An der Baustelle des havarierten Tunnels fuhren in der Nacht zu Montag kurz nach Mitternacht die ersten Züge durch.
In der Nacht zum 2. Oktober wurde der Streckenabschnitt wiedereröffnet. | Foto: Collet

Tunnel-Havarie bei Rastatt

Die Züge rollen wieder

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Die Züge rollen wieder. Um 0.01 Uhr sprang in der Nacht zu Montag das Signal im Rastatter Bahnhof auf Grün, um 0.05 Uhr ist der erste Güterzug in Richtung Baden-Baden durchgefahren – er überfuhr allerdings nur als zweiter den wiedereröffneten Streckenabschnitt bei Niederbühl. Der erste war ein Personennachtzug aus dem Süden in Richtung Hamburg, er kam wiederum zwei Minuten später in Rastatt an. Eine Viertelstunde zuvor hatte der letzte in Rastatt anhaltende ICE den Bahnhof in Richtung Karlsruhe verlassen.

Um 23.58 Uhr verließ der letzte in Rastatt anhaltende ICE den Bahnhof.
Um 23.48 Uhr verließ der letzte in Rastatt anhaltende ICE den Bahnhof. | Foto: Janke

Seit dem 12. August, also seit sieben Wochen war der Streckenabschnitt wegen der Havarie der Tunnelröhre bei Niederbühl gesperrt. Die Deutsche Bahn entfernte die Gleise auf 300 Meter Länge, baute eine Stahlbetonplatte und legte darüber neue Schienen. Unter der Platte ist eine Tunnelbohrmaschine einbetoniert – unklar ist, wie diese für den Weiterbau der Röhre geborgen wird.

Zweiter Tunnelbohrer startet bald

Die zweite Bohrmaschine startet in einigen Tagen, sie steht im Bereich des Rastatter TV, ab Mittwoch wird dafür die L 77 zwischen Rastatt und Niederbühl gesperrt und mit Sand aufgeschüttet. Der Tunnelbohrer frisst sich weiter bis zur Rheintalbahn. Erst dann wird entschieden, ob er sich auch unter der Strecke durchbohren wird oder ob man eine andere Lösung, etwa im Tagebau findet.

Ein Personennachtzug kam als zweiter am Rastatter Bahnhof vorbei.
Ein Personennachtzug kam als zweiter am Rastatter Bahnhof vorbei. | Foto: Janke

Der Fernverkehr und der Güterverkehr werden ab Montag, 2. Oktober, ihren planmäßigen Betrieb wieder aufnehmen, ebenso die Regionalzüge der Schwarzwaldbahn. Die Stadtbahnen der Albtal-Verkehrsgesellschaft werden erst zum Betriebsbeginn am Mittwoch, 4. Oktober, wieder planmäßig fahren.
Während der Streckensperrung endeten die ICE aus Norden alle in Rastatt, diejenigen aus dem Süden in Baden-Baden. Zwischen beiden Bahnhöfen fuhren Busse im Sechs-Minuten-Takt und brachten die Reisenden auf die jeweils andere Seite der havarierten Baustelle. Während dieser Zeit sind am maroden Rastatter Bahnhof mehr als eine Million Menschen ein- und ausgestiegen. Da der Zustand des Bahnhofs zu massiven Protesten geführt hatte, sieht sich die Bahn nun gezwungen, den Bahnhof behindertengerecht auszubauen – was die Stadt Rastatt und mehrere Behindertenverbände bereits seit vielen Jahren fordern.

Zwei Jahre Zeitverzögerung

Die Fertigstellung des Tunnels wird sich derweil um voraussichtlich zwei Jahre verzögern, wie im Verkehrsausschuss des Landtags bekannt wurde. Damit werden – sofern es keine weitere Havarie gibt – erst im Jahr 2024 die ersten planmäßigen Züge zwischen Karlsruhe und Baden-Baden über die Schnellstrecke fahren können. Der Rastatter Tunnel, der die Stadt von Ötigheim bis Niederbühl unterquert, ist ein wichtiger Bestandteil der Magistrale von Rotterdam nach Genua. Wie empfindlich dieses Nadelöhr ohne zweite Trasse ist, hat sich nicht zuletzt bei der aktuellen Sperrung mit europaweiten Auswirkungen im Bahnverkehr gezeigt.

Bei den Verantwortlichen der Bahn herrschte Erleichterung nach der Wiederinbetriebnahme der Strecke.
Bei den Verantwortlichen der Bahn herrschte Erleichterung nach der Wiederinbetriebnahme der Strecke. | Foto: Collet