Stroke Unit Klinikum Rastatt
Stolzes Stroke-Unit-Team: Michael Daffertshofer, Neurologie-Chefarzt, Andreas Eichenauer, Leiter Medizin und Pflege, sowie Ärzte, Pfleger, Therapeuten und Verwaltungsangestellte, die die Zertifizierung der Schlaganfallstation möglich gemacht haben. | Foto: Collet

Klinikum Rastatt

Erste Anlaufstelle für Schlaganfallpatienten

Anzeige

Zeit ist nicht nur beim Herzinfarkt ein wichtiger Faktor – auch beim Schlaganfall zählt jede Minute: Je früher ein Patient behandelt wird, desto besser sind seine Überlebenschancen und umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass neurologische Ausfälle wieder behoben werden können. Deshalb hat die Deutsche Schlaganfallgesellschaft bundeseinheitliche und standardisierte Kriterien eingeführt, nach denen die Qualität der Schlaganfallbehandlung gesichert wird. Das Klinikum Mittelbaden in Rastatt hat jetzt die begehrte Urkunde als zertifizierte Schlaganfallstation (Stroke Unit) erhalten. Wie der Chefarzt der Neurologischen Klinik, Michael Daffertshofer, bei einem Pressetermin erklärte, ist Rastatt damit das regionale Schlaganfallzentrum für Mittelbaden. „Die nächsten Stroke Units gibt es in Karlsruhe, Offenburg und Freudenstadt.“

Schlaganfallbehandlung ist multidisziplinär

Von einem „Meilenstein in der Entwicklung des Klinikums und für die Region“ sprach auch der Leiter der Medizin und Pflege, Andreas Eichenauer. „Und das ist eine Leistung, die nicht nur auf der Leistung der Ärzte beruht, sondern auch auf Pflege, Funktionstherapie und Verwaltung.“ Denn während beim Herzinfarkt quasi alle Behandlungsschritte vom Kardiologen betreut werden können, ist dies beim Schlaganfall anders: „Hier geht es multidisziplinär zu.“

Ein Pfleger für maximal vier Patienten

Diese Verzahnung spiegelt sich auch im Personal wider: Neben Ärzten und Pflegern der Neurologie kommen auch Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden zum Einsatz. Auch wird eng mit der Radiologie, der Kardiologie und der Gefäßchirurgie zusammengearbeitet. Sogar eine Sozialarbeiterin gehört zum Stationsteam und unterstützt die Patienten bei Fragen rund um die Reha und die Versorgung nach dem Krankenhausaufenthalt. Bei einer Maximalauslastung der Schlaganfallstation, die nach der Zusammenlegung der Stationen Baden-Baden und Rastatt von acht auf inzwischen zwölf Betten vergrößert wurde, kommt ein Pfleger auf vier Patienten. Insgesamt hat die Neurologie, die über 39 Betten verfügt, im vergangenen Jahr 2 675 neurologische Patienten behandelt, „mehr als 600 Patienten mehr als noch im Vorjahr“, wie die kaufmännische Leiterin Manuela Sambale berichtet.


Schlaganfall erkennen
Folgende Symptome könnten von einem Schlaganfall herrühren:

  • Sprachstörungen (Aussprache undeutlich, kompletter Verlust der Sprache, sinnlose/unzusammenhängende Äußerungen)
  • halbseitige Lähmung von Armen und/oder Beinen („Halbseitenschwäche“)
  • Asymmetrie des Gesichts (herabhängender Mundwinkel, fehlende Mimik)
  • akute Kopfschmerzen (urplötzliches Einsetzen und unerträglich)
  • doppelt Sehen und andere Einschränkungen des Sehvermögens

Klarheit bringt auch die FAST-Regel

  • F = Face (Gesicht); Betroffenen lächeln lassen, um Gesichtslähmung zu erkennen
  • A = Arms; beide Arme nach vorne strecken und Handflächen nach oben drehen lassen, um      Halbseitenschwäche zu erkennen
  • S = Speech (Sprache); einen einfachen Satz nachsprechen lassen, um Sprachstörungen zu erkennen
  • T = Time (Zeit); bei Verdacht auf Schlaganfall die 112 wählen und den Betroffenen in eine Stroke Unit einliefern lassen

Bereits nach 20 Minuten ist der Patient in Behandlung

Um als Stroke Unit zertifiziert zu werden, hat ein unabhängigen Gutachterteam aus Berlin und Greifswald auch die zeitlichen Abläufe in Rastatt unter die Lupe genommen. „Bei der Notaufnahme sind wir extrem durchstrukturiert“, so Chefarzt Daffertshofer. „Durchschnittlich ist ein Patient in 20 Minuten durchdiagnostiziert und in Behandlung.“ Um auch Methoden anbieten zu können, die ein regionaler Standort eigentlich nicht vorhalten kann, gibt es Kooperationen mit dem Städtischen Klinikum in Karlsruhe und der Universitätsklinik in Heidelberg. „Da macht sich ein Kollege parallel zur Alarmierung hier auf den Weg und ist kurz darauf schon beim Patienten“, erklärt Daffertshofer. Ein Konzept, das auch die Gutachter überzeugte und bereits im ersten Anlauf zur Zertifizierung führte.
Eine Auszeichnung, die auch zur Zukunftssicherung beiträgt: Seit diesem Jahr fordert das Landessozialministerium, dass Schlaganfallpatienten nur noch in zertifizierten Stroke Units behandelt werden.