Beim Training: Fitness-Experte Peter König vom Rastatter Fitnessstudio Gymnasion gibt Ratschläge, wie Trainingseinheiten in den Büro-Alltag integriert werden können. | Foto: Kastner

Fitness-Experte aus Rastatt

Einsteiger sollten nicht übermütig werden

Irgendwann überkommen sie einen dann doch, die Vorsätze, die man sich am Silvesterabend für das neue Jahr gesetzt hat – mehr Sport zu machen zum Beispiel. Und gerade in den vergangenen Wochen, da es nochmal eisig geworden ist, hat es einem der innere Schweinehund doch nicht leicht gemacht, sich von der wohlig-warmen Couch zu erheben, die gemütlichen Filzpantoffeln gegen sportlicheres Schuhwerk zu tauschen und sich mal wieder zu bewegen. Und zwar nicht nur vom Fernseher zum Süßigkeitenschrank.

Anfängerfehler: Zu hohe Trainingsintensität

„Der Zulauf ist in Richtung Frühjahr immer groß“, sagt Peter König. Der 39-Jährige ist Trainingsleiter im Fitnessstudio Gymnasion in Rastatt. Viele wollten zu diesem Zeitpunkt fit werden. Also schnell zur Strandfigur – neudeutsch ausgedrückt – Beachbody? Nicht ganz. Auch wenn Motivation einer der wichtigsten Bausteine beim Trainieren ist, sollte man es nicht übertreiben. Ein Anfängerfehler sei, dass die Intensität des Trainings oft zu hoch angesetzt werde und man nach langer Zeit ohne sportliche Betätigung dem Körper zu wenig Pausen gönne, so König. „Die Regenerationsphase nach körperlicher Leistung beträgt zwischen 48 und 72 Stunden“, sagt der Fitness-Experte. Zu geringe Erholungsphasen „können mit der Zeit nach hinten losgehen“, sagt er – der Körper werde dadurch schwächer, anstatt stärker.

Thema Abnehmen gewinnt an Bedeutung

Auch Ungeduld sei „ein Zahn, den man den Leuten erst mal ziehen muss“. Abzunehmen sei ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinne. Das Rastatter Fitnessstudio arbeitet unter anderem mit individuell eingestellten Abnehm- und Fitnessplänen. „Rückenprobleme kann man nicht schwarz auf weiß darstellen“, so König – Körperfett und Muskelanteile jedoch schon. „Wenn Emotionen und Ziele geweckt werden, bleiben die Leute bei der Bewegung“, sagt er.

Beratung vor Hochintensitätstraining

Fitnessprogramme, wie sie in der TV-Werbung angepriesen werden, seien ein Trend – allerdings sieht er diesen sehr kritisch. Solche Hochintensitätstrainings könnten für Trainingsanfänger zum Problem werden. „Wenn jemand lange Zeit inaktiv war, sind die Gelenke einfach nicht auf die Belastung vorbereitet“, sagt der Fitness-Fachmann. Sehnen und Bänder würden langsam auf die Veränderung reagieren und es komme zu Anpassungsschwierigkeiten. Bevor man mit solch einem Programm starte, empfiehlt er, sich vor Ort beraten zu lassen.

Kritische Sicht auf „Low Carb“

Sich zweimal pro Woche zu bewegen sei sehr gut für die Rückenmuskulatur, allerdings sei es dann schwer, „in Form zu kommen“, erklärt er – da müsse man die Ernährung mit ins Boot holen. König ist allerdings kein Fan von „Low Carb“, der Ernährungsweise bei der man wenig Kohlenhydrate zu sich nimmt. Viele Leute würden dies mit „No Carb“ – also keine Kohlenhydrate – verwechseln. Dadurch würde dem Körper ein Nährstoff fehlen.

Experte rät zu mehr Bewegung

„Wir brauchen Kohlenhydrate“, sagt König – fehlten diese, würde dem Körper auch Zucker fehlen. Generell rät der Trainingsleiter zu mehr Bewegung: „Wenn Leute, die acht Stunden im Büro sitzen, und dann mit dem Auto in den Supermarkt fahren, der 500 Meter weit weg ist, läuft was schief“, sagt er.
Ein weiterer Fehler: zu einseitiges Training. Jeder hätte gerne eine sportliche Bauchmuskulatur – aber diesem Training sollte man den Rücken nicht vergessen. „Rückenprobleme werden nicht allein durch den Sixpack behoben“, erklärt der Fachmann.

 


10 000 Schritte pro Tag wichtig für gesundes Herz-Kreislaufsystem

Bei den viel zitierten 10 000 Schritten, die man am Tag zurücklegen sollte, merke jemand, der längere Zeit keinen Sport gemacht habe, sofort eine Veränderung. Neben dem Training für die Beinmuskulatur sei die Vorgabe wichtig für ein gesundes Herz-Kreislaufsystem, die Hüfte sei nicht mehr so gebeugt und die Blutversorgung besser.

Sport in der Mittagspause

Peter König hat ein paar sportliche Tipps auf Lager, die man in der Mittagspause im Büro machen kann. Alles was man dazu brauche, sei ein Gymnastikball und ein Übungsband – alles zu haben für rund zwölf Euro, sagt er.
Der Gymnastikball trainiere Bauch- und Rückenstreckmuskulatur – die Sitzhilfe zwinge Muskeln, die Position auszugleichen, und mit dem Übungsband können – an ein Stuhlbein oder anderen festen Gegenstand gespannt – Brust, Schulter, Rücken und Arme trainiert werden.

Spring Fit Challenge: Jedes Jahr kursiert in den sozialen Medien wie Instagram oder YouTube das Phänomen der so genannten „Spring Fit Challenge“. Es geht darum, sich im Frühling bewusst für eine gesunde Lebensweise kombiniert mit Sport und Fitness zu entscheiden. Ob es nun um Abnehmen, Fit-Werden oder um die Sommerfigur geht, bleibt jedem selbst überlassen.    Laura Zinser