Clemens Erbacher
Noch ist er auf die Karte angewiesen: Der neue Forstdirektor Clemens Erbacher hat sich in den vergangenen Monaten einen ersten Eindruck von seiner neuen Wirkungsstätte verschafft. | Foto: Collet

Landkreis Rastatt

Die urige Natur hat ihn schon gepackt

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Nein, einen Moritz habe er nicht. „Aber die Frage wird mir immer mal wieder gestellt“, erzählt Clemens Erbacher lachend. Er ist der Nachfolger von Forstdirektor Heinz Wicht im Landratsamt Rastatt, den man nur selten ohne seinen Dackel Moritz gesehen hat. „Und vielleicht schaffe ich mir ja auch noch einen Hund an.“

Nach Jahren im Innendienst wieder draußen im Wald

Obwohl er ausgebildeter Diplom-Forstwirt ist und auch die klassischen Stationen auf dem Weg zur forstlichen Staatsprüfung durchlaufen hat, ist Erbacher lange Zeit nicht der klassische Förster im Wald gewesen – und brauchte deshalb auch keinen Hund. 1995 verschlug es ihn in die Forstdirektion nach Stuttgart, wo er das Referat für Waldarbeit und Haushalt übernahm. Vier Jahre später schulterte er ein Mammutprojekt, bei dem es darum ging, mehrere Computerprogramme durch eines, das alles kann, zu ersetzen. „Und das ist tatsächlich noch immer im Einsatz“, erzählt Erbacher nicht ganz ohne Stolz. Dennoch: Er habe immer zurück in den Wald gewollt. „Geschafft habe ich es dann 2015.“

Die Anzahl der Baumarten hat sich verdreifacht

Vor drei Jahren wechselte der damals 51-Jährige in den Landkreis Freudenstadt, wo er fünf Kommunen zwischen Seebach und Alpirsbach betreute. „Der Schwarzwald hat allerdings völlig andere Schwerpunkte“, zieht Erbacher nach gut vier Monaten im neuen Amt eine erste Bilanz. Während der Schwarzwald aus 80 bis 90 Prozent Waldfläche bestehe, seien es hier lediglich 17 bis 20 Prozent. Themen wie Erholung, Kiesabbau, Infrastruktur und Naturschutz spielten da eine ganz andere Rolle als in Freudenstadt. „Dort haben wir fünf Baumarten. Hier sind es 15. Das ist eine ganz andere Vielfalt, eine viel größere Bandbreite“, so Erbacher, der offen sagt, dass ihm dieser Wechsel auch einiges an Einarbeitung abverlangt habe.

Wie im alten Ägypten

Praktisch sei da der Zeitpunkt seines Amtsantritts zum Dezember gewesen: „Der Holzeinschlag ist ein klassisches forstwirtschaftliches Thema.“ Februar und März seien dann von Pflanzarbeiten geprägt gewesen und inzwischen sind die Waldbegehungen dazugekommen. Die kennt der gebürtige Odenwälder aus seiner früheren Wirkungsstätte. „Doch im Schwarzwald ist das mit Fahrrädern wegen der steilen Hänge undenkbar“, freut er sich über die neue Bewegungsfreiheit.

Nach der Esche könnte die Kiefer dran sein

Ein großes Thema, das den neuen Forstdirektor in diesem Jahr bewegt, ist die sogenannte Forsteinrichtung, quasi eine Inventur des Waldes mit Zukunftsplanung im Zehn-Jahres-Rhythmus. Und da wird das Eschentriebsterben eine herausragende Rolle spielen. „Den Wald wird es in zehn Jahren auch noch geben, aber wir werden viel mehr Eschen schlagen müssen und auch viel mehr pflanzen“, prognostiziert Erbacher. Pappel, Nuss, Platane, Baumhasel, Hainbuche, Linde und Kirsche werden dann zum Zuge kommen, so der Forstdirektor. „Das ist viel Aufwand, und der bringt uns erst spät einen Ertrag.“ Das Fiese dabei: Nach dem Jahrhundertorkan Lothar hatte der Forst auf die Esche gesetzt, „denn das ist eigentlich ein toller Baum“. Dann kam der ostasiatische Blattpilz mit dem so harmlos klingenden Namen „Falsches weißes Stengelbecherchen“. „Und jetzt steht uns in den nächsten 30 Jahren bevor, wofür wir eigentlich 100 Jahre Zeit gehabt hätten, wenn wir noch was mit dem Holz anfangen wollen.“ Und auch wenn Erbacher kein Schwarzmaler sein will – es könnte gerade so weitergehen: „Das Kiefernsterben betrifft inzwischen immer jüngere Bäume. Das könnte der nächste Kandidat sein.“

Hin und wieder geht es auch schon ohne Karte

Doch es gibt auch Themen, die den neuen Forstdirektor einfach nur begeistern – wie die Rheinauen. „Da kommt das Wasser innerhalb kürzester Zeit, alles steht zimmerhoch unter Wasser, dann ist es ganz schnell wieder weg und das Leben explodiert wie am alten Nil. Gigantisch“, gerät Erbacher angesichts der „urigen“ Überflutungsauen ins Schwärmen.
Überhaupt habe er sich dank der Forsteinrichtung und der Waldbegehungen schon einen ganz guten Überblick verschaffen können. „Jeden Hektar kenne ich zwar noch nicht“, sagt der neue Forstdirektor schmunzelnd. „Aber es gibt Termine, zu denen ich schon ohne Karte finde.“