe eine landesweite Hintergrundbelastung gemessen, es gebe aber auch die PFC-Belastung durch den Brandfall bei der Baden-Badener Firma Claus. Am Baden-Airpark finden sich PFC wegen der Löschschäume und es gebe eben die Belastung durch den mutmaßlich PFC-belasteten Papierschlamm-Kompost, erklärt Söhlmann.

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Ab 2005 war Deponierung von Papierschlämmen verboten

Die heutigen Vorgaben für die Papierbehandlung mit fluorierten Chemikalien sind streng. Vor 15 Jahren sah das anders aus, denn bis 2005 durften Papierschlämme einfach auf Deponien gelagert werden. Erst danach wurde es verboten. Doch bis dahin wurden beispielsweise auch auf der Deponie in Gaggenau-Oberweier Papierabfälle von mindestens 200.000 Tonnen abgelagert.

„Nach Aktenlage kamen die Abfälle von Papierfabriken aus Gernsbach, Karlsruhe und Weisenbach“, so die Stabsstelle PFC, „und bei verschiedenen Messungen wurden im Rohsickerwasser mit 8,75 bis 21 Mikrogramm pro Liter (Summe PFC) deutliche PFC-Konzentrationen nachgewiesen“. Erst nach dem Durchlaufen des Sickerwassers durch die Reinigungsanlage werden darin die PFC-Werte eingehalten.

Aus der PFC-Zusammensetzung des Sickerwassers lassen sich zwar keine sicheren Rückschlüsse auf die Herkunft ableiten. Nach Aussage der Stabsstelle liegen aber auch keine Hinweise vor, dass auf der Deponie nach 2005 größere Mengen von beispielsweise PFC-verunreinigtem Bodenmaterial oder Brandschutt abgelagert wurden.

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PFC-Problem in Mittelbaden wohl durch ältere Papierabfälle verursacht

Es sei daher wahrscheinlich, dass die gemessene PFC-Konzentration im Rohsickerwasser mit der Ablagerung von Papierabfällen von vor 2005 zusammenhängen. Da jedoch auch eine Vielzahl anderer Abfälle bis 2005 dort abgelagert worden seien, sei es unklar, ob die Papierabfälle als alleinige Ursache herangezogen werden könnten, so die Stabsstelle weiter.

Anderswo sieht das anders aus. In Kalamazoo County im US-Bundesstaat Michigan liegt Parchment, die „Papierstadt“, deren Papierfabriken am Ostufer des Kalamazoo River Papier herstellten, unter anderem auch beschichtete Papiere für die Lebensmittelindustrie.

Auf einer Mülldeponie, die früher von Papierfabriken in Parchment verwendet wurde, fand man extrem hohe Mengen an toxischen Fluorchemikalien, die man einst zum Beschichten von Spezialpapieren verwendete. Die ehemalige Deponie soll in den nahe gelegenen Grundwasserbrunnen und im kommunalen Trinkwassersystem von Parchment eine hohe PFC-Kontamination verursacht haben.

Die Wasserversorgung von Parchment musste deswegen an die der Stadt Kalamazoo angeschlossen werden. Etwas, was uns hier bekannt vorkommt, denn auch in Mittelbaden mussten wegen PFC Ersatzleitungen für sauberes Trinkwasser gebaut werden.

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