Im Namen der Liebe zelebrieren viele Paare den Valentinstag am 14. Februar. Doch an das Datum sind mitunter viele Erwartungen an den Partner geknüpft.
Im Namen der Liebe zelebrieren viele Paare den Valentinstag am 14. Februar. Doch an das Datum sind mitunter viele Erwartungen an den Partner geknüpft. | Foto: dpa

Zum Valentinstag

„Eine gute Beziehung ist kein Automatismus“

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Im Blumengeschäft sollten es am ehesten rote Rosen sein, Pralinen werden in Herzform gekauft und mit „Ich liebe dich“ wird auch nicht gespart. Es ist Valentinstag. Für die einen bringt der 14. Februar die romantischsten 24 Stunden des Jahres, für andere Kommerz, Klischees und plakative Liebe. Doch können und sollten Paare den Anlass nutzen? Paartherapeutin Sandra Hösl aus Durmersheim hat darüber mit BNN-Redaktionsmitglied Janina Keller gesprochen.

Sollten Paare Valentinstag feiern?

Hösl: Jedes Paar sollte für sich entscheiden, ob und wie es den Valentinstag feiert. Grundsätzlich finde ich Gelegenheiten, bei denen die Beziehung gefeiert und gepflegt wird, sinnvoll. Das kann auch jeder andere Tag im Jahr sein, wie beispielsweise der Jahres- oder Hochzeitstag. Ich kann Paare verstehen, die den Valentinstag ausfallen lassen oder ablehnen, weil er ihnen zu kommerziell und mit Klischees überfrachtet ist.

Das Risiko enttäuscht zu werden, ist groß.

Bringen solche Anlässe Druck in eine Partnerschaft?

Therapeutin Sandra Hösl aus Durmersheim steht Paaren in Krisen bei.
Therapeutin Sandra Hösl aus Durmersheim steht Paaren in Krisen bei. | Foto: privat

Hösl: Durch den Valentinstag kann durchaus Druck in einer Beziehung entstehen. Wenn die Erwartungen sehr hoch sind, es genaue Vorstellungen gibt, wie der Partner sich verhalten oder welches Geschenk er machen soll, ist das Risiko enttäuscht zu werden enorm groß. Sollten diese Erwartungen im Vorfeld kommuniziert werden, kann da bereits Stress entstehen, der sich auf 1414die Beziehung auswirkt.

Welche Tipps haben Sie für eine gesunde und glückliche Beziehung?

Hösl: Mit Zeichen der Zuneigung, Liebe und Respekt kann man im Alltag dafür sorgen, dass eine Beziehung mit Wichtigem versorgt wird. Aber man sollte sich selbst in einer Partnerschaft nicht vergessen. Es gibt den Wunsch nach Verbundenheit, aber auch den nach Autonomie, was nicht gegen das Führen einer guten Beziehung spricht – im Gegenteil. Es ist wichtig, miteinander zu sprechen und über manchen Fehler des Anderen großzügig hinweg sehen zu können. Diese Dinge sind wertvoller als ein Geschenk am Valentinstag.

Erwartungen werden nicht immer erfüllt, wie man es gerne hätte.

Aus welchen Gründen suchen sich Paare Hilfe von Dritten?

Hösl: Eine gute Beziehung ist kein Automatismus. Die Gefahr, dass man sich durch das alltägliche Funktionieren als Paar aus den Augen verliert – und sich manchmal auch selbst – ist groß. Nicht selten scheitern die Partner an ihrer Unterschiedlichkeit. Beide denken, ihre Sicht der Dinge ist die Richtige und der Andere müsse sich anpassen. Einschneidende Lebensereignisse, wie beispielsweise die Geburt des ersten Kindes, können eine Paarbeziehung zum Wackeln bringen. Man hat Erwartungen an die neue Situation und die werden nicht immer so erfüllt, wie man es gerne hätte.

Nicht immer ist alles Rosa. Wie überwinden Paare Krisen?

Hösl: Es gibt kein Patentrezept. Wichtig ist es, wieder in Kontakt und ins Gespräch miteinander zu kommen. Es gilt, die Situation als Krise zu erkennen und dann gemeinsam zu überlegen, ob man sich zutraut, diese als Paar alleine zu lösen, oder ob eine Unterstützung von Außen sinnvoll sein könnte. Oft haben Paare aus den Augen verloren, was trotz der Konflikte gut läuft, was sie aneinander schätzen und beibehalten möchten.

Valentinstag

Einst ein kirchlicher Gedenktag, heute ein Fest für Liebespaare: Die Ursprünge des Valentinstags am 14. Februar liegen weit zurück. Sein Namensgeber ist zahlreichen Veröffentlichungen zufolge der Heilige Valentinus – im Jahr 469 durch Papst Gelasius festgelegt. Rund 1 500 Jahre später wurde der Gedenktag aus dem römischen Generalkalender gestrichen. Für die romantische Liebe blieb er jedoch Bestehen. Valentin soll zu Lebzeiten etwa Paare trotz Verbot nach christlichem Glauben getraut haben und wurde dafür hingerichtet. Britische Dichter und Schriftsteller wie Geoffrey Chaucer und William Shakespeare benutzen den Valentinstag in ihren Werken als Symbol. Es heißt, als Engländer in die Vereinigten Staaten von Amerika auswandern, schwappt auch der Brauchtum über den Ozean. Nach dem Zweiten Weltkrieg bringen amerikanische Soldaten den Valentinstag nach Deutschland. Durch Werbung etwa der Floristik- und Süßwarenindustrie gewinnt der Tag der Liebenden an Aufmerksamkeit und etabliert sich als Einnahmequelle und im sozialen Kalender.