Die Idylle trügt. Zahlreiche Flächen in Mittelbaden sind mit PFC belastet. Jetzt hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg eine Entscheidung getroffen.
Die Idylle trügt. Zahlreiche Flächen in Baden-Württemberg sind mit PFC belastet. | Foto: Archiv/Klatt

PFC in Baden-Württemberg

Ein Fass ohne Boden: Die Kosten im PFC-Skandal steigen unaufhaltsam

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Die PFC-Folgekosten steigen unaufhaltsam. Das zeigt die neueste Übersicht vom Juni, die nun von der Stabstelle PFC bekanntgegeben wurde. Anfang 2018 waren es noch knapp fünf Millionen Euro – die nun genannte Summe übersteigt die bisherigen Zahlen noch einmal deutlich.

Von unserer Mitarbeiterin Patricia Klatt

Mittlerweile liegen die Kosten auf kommunaler- sowie auf  Landesebene bei insgesamt acht Millionen Euro. Der Stadtkreis Baden-Baden hat bislang für Wasser- und Bodenuntersuchungen knapp 1,1 Millionen Euro ausgegeben, der Landkreis Rastatt 780.000 und der Stadtkreis Mannheim 285.000 Euro. Der Landkreis Karlsruhe ist mit etwas mehr als 52.000 Euro dabei.

Auf der Übersicht der Stabstelle PFC finden sich die bereits bekannten Maßnahmen zur Verbrauchersicherheit, die weitgehend vom Ministerium für Ländlichen Raum (MLR) gestemmt werden, das macht in der Summe bis jetzt 1,1 Millionen Euro aus.

Weitere abgeschlossene Vorhaben sind die PFC-Untersuchung von mit Kompost oder Klärschlamm beaufschlagten Flächen, der landesweiten Grundwasseranalytik oder den PFC-Untersuchungen in der Murg und anderen größeren Gewässern des Landes.

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Über PFC ist bei Weitem noch nicht alles bekannt

Neu dazu kamen eine Pilotanlage zur Reinigung von Beregnungswasser für 90.000 Euro oder Untersuchungen zum Transport-, Mobilisierungs- und Abbauverhalten der PFC-Vorläuferverbindungen im Boden-Sickerwasser, die mit 50.000 Euro veranschlagt werden. Um mehr über diese Vorläuferverbindungen zu erfahren, wurden im August vier Groß-Lysimeter von zwei verschiedenen Ackerflächen entnommen.

Groß-Lysimeter sind oben offene Zylinder, die aus dem Boden gestochen werden. Am unteren Ende wird der Zylinder verschlossen, um das Sickerwasser aufzufangen und analysieren zu können. Das Ziel solcher und anderer Forschungsvorhaben ist es, den Kenntnisstand zu PFC in unterschiedlichen Fachbereichen zu erweitern und in die tägliche Bearbeitung der Belastungssituation vor Ort einfließen zu lassen.

Der Groß-Lysimeter-Versuch ist ein neuer Posten in der Kostenzusammenstellung PFC.
Der Groß-Lysimeter-Versuch ist ein neuer Posten in der Kostenzusammenstellung PFC. | Foto: Hepp

Betroffene müssen die Kosten selbst schultern

Von möglichen Summen einer Sanierung ist hier weiterhin nicht die Rede, man könnte deswegen von einem Fass ohne Boden sprechen. Auch die Kosten der Städte sind nicht enthalten, ebensowenig wie die der Wasserversorger, von denen der einzelnen Betroffenen im PFC-Land ganz zu schweigen.

Die müssen ebenfalls zahlen, mal sind es 200.000 Euro für das Bohren eines neuen Beregnungsbrunnens bei dem einen Landwirt, andere konnten ihre Produkte nicht vermarkten oder nur als Futtermittel zu geringeren Preisen, diverse Eigenwasserversorger müssen anteilmäßig für den Anschluss an die öffentliche Trinkwasserversorgung aufkommen. Und die Wenigen mit einem eigenen PFC-Trinkwasserbrunnen müssen Aktivkohlefilter einbauen lassen, die regelmäßig gewechselt werden müssen – auf eigene Kosten.

Wer ist schuld an dem Ganzen?

So summieren sich die Euro, die zu zahlen sind. Und wieder einmal muss die Frage nach dem Verursacherprinzip gestellt werden, wer ist schuld an dem Ganzen, wer müsste zahlen? Acht Millionen Euro, für die bisher der Steuerzahler aufkommen muss plus eine mindestens ebenso große Summe der anderen Betroffenen sind schließlich kein Pappenstiel.

 

PFC: Das Gift in uns
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