In den Rucksäcken der Schüler finden sich häufig viele Plastikprodukte. Die Energieagentur Mittelbaden will diesem Trend entgegenwirken.
In den Rucksäcken der Schüler finden sich häufig viele Plastikprodukte. Die Energieagentur Mittelbaden will diesem Trend entgegenwirken. | Foto: Dedert/dpa

Papier statt Klarsichtfolie

Energieagentur Mittelbaden ruft zur Plastikvermeidung im Schulranzen auf

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Plastik ist mittlerweile überall, auch in zahlreichen Schulutensilien. Die Energieagentur Mittelbaden verrät, wo es überall drin steckt und wie es vermieden werden kann. 

Von unserer Mitarbeiterin Nora Pallek

Die Schule beginnt am 10. September in Baden-Württemberg. Damit fällt der Startschuss für den Kauf des notwendigen Schreibmaterials für die Schüler. Ob im Supermarkt, im Discounter oder im Fachgeschäft – das Angebot ist riesig.

Schließlich wird auch eine Vielzahl von Dingen benötigt: Hefte mit bunten Umschlägen, Schnellhefter, Ordner, Lineale, Stifte, Spitzer und vieles mehr stehen auf den Einkaufszetteln, die die Kinder mit nach Hause bringen. Um den Aufwand für die Besorgungen gering zu halten, greifen Eltern häufig zu den erstbesten Produkten, die sie finden können.

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Massenware aus umweltschädlichem Material

„Auf diese Weise landet sehr viel Plastik in den Schultaschen, denn die Massenware ist meist aus diesem umweltschädlichen Material“, gibt Kevin Schad, Projektingenieur der Energieagentur Mittelbaden, zu Bedenken. Der Abbau von Plastikprodukten dauere bis zu 450 Jahre, betont er und bittet die Eltern: „Lieber die Regale noch ein zweites Mal ablaufen und nach umweltverträglicheren Alternativen suchen.“

Schad rät zu Linealen, Stiften und Spitzern aus Holz, Umschlägen aus Papier sowie Hefter und Mappen aus Karton. Die nachhaltigen Produkte seien unter Umständen sogar sicherer: „Gerade Schnellhefter aus Plastik zersplittern häufig, was zu scharfen Kanten führt, an denen man sich schnell verletzt“, weiß er.

Bücher eingewickelt in Zeitungspapier

Schwierig wird es allerdings, wenn Schulen ausdrücklich die Verwendung von Plastikprodukten verlangen. So müssen Bücher in Klarsichtfolie eingepackt werden oder das Mitbringen von Glasflaschen ist untersagt.

Solche Vorgaben sind auch dem Geschäftsführer der Energieagentur Mittelbaden, Martin Appel, ein Dorn im Auge: „Früher war es normal, dass man im Beutel gesicherte Glasflaschen in die Schule mitgenommen und Bücher in Zeitungspapier eingewickelt hat“, bringt er sein Unverständnis zum Ausdruck. „Die CO2-Emissionen, die bei der Plastikproduktion entstehen, sind enorm und die lange Abbaudauer hat dafür gesorgt, dass überall auf der Welt Plastik nachgewiesen werden kann – von der Arktis bis hin zum Mount Everest.“

Die Auswirkungen des leichtfertigen Umgangs mit Kunststoffprodukten habe Martin Appel in seinem Urlaub am Mittelmeer hautnah erlebt. „Viele Gegenden dort sehen sich einer wahren Plastikflut gegenüber“, berichtet er. Mit der Familie habe Appel Müll gesammelt. „Der Plastikmüll muss ein Ende haben“, fordert er.

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Mit gutem Beispiel voran

Deshalb halten es Appel und Schad für sehr wichtig, bereits Kinder für das Thema zu sensibilisieren, und bitten Eltern, mit gutem Beispiel voranzugehen – nicht nur beim Kauf der Schulmaterialien, sondern auch im Schulalltag.

Beispiel Vesperpause: Schad plädiert dafür, auf Einweg-Plastikflaschen komplett zu verzichten und das Vesperbrot nicht in einer Plastiktüte einzupacken. Der Projektingenieur empfiehlt eine Edelstahldose und eine Edelstahl- oder Glas-Trinkflasche.

Bereits vorhandene spülmaschinentaugliche Plastikdosen und Plastikflaschen seien ebenfalls eine vernünftige Lösung. „Wenn jeder seine Plastikmaterialien entsorgt und hierfür neue Produkte erwirbt, ist dem Klima auch nicht geholfen“, so Schad. Die Energieagentur Mittelbaden hat an alle Schulen im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden einen Infobrief mit Tipps zum plastikfreien Schulalltag verschickt.