Die Hitze tat der Stimmung keinen Abbruch:: Nicht nur die Sonne, sondern auch „LaBrassBanda“, heizte den Besuchern im Rastatter Ehrenhof ordentlich ein. Am Ende waren alle in Bewegung – das hatte selbst Dieter Thomas Kuhn am Freitagabend nicht geschafft. | Foto: Collet

LaBrassBanda in Rastatt

Ehrenhof bebt unter fetten Beats

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Was war denn da bitte los? Alles tanzt und singt, in Lederhose und Dirndl, mit Sommerkleid und Strohhut: Trotz brennender Sommerhitze, fackelte am Sonntagabend „LaBrassBanda“ im Ehrenhof des Rastatter Residenzschlosses ein wahres Stimmungsfeuerwerk ab. Die Jungs aus Übersee am Chiemsee strapazierten ihre Blechblas-Instrumente nicht nur aufs Äußerste, sondern brachten auch die komplette Menge zum Mitfeiern und Beben. Und auch schon ihre Vorbands „Fättes Blech“ und „Moop Mama“ wussten, was es heißt, zum Finale des diesjährigen Schloss Open Airs von Vaddi Concerts nochmal richtig Party zu machen.

Vorband verkürzen die Wartezeit

Hätten Samy Deluxe und Afrob die Bezeichnungen „Rap-Genie“ und „Reimemonster“ nicht schon für sich gepachtet, gäbe es mit Keno Langbein sicher einen neuen Anwärter. Der Deutsch-Rapper aus München schockte im positiven Sinne mit sagenhaften Doubletimes und ausgefeilten Deutsch-Rap-Texten, die auf der Musik seiner zehnköpfigen Brass-Band „Moop Mama“ an den Stil der Berliner Dancehall-Gruppe Seeed erinnerten. Ja, mit „Moop Mama“ machte Hip-Hop so auch den Brassmusik-Fans Spaß, die rund zwei Stunden auf den Konzert-Start ihrer Lieblingsband in sengender Hitze warten mussten.

Bouncen, Tanzen und Spaß haben

„Wann spielt ,LaBrassBanda‘“, war da von dem ein oder anderen schwitzenden zu hören. Ungläubig wurde auf den Einlasskarten nach einer Uhrzeit gesucht. „18 Uhr Konzertbeginn“, war die Antwort, die aber nicht die Vorbands ankündigte. Doch die Besucher wurden fürstlich belohnt: Es durfte ausgelassen gebounced und getanzt werden. Keno Langbeins Texte machten Spaß und die Refrains von „Die Erfindung des Rades“, „Molotow“ oder „Alle Kinder“ gingen sofort ins Ohr. Da konnten auch die mitsingen, die von der Band noch nie etwas gehört hatten. Außerdem setzte die Vorband bei ihrem einstündigen Set auf bekannte Beats und Melodien, wie etwa Baha Mens „Who let the dogs out“ oder Kanye Wests „Gold Digger“. Auch die Jungs von „Fättes Blech“ heizten der sowieso schon triefenden Menge mächtig ein. Im Stil der amerikanischen Streetbands wie „Youngblood Brass Band“ feuerten sie bekannte Hits wie beispielsweise Beyoncés „Crazy in Love“ in die Menge und setzten dabei weniger wie „Moop Mama“ auf den Vokal-Part.

Rastatt? Roskilde? Hauptsache Musik!

Gegen 20 Uhr war es dann endlich soweit: „LaBrassBanda“ betrat die Bühne und rief in urbayerischer Mundart ein paar „Was haben die gerade gesagt?“ auf den Plan. Doch die Völkerverständigung war in diesem Fall egal: „Auch wenner uns nicht versteht, tanzt einfach mit“, forderte Sänger Stefan Dettl, der spannende Anekdoten aus dem Bandalltag zu berichten wusste und sich dabei um ein verständliches Deutsch bemühte. Mit Techno-Beats und tanzbaren Rhythmen erreichten die Jungs selbst die Helfer an der Getränkeausgabe und so bot sich am frühen Abend ein Bild, das nicht mal Schlager-König Dieter Thomas Kuhn geschafft hatte: Der komplette Ehrenhof war in Bewegung – alles tanzte! Kein Wunder, dass es der Band beim Roskilde-Festival in Dänemark vor einigen Jahren gelungen war, der Gruppe Oasis auf Hauptbühne Eins den Rang abzuspielen. „Am Anfang standen bei uns zwei Leute, und als Oasis „Wonderfall“ dudelte und wir richtig Gas gaben, da strömten plötzlich Tausende vor unsere Bühne“, erinnerte sich der Sänger freudig. „LaBrassBanda“ knüpfte mit einem achtminütigen Stück direkt an. Da schepperte das Schlagzeug, da dröhnte die Tuba und die Fans waren begeistert.

2019 soll es wieder drei bis vier Acts geben

Veranstalter Marc Oßwald von Vaddi Concerts zeigte sich mit dem Verlauf des diesjährigen Open Air-Festivals voll und ganz zufrieden: „Es wurde friedlich gefeiert und die Stimmung war famos.“ Für Sommer 2019 will man sich seitens des Veranstalters wieder um drei, beziehungsweise vier Event-Abende bemühen, verspricht Oßwald.

von Meike Paul