Ungewohntes Terrain: Bei den „Baden Rhinos“ in Hügelsheim versuchte sich BNN-Redakteur Dominic Körner (Mitte) als Eishockey-Spieler. Oft lief er der Puck hinterher, allerdings selten mit Erfolg. | Foto: Collet

Redakteur am Limit

Eishockey in Hügelsheim: BNN-Redakteur trainiert mit den Baden Rhinos

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Raus aus dem Alltag, rein ins Abenteuer lautet das Motto bei „Redakteur am Limit“. Für einen Tag, einige Stunden oder nur wenige Minuten schlüpft BNN-Redakteur Dominic Körner in für ihn ungewohnte Rollen. Am Boden, zu Wasser und in der Luft geht er bis an seine Grenzen. Heute: Als Eishockey-Spieler bei den „Baden Rhinos“ in Hügelsheim.

Plötzlich kracht es: Eine Urgewalt trifft mich von der Seite. Mein Körper prallt gegen die Bande, und ich stürze auf das Eis. „Aufstehen“, ruft Richard Drewniak. Der 46-Jährige ist Trainer der Hügelsheimer Eishockey-Mannschaft „Baden Rhinos“.

Bodychecks vom 100-Kilo-Mann

Der Name hält, was er verspricht: Für den Bodycheck am Redakteur, immerhin 1,90 Meter groß und 85 Kilogramm schwer, hat Richard einen echten Brecher abgestellt. Justin misst zwei Meter und bringt fast zwei Zentner auf die Waage. „Geht’s noch?“, fragt der Hüne  besorgt, nachdem er mich platt gemacht hat.

Es geht noch. Mehrfach rammt mich Justin in die Bande. Nicht mit Vollgas. Aber für den wehleidigen Redakteur, der mit Schlittschuhen, Schläger und Puck zu kämpfen hat, reicht es allemal.

Du Hühnerbrust!

Ein Betreuer muss den Redakteur mit Klebeband einwickeln, weil die Montur zu weit ist.

Kurze Rückblende: Eine halbe Stunde zuvor sitze ich staunend in der Kabine der Rhinos, deren Trainingsgast ich bin. 20 Minuten dauert es, bis ich meine Montur angelegt habe: Beinschutz, Brustschutz, Stutzen, Ellbogenschutz, Helm, Trikot, Schienbeinschoner, Hose, Handschuhe und – für dort, wo es richtig wehtut – den Tiefschutz.

Erster Kraftakt: Allein das Anlegen der Eishockey-Montur in der Kabine dauerte 20 Minuten. | Foto: Collet

Darunter trägt ein Eishockey-Spieler Schwitzwäsche. Warum die so heißt, wird mir später klar. „Du Hühnerbrust“, entfährt es einem Betreuer, der mich mit Klebeband umwickelt, weil die Schutzkleidung zu weit ist. Ich habe Weihnachtspakete gesehen, die schlechter verpackt waren. Egal.

Sturz auf das Eis

Dann geht’s los: Bei der Aufwärmübung stehe ich wie ein Koffer Falschgeld auf dem Eis. Die Schlittschuhe machen nicht, was ich will. Und der Puck ist verdammt klein. Die gut gemeinten Pässe meiner Mitspieler verpasse ich. Fluchend verliere ich das Gleichgewicht. Richard feixt und nimmt mich ins Einzeltraining. Es geht um die Basics: Wie schieße ich den Puck? Und wie stehe ich auf den Schlittschuhen? „Das Gewicht weiter nach vorne“, ruft er.

Pannen beim Torschuss

Langsam werde ich sicherer. Nachdem Justin mir gezeigt hat, wie sich ein Bodycheck anfühlt, will ich es wissen. Eins-gegen-Eins auf das Tor. Gehalten. Vorbei. Wieder gehalten. Gehalten. Gehalten. Der Keeper kann was. „Wenn ich 100-mal auf ihn zulaufe, treffe ich“, sage ich trotzig. „Ausgeschlossen“, entgegnet Richard.

Er hat recht. Selbst als der Torwart mir auf Anweisung einen Treffer ermöglichen soll, schieße ich ihn an. Dieses Tor ist aber auch winzig! Erst im zweiten Anlauf nehme ich das Geschenk an und drehe jubelnd ab. Es wird das letzte Mal an diesem Abend gewesen sein.

Der Redakteur foult von hinten

Für das Abschlussspiel teilt mich Richard dem gelb-schwarzen Team zu, das mir deshalb ziemlich leidtut. Beim Bully, dem Anspiel, bin ich für lange Zeit das letzte Mal am Puck. 90-Kilo-Schränke rasen über das Eis, und das Spielgerät ist immer dort, wo ich nicht bin. Nach zwei Minuten tropft mein Schweiß aus dem Helmgitter.

Schließlich fasse ich mir ein Herz: Als ein Gegner den Puck annimmt, checke ich ihn von hinten. Ich pralle ab wie ein Vogel, der gegen eine Scheibe fliegt. „Das ist verboten“, tadelt mich ein Teamkollege.

Willst du gleich einen Vertrag unterschreiben?

Rhinos-Trainer Richard Drewniak (nicht ganz ernst gemeint)

Dann eröffnet sich mir doch noch die Chance auf einen triumphalen Abgang. Kurz vor Schluss komme ich unter dubiosen Umständen – ich rede mir ein, es lag am guten Stellungsspiel – frei vor dem Schlussmann an den Puck. Ich visiere das Tor an, hole mit dem Schläger aus – und stürze auf das Eis. Wieder nix. Der Rest lacht. „Willst du gleich einen Vertrag unterschreiben?“, frotzelt Richard später in der Kabine.

Der Aufstieg ist zu teuer

Mit der großen Karriere auf dem Eis wird es in diesem Leben wohl nichts mehr. Das gilt übrigens auch für die meisten meiner Mitspieler. Die Baden Rhinos treten in der viertklassigen Regionalliga an, Profis sucht man hier vergeblich. Zwar spielen die Hügelsheimer eine starke Runde, den Aufstieg können sie sich aber nicht leisten: „Das wäre ein enormer finanzieller Kraftakt“, räumt Richard ein.

Baden Rhinos suchen Groß-Sponsor

Für die Oberliga bräuchten die Rhinos ein Budget von 300 000 Euro. Ihre Ausrüstung ist teuer: Allein die Schläger, die am Kabineneingang stehen, kosten rund 10 000 Euro. Um sich im Profibereich zu etablieren, fehlen die Strukturen. Die Rhinos hoffen auf eine neue Eishalle und ein Nachwuchsleistungszentrum. „Das könnte uns einen Schub geben“, sagt Richard. Entscheidend sei aber, einen Groß-Sponsor an Bord zu holen.

BNN-Mann schafft es nicht in den Kader

Bis dahin müssen die Rhinos kleine Brötchen backen. Für mich reicht es dennoch nicht für einen Kaderplatz. Als Riese Justin auf dem Weg zur Dusche oberkörperfrei an mir vorbeiläuft, denke ich: Vielleicht ist es besser so.

Eishockey-Lexikon: Die wichtigsten Begriffe

Abseits:
Ein Abseits liegt vor, wenn sich mindestens ein Spieler der angreifenden Mannschaft im Angriffsdrittel befindet, bevor der Puck die blaue Linie überschritten hat. Dann erhält der Gegner das Spielgerät.
Ausrüstung:
Sie besteht aus folgenden Teilen: Brustschutz, Ellbogenschutz, Tiefenschutz, Schienbeinschoner, Hose, Stutzen, Trikot, Handschuhe, Schläger und Schlittschuhen.
Bully:
Nach einer Unterbrechung wird das Spiel mit einem Bully fortgesetzt. Der Schiedsrichter wirft dabei den Puck zwischen die Schläger zweier gegnerischer Spielern.
Check:
Ein Check ist nur mit angelehnten Armen erlaubt. Verboten sind der Check gegen den Kopf und der Bandencheck von hinten. Beides ahndet der Schiedsrichter in den meisten Fällen mit Zeitstrafen.
Penalty:
Wird eine klare Torchance durch ein Foul verhindert, gibt es einen Penalty. Dabei läuft ein Spieler der gefoulten Mannschaft alleine auf den Torwart zu und versucht ein Tor zu erzielen. Die Erfolgsaussichten sind allerdings geringer als beim Fußball-Elfmeter.
Powerplay:
So nennt man das Überzahlspiel, wenn die gegnerische Mannschaft durch eine Strafe dezimiert ist.
Time Out:
Jedes Team darf pro Spiel eine Auszeit von 30 Sekunden nehmen.