In der Weihnachtsscheune in Rastatt warten kleine und große Tannen auf Besucher, die sie über Weihnachten mieten, aufstellen und schmücken. Die Bäume von Martina Hartmann und Ecosapin lassen sich auch online buchen.
In der Weihnachtsscheune in Rastatt warten kleine und große Tannen auf Besucher, die sie über Weihnachten mieten, aufstellen und schmücken. Die Bäume von Martina Hartmann und Ecosapin lassen sich auch online buchen. | Foto: Collet

Ecosapin in Rastatt

Öko-Christbäume leben nach Weihnachten weiter

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Grün sind Tannenbäume ja fast immer. Grün im nachhaltigen Sinn stehen sie in der Weihnachtsscheune von Martina Hartmann. Die Jungunternehmerin hat den deutschlandweit ersten Franchise-Standort der Schweizer Firma Ecosapin (zu deutsch Öko-Tannenbaum) in Rastatt eröffnet. Den Weihnachtsbaum bekommt man bei ihr im Topf – und zwar zur Miete. Denn anschließend wird dieser wieder eingepflanzt statt weggeworfen.

„Ich liefere die Tanne zu einem gewünschten Termin nach Hause und hole sie zum vereinbarten Zeitpunkt wieder ab“, erklärt Hartmann. Online können sich Privatleute aber auch Firmen im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden über Ecosapin einen Baum mieten. „Viele haben keine Vorstellung von einer Tanne im Topf“, ergänzt die studierte Agrarwissenschaftlerin. Deshalb öffnet sie bis Weihnachten jeden Samstag von 10 bis 16 Uhr die heimische Scheune im Ludwigring 1 für neugierige Besucher. Dort kann man sich die Bäume anschauen, aussuchen und reservieren.

Familientradition an Weihnachten

Dass sie die Tür zu ihrem Garten für Kunden öffnet, hat aber auch noch einen anderen Grund: „Seit ich klein bin, begleite ich meinen Papa beim Weihnachtsbaum-Kauf. Das gehört einfach dazu“, erinnert sich Hartmann. Der tannengrüne VW-Käfer, dessen Rückbank immer zum Transport diente, ist nun Kulisse für die Weihnachtsscheune.

Dekorativ in Tannengrün: Die Weihnachtsscheune von Martina Hartmann und Ecosapin.
Dekorativ in Tannengrün: Die Weihnachtsscheune von Martina Hartmann und Ecosapin. | Foto: Keller

Robuste Tannen

Die mietbaren, sogenannten Fraser-Tannen stammen aus Belgien – sie haben dichte Zweige mit weichen Nadeln. „Diese Sorte ist sehr robust und hält es ein paar Wochen in der Wohnung aus“, erklärt die 30-Jährige. Bis zu 1,80 Meter sind die Bäume hoch. Die Kleinsten, wiederum von der deutschen Sorte Omorika, passen problemlos auf den Tisch. „Davon habe ich zuletzt viele an Arztpraxen ausgeliefert, die damit den Tresen schmücken“, erzählt Hartmann.

In Handarbeit

Jede einzelne der 165 Tannen ist zuvor durch Hartmanns Hände gegangen: angefangen beim Ausladen aus dem Lastwagen bis hin zum Umtopfen. Zwischen 49 und 99 Euro kostet es, einen Weihnachtsbaum zu mieten – der Zeitraum ist dabei egal. Für einen bestimmten Übertopf oder die bereits von Hartmann geschmückte Variante müssen Kunden extra bezahlen.

Eine clevere Lösung.

Ihre Entscheidung, Ecosapin nach Rastatt zu bringen, hat sie erst im August getroffen. „Dabei ging es nicht darum, besonders ökologisch zu sein und den Brauch der Weihnachtsbäume als etwas Schlechtes darzustellen“, betont die Gründerin. „Vielmehr wollte ich eine clevere Lösung zeigen, die für alle passt – sowohl für Umweltschützer als auch für Weihnachtsliebhaber.“

Bewusstsein durch Ecosapin

Das Bewusstsein für Ressourcen ist ihr dennoch ein Anliegen. „Es ist wichtig, sich Gedanken zu machen, was jeder Einzelne von uns tun kann“, fügt sie hinzu. Jedes Jahr würden Millionen Bäume für Weihnachten gefällt werden. „Die sind erst fünf bis sechs Jahre alt, stehen einige Tage in den Wohnzimmern und sind danach tot“, sagt Hartmann. „Klar werden meine Bäume auch mit dem Auto transportiert. Aber sie sterben nicht.“

Menschen können Alternative wählen.

Bisher habe es kaum eine Alternative zur gebräuchlichen Vorgehensweise gegeben, ergänzt die Rastatterin. Sie habe durch Ecosapin bereits viele getroffen, die aus ökologischen Gründen lange keinen Baum mehr zu Weihnachten gekauft haben. „Jetzt können solche Menschen eine nachhaltige Version wählen“, fasst Hartmann zusammen.

Praktische Vorteile

Zudem gebe es weitere Vorteile: Die Tannen im Topf nadeln weniger und das Aufstellen ist unkomplizierter. Die Jungunternehmerin selbst beschäftigen die Tannen jedoch nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr. Sie werden unter anderem auf zwei Flächen in Rastatt und Rheinstetten wieder in die Erde gesetzt. „Dann muss ich mich natürlich weiter um die Pflanzen kümmern.“

Nachhaltige Projekte

Damit die Bäume den Prozess gut überstehen, hat sie Rat bei einem Landschaftsgärtner eingeholt. „Die großen Tannen würde ich gerne an Umweltprojekte weitergeben, zum Beispiel zum Aufforsten“, erklärt Hartmann. „Sie müssen nicht alle im kommenden Jahr wieder als Weihnachtsbaum auf Tour gehen.“