Neue Formen des Lernens: Schüler pauken an der JDS mit Tablets. Der Zuschnitt der alten Klassenzimmer mit einer wenig flexiblen Sitzordnung wird den neuen Ansprüchen kaum gerecht.
Neue Formen des Lernens: Schüler pauken an der JDS mit Tablets. Der Zuschnitt der alten Klassenzimmer mit einer wenig flexiblen Sitzordnung wird den neuen Ansprüchen kaum gerecht. | Foto: Kraft

Josef-Durler-Schule

Die Digitalisierung krempelt den Unterricht an Rastatter Schule um

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Die Bildung im digitalen Zeitalter verändert nicht nur das Lernen, das individueller wird und stärker projektorientiert. Sie erfordert auch, wie erst jüngst beim Tag der offenen Tür in der Josef-Durler-Schule Rastatt (JDSR) zu erfahren war, mehr Teamarbeit zwischen Lehrern und Schülern und ganz neue Raumkonzepte.

Kurzum: Die digitale Bildung krempelt eine Schule und das Verständnis dessen, was Schule bisher war und künftig sein kann, grundlegend um. Im Idealfall entsteht eine neue Form von Schule.

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Sieger erhält 30.000 Euro

Diese Erfahrung jedenfalls hat die JDSR in den vergangenen sieben, acht Jahren gemacht. „Gemeinsam Räume schaffen für individuelles Lernen, das Spaß macht“, lautet die Vision der Bildungseinrichtung in Trägerschaft des Landkreises, die zusammen mit neun weiteren Schulen für einen der mit insgesamt 100.000 Euro dotierten Schulpreise der Dieter-Schwarz-Stiftung nominiert ist. Der Sieger erhält für das beste Medienkonzept 30.000 Euro.

Als eine der ersten Schulen im Landkreis machte sich das berufliche Schulzentrum schon vor 2013 Gedanken darüber, wie das Lernen und der Unterricht im Jahr 2030 aussehen sollen. Studienrat Simon Hassemer erzählt: „Mein Kollege Jan Hambsch hatte schon früh den Eindruck, dass sich etwas bewegen muss. Und so beschloss er, als Pionier des Unterrichts mit digitalen Medien an der JDSR zu starten.“

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Schulversuch zum Einsatz von Tablets

Er habe mit seinen Ideen und der Lust, etwas Neues auszuprobieren, neue Mitstreiter angesteckt. Um Hambsch formierte sich ein kleines Team, das sich in einzelnen Fächern und Klassen auf Expedition in die neue digitale Welt aufmachte. Inspiriert durch Fortbildungen, bewarb sich die Schule 2015 für das Projekt TabletBS, einen Schulversuch des Landes zum Einsatz von Tablets im Unterricht.

Weil, wie Hassemer sagt, allen von Beginn an klar war, dass es nicht reicht, mit neuer Technik die alten Wege immer wieder zu beschreiten, entstand ab 2015 besagte Vision, mit der seither ein Schulveränderungsprozess einhergeht. „Dabei galt und gilt es nach wie vor, auch jene Lehrer mit ins Boot zu holen, die von der rasanten Entwicklung der digitalen Transformation und deren Bedeutung für Schule und Bildung nicht ganz so angetan waren“, sagt Hassemer.

Sukzessive habe der Einsatz der neuen digitalen Endgeräte im Unterricht dazu herausgefordert, den eigenen Unterricht zu reflektieren. Das bisherige Verhältnis von Lehrendem und Lernendem wurde in Frage gestellt. Das Miteinander, die Vernetzung untereinander und die gegenseitige Unterstützung, spielten eine immer größere Rolle.

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Individuelleres Lernen

Mit dem Tablet kam den Schülern eine eigenverantwortliche Rolle zu. Sie konnten immer stärker selbst entscheiden, woran sie gerade arbeiten möchten. Es blieb ihnen überlassen, wie sie ihre Ziele erreichen. Das Lernen wurde individueller. „Lernen mit mobilen Endgeräten bedeutet im eigentlichen Wortsinne, dass nicht das Lernen digitalisiert wird, sondern, dass die Lernenden mobil werden, dass sie also auch zu Hause, im Zug, in der Bibliothek, im Park, auf dem Pausenhof oder wo auch immer arbeiten können“, so der Pädagoge.

Für die verschiedenen Formen des individuellen, kollaborativen, dezentralen und demokratisch-mitbestimmten Lernens brauchen wir neue Raumkonzepte, Räume und Möbel.

Gerold Wendelgaß, Schullleiter der Josef-Durler-Schule, Rastatt

In den Klassenzimmern mit ihrer frontal ausgerichteten Struktur und wenig flexiblen Sitzordnung sei ein solches Lernen nicht möglich. Auch Schulleiter Gerold Wendelgaß sagt: „Für die verschiedenen Formen des individuellen, kollaborativen, dezentralen und demokratisch-mitbestimmten Lernens brauchen wir neue Raumkonzepte, Räume und Möbel.“

Mit der geplanten, rein energetischen Sanierung des Schulgebäudes sei es nicht getan. Da würde eine Chance vertan. Was jetzt versäumt werde, bleibe für die nächsten 40 Jahre bestehen. Das Ziel laute daher: „Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen alle Schüler in neuen und offenen Lernräumen selbstständig, digital versiert und mündig lernen und sich entwickeln können.“