Unfall A5 Muggensturm
Gravierende Folgen haben Unfälle immer dann, wenn Lastwagen beteiligt sind – wie bei diesem Unfall Ende August auf der A 5 bei Muggensturm. | Foto: Archiv Collet

Unfälle im Landkreis Rastatt

Ein Laster macht’s richtig gefährlich

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„Frontalzusammenstoß“, „schwerer Unfall“, „Kollision mit Schwerverletzten“, „Fahrer eingeklemmt“ – keine Schlagzeilen einer Boulevardzeitung, sondern Meldungen der Polizeipräsidien Offenburg und Karlsruhe für den nördlichen Landkreis Rastatt. „Wir haben bereits jetzt mehr Unfälle mit Schwerverletzten und Getöteten als im Jahr 2015“, erklärt Tobias Dohl, beim Polizeipräsidium Offenburg für den Bereich Verkehr zuständig. „Und es fehlen noch drei Monate in der Statistik.“

Mehr Tote und Schwerverletzte als in den Vorjahren

Dohl möchte zwar noch nicht von einem Trend sprechen, räumt aber ein: „Es handelt sich nach wie vor um sehr kleine Zahlen, doch machen sich da Ausreißer nach oben natürlich auch stärker bemerkbar.“ So gab es im nördlichen Landkreis Rastatt samt Murgtal in den ersten neun Monaten des Jahres schon 60 Unfälle bei denen 74 Menschen getötet oder schwer verletzt wurden (fünf Tote, 69 Schwerverletzte). Im Vergleich: 2016 gab es im gesamten Jahr nur zwei tödliche Unfälle und 67 Unfälle mit Schwerverletzten (2015: vier/48).
Steigerungen, mit denen auch das Polizeipräsidium in Karlsruhe zu kämpfen hat, das immer dann zum Einsatz kommt, wenn es auf der Autobahn zwischen Rastatt-Nord und Karlsruhe-Süd kracht oder an der Grenze zwischen den beiden Landkreisen. Im gesamten Zuständigkeitsgebiet der Karlsruher – es umfasst den kompletten Landkreis Karlsruhe, die Städte Karlsruhe und Pforzheim, den Enzkreis sowie Stadt und Kreis Calw und die Autobahnen 5 und 8 – gab es bis zum 29. September 2017 bereits 38 Unfalltote. „Im ganzen Jahr 2016 hatten wir 30 Tote. Das läuft aus dem Ruder“, findet Joachim Zwirner vom Karlsruher Präsidium deutliche Worte.

Unfall A 5 bei Rauental
Auf dem Dach landete dieses Auto bei einem Unfall auf der A5 bei Rastatt-Rauental Ende März. | Foto: Archiv Collet

Während auf der Schwarzwaldhochstraße vor allem Motorradfahrer verunglücken, sind auf der Autobahn meist Lastwagen in die schweren Unfälle verwickelt. „Das sind dann keine Unfälle mit Nackenschmerzen, da sind die Folgen gleich gravierend“, so Zwirner. Vor allem Baustellen bergen auf den Autobahnen ein besonderes Risiko, weiß der Verkehrsfachmann: Während es in der Baustelle zwischen den Autos kracht, sind vor der Baustelle die Lastwagen das Problem. „Autofahrer nehmen die Hinweise auf Staugefahr wahr und reagieren, der Schwerverkehr nicht. Dafür sind die Lastwagenfahrer dann in der Baustelle aufmerksamer.“

Vor Baustellen steigt die Kollisionsgefahr mit Lastern

Davor werden die Laster allerdings zur Lebensgefahr für die Autos: „Schon einen Aufprall mit 40 Kilometern pro Stunde hält ein Auto nicht aus“, weiß Zwirner und rät ganz klar dazu, als Autofahrer die rechte Fahrspur vor Baustellen zu meiden, weil sich hier Lastwagen an Lastwagen reiht. Und die sind häufig mit sehr geringem Abstand unterwegs, damit sich kein anderer Brummi dazwischenquetscht. Doch das ist laut Zwirner gar nicht das Hauptproblem. „Das menschliche Auge nimmt viel zu spät wahr, dass der Vordermann langsamer ist oder sogar steht.“ Was nicht nur für Autofahrer zur Gefahr werden kann, sondern auch für die Brummilenker selbst: Denn das Führerhäuschen hat keine Knautschzone und von hinten drücken schlimmstenfalls 40 Tonnen Anhängergewicht.

Phänomen des „unterforderten Fahrers“

Auch Tobias Dohl vom Präsidium in Offenburg kennt dieses Phänomen des „unterforderten Fahrers“: „Gerade auf der Autobahn herrscht schnell Monotonie. Bei Lastwagenfahrern mehr, aber auch Autofahrer sind davon betroffen.“ Wenig Spurwechsel und gleichbleibende Geschwindigkeit fördern das Phänomen. Hinzu kommen nach Dohls Erfahrung generelle Aufmerksamkeitsdefizite im Verkehr. Müdigkeit ist ein Grund dafür, der Leistungsabfall zu Mittagszeit ein anderer. „Und man hat endlich mal Zeit, seine Gedanken zu sortieren.“ Und natürlich spielt auch das Smartphone eine immer größere Rolle. „Es ist omnipräsent und die bisherigen Strafen haben keine Wirkung gehabt. Wir sind sehr gespannt, was die Verschärfung bringen wird“, sagt Dohl.

Unfall Durmersheim
Aus ungeklärter Ursache kam der Fahrer des Transporters im August auf der B 36 bei Durmersheim auf die Gegenfahrbahn und starb. | Foto: Archiv Collet

Haltbare Zahlen zum Smartphone als Unfallursache gibt es allerdings kaum: Nur wenn etwa durch Zeugen einwandfrei nachgewiesen werden kann, dass ein Fahrer telefoniert hat, taucht das Handy auch in der Statistik auf. Denn den verbotenen Gebrauch des Telefons gibt kein Unfallopfer freiwillig zu. „Deshalb gibt es offiziell nur eine handvoll Unfälle wegen Smartphones. Aber das Dunkelfeld ist riesig, davon bin ich überzeugt.“

Dunkle Jahreszeit ist nicht gefährlicher

Apropos dunkel: Herbst und Winter sind keineswegs die unfallträchtigsten Monate. „Gefährlich sind Einflüsse, die ich nicht wahrnehme. Wenn ich kratzen muss, weiß ich, dass es glatt sein kann“, so Zwirner, der dazu rät, Warnleuchten im Auto ernstzunehmen. Auch sein Kollege Dohl setzt auf moderne Assistenzsysteme: „Der Mensch ist ein sehr hoher Risikofaktor. Mit Car-to-Car-Kommunikation könnte sehr viel mehr geleistet werden als durch unsere Kontrollen.“