„Depeche-Mode“-Fans seit den frühesten Teenager-Jahren sind die Band-Mitglieder von „Forced To Mode“. Die Band spielt am 26. Januar auch die seltenen Stücke der Pop-Legenden.
„Depeche-Mode“-Fans seit den frühesten Teenager-Jahren sind die Band-Mitglieder von „Forced To Mode“. Die Band spielt am 26. Januar auch die seltenen Stücke der Pop-Legenden. | Foto: pr

„Forced to Mode“ im Gespräch

„Ein schönes Konzert kann einem tagelang Kraft verleihen“

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2011 haben sich Sänger Christian Schottstädt, Keyboarder Thomas Schernikau und Gitarrist Matthias Kahra zum Tribute-Projekt „Forced To Mode“ zusammengeschlossen. Nun gastieren sie am Samstag, 26. Januar, mit einem Best-of der „Depeche-Mode“-Hits ab 20 Uhr im Bürgersaal der Reithalle.

BNN-Mitarbeiterin Meike Paul sprach mit dem Frontmann über musikalische Entscheidungen, große Vorbilder und eine enge, seelische Bindung zum Publikum.

Was macht die englische Synthie-Rock-Gruppe für sie nachahmenswert?

Schottstädt: „Depeche Mode“ sind für uns seit frühesten Teenager-Jahren die absoluten Musik-Helden. Sie waren für uns die erste Band der musikalischen Identitätsfindung, der Grundstein des eigenen musikalischen Werdegangs, die sogenannte ewige Lieblingsband.

Wir wollten sie eigentlich nicht nachahmen.

Das war also ein klares Ding?

Schottstädt: Wir wollten sie eigentlich nicht „nachahmen“ – wir hatten nicht einmal vor, überhaupt eine Coverband zu werden. Bis zur Gründung F2Ms haben wir ja schon mehr als 15 Jahre mit eigenen Bands und Projekten auf der Bühne und im Studio Musik gemacht. Aber wir liebten diese Musik so sehr, dass wir immer mal wieder Cover-Stücke aufnahmen und so kam es 2008 dazu, dass wir mit unserer eigenen Band „Forced Movement“ an einem „Depeche Mode“-Coverfestival teilnahmen.

Und das war also wegebnend.

Schottstädt: Genau. Der Auftritt wurde gefilmt und von einem Veranstalter eines elektronischen Festivals entdeckt, welcher uns dann dazu überredete, das Projekt umzusetzen. Somit war „Forced To Mode“ geboren.

Und welches ist Ihr absoluter Lieblingssong?

Schottstädt: Von „Depeche Mode“? „In Your Room“. Daber aber ganz wichtig: in der Albumversion.

Sie präsentieren auch immer wieder eigene Interpretationen. „Depeche Mode“ im Klang-Gewand eines Sinfonie-Orchesters zum Beispiel. Was kommt als Nächstes?

Schottstädt: 2018 waren wir erstmals auf Akustik-Tour. Dieses Konzept wollen wir unbedingt fortführen. Aber auch spezielle Themen-Konzerte zu Alben- oder Tour-Jubiläen haben wir umgesetzt. So etwas wird es sicher auch in Zukunft geben.

Wir haben jeden der Band einmal getroffen.

Und haben Sie die Original-Besetzung schon einmal getroffen?

Schottstädt: Inzwischen haben wir jeden der Band einmal getroffen, sogar die ausgeschiedenen Bandmitglieder. Aber nie war dabei „Forced To Mode“ irgendein Thema oder gar Anlass. Wir bezweifeln auch, dass sie uns wirklich kennen …

War die Global Spirit Tour im vergangenen Jahr für Sie ein gemeinsamer Ausflug wert?

Schottstädt: Natürlich. Wir haben seit 1990, beziehungsweise 1993 mindestens eine Show pro Tour in der Heimatstadt Berlin besucht. Und die beiden finalen Shows der letzten Tour in der Berliner Waldbühne waren ein schönes Erlebnis.

Gibt es noch andere musikalische Vorbilder und Inspirationsquellen?

Schottstädt: Ja, natürlich. Wenn man sich einmal unsere eigenen Projekte, zum Beispiel „Forced Movement“, „The Worriers“, „Whole“ oder „Part“ anhört, wird man sehr schnell und sehr deutlich auch andere Einflüsse entdecken können. Wir mögen die Musik von „Radiohead“ und „David Bowie“. Von „Nine Inch Nails“, „Recoil“, den „Beach Boys“ oder „Björk“ sehr. Und die Liste inspirierender Künstler oder Bands könnten wir sicher noch endlos weiterführen.

Liegt nicht an der Art einer bestimmten Musik.

Gahan unternahm im Rausch einen Selbstmordversuch. Elektronische Musik und Drogenkonsum – diese beide Themen werden oft zusammengebracht und bei Festivals rege diskutiert. Was würden Sie Kritikern sagen. Liegt es an der Art der Musik?

Schottstädt: Sicherlich werden Musik, der Ruhm, oder auch das Künstlerdasein als solches oft mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht. Aber, ganz persönlich gesehen, kann das auch eher an der Art des jeweiligen Menschen liegen, wie er die Welt um sich herum wahrnimmt und natürlich auch, welchem Einfluss er unterliegt oder welche Möglichkeiten und welchen Zugang er zu bestimmten Dingen bekommt. Es liegt sicher nicht an der Art irgendeiner bestimmten Musik.

Das heißt, es liegt am Umfeld. Vielleicht auch der Atmosphäre?

Schottstädt: Festivals waren ja schon lange vor dem Erfolg elektronischer Musik ein Ort, an dem gerne entsprechend konsumiert wurde – denken wir nur an das legendäre Woodstock-Festival. Wahrscheinlich ist es wirklich die Atmosphäre, das Zusammensein und der Wunsch nach Ausbruch, nach einem besonderen Moment abseits von Normalität und Alltag, der Festivals dafür so attraktiv macht.

Konzerte sind Begeisterung und Glück.

Ein gutes Konzert mit guter Musik kann ja aber ebenso einen Rausch auslösen. Was gibt Ihnen Ihr Auftritt, wie erleben Sie die Momente auf der Bühne?

Schottstädt: Konzerte sind Begeisterung und Glück, aber auch Arbeit gleichermaßen. Ein schönes Konzert kann einem tagelang Kraft verleihen. Es gibt Menschen, die erzählen uns, dass wir sie mit unseren Konzerten nach herben Rückschlägen oder längerer Zeit von Trauer oder auch Schmerz wieder mit Freude erfüllen konnten.

Das macht sicher stolz?

Schottstädt: Natürlich. So etwas macht natürlich sehr, sehr froh und spendet auch uns Kraft. Wenn während einer Show alles gut läuft, dann gibt es Momente unbeschreiblicher Energien und Synergien zwischen Publikum und Band. Davon kann man sehr lange „berauscht“ sein.

Wir fühlen eigene Musik auf andere Weise.

Sie werden in Rastatt aber auch eigene Lieder präsentieren?

Schottstädt: In Rastatt wird es „Depeche Mode“ satt geben. Wir denken, die Leute kaufen sich Karten für ein bestimmtes Programm, ein klar definiertes Konzept. Wir haben allerdings auch hin und wieder eigene Songs in das Programm einfließen lassen. Allerdings ist das auch für uns ein Spagat-Akt, denn wir fühlen die eigene Musik schon auf eine andere Weise, betrachten sie aus einem anderen Blickwinkel.

Auf was dürfen sich die Rastatter ganz besonders freuen?

Schottstädt: Wir werden wie immer alles geben, damit es ein runder Abend mit vielen „Depeche-Mode“-Klassikern aber auch selten gespielten Stücken der ersten 15 Schaffensjahre dieser englischen Pop-Legenden wird. Wir freuen uns sehr auf das allererste Konzert in dieser Region.