Jürgen Goertz
Ein großes Loch klafft am Sockel der Skulptur am Museumstor. Künstler Goertz (Mitte) nahm sie jetzt unter die Lupe. | Foto: Huse

Goertz vor Ort in Rastatt

„Es hätte schlimmer kommen können“

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Ein großes Loch klafft unter den Füßen der Menschengruppe, die auch noch ein paar Kratzer abbekommen hat. Den Regenschirm hat’s deutlich heftiger erwischt: abgebrochene Spitze, eingeknickter Stiel und demolierter Griff. Die Wucht, mit der der Geländewagen Ende Januar gegen die Goertz-Skulptur „Auflösung des Rastatter Rätsels“ gekracht ist, muss enorm gewesen sein. Und trotzdem ist Jürgen Goertz erleichtert. „Das geht noch. Es hätte schlimmer kommen können“, sagt der Künstler, als er den Schaden inspiziert.

„Rastatter Rätsel“ muss der „Auflösung“ nun aushelfen

An seiner Seite sind Wolfgang Becker von der Gießerei Casper aus Remchingen und Elke Merz von der Stadt Rastatt. Gemeinsam nehmen sie die Skulptur genau unter die Lupe, um festzustellen, wie sie wieder hergestellt werden kann. Schnell steht fest, dass vor allem der Handwerker Becker gefragt sein wird. Die künstlerischen Elemente sind nahezu unbeschädigt. Überhaupt ist es für den Endzwanziger, der auf seiner Flucht vor der Polizei in die Skulptur gefahren ist, ein großes Glück, dass das Rastatter Rätsel aus zwei – nahezu baugleichen – Teilen besteht: Vor dem Bahnhof befindet sich der erste Teil – die Personengruppe, wie sie Schutz unter einem Regenschirm sucht. Bis zum Beginn der Parapluie-Kante sehen die beiden Werke identisch aus, erst in etwa zwei Meter Höhe beginnen die Unterschiede – hier der Schirm, dort Picasso vor einem seiner typischen Frauenporträts.

Goertz in Rastatt
Auch der Schirm, der den Brunnen darstellt, ist ziemlich ramponiert worden. | Foto: Huse

„Wir können also zu der anderen Skulptur und dort die fraglichen Teile einfach abformen“, erklärt Wolfgang Becker. Dafür muss es allerdings deutlich wärmer werden, damit das Wachs geschmeidig ist. Das neu gegossene Teil wird dann mit der alten Skulptur verschweißt, ziseliert und wieder patiniert. „Am Ende ist hoffentlich kein Unterschied mehr zu sehen“, so Becker.

Die Höhe der Kosten ist noch völlig unklar

Wie teuer die Wiederherstellung am Ende sein wird, konnte gestern noch niemand sagen. „Wenn die Skulptur abgebaut ist, wird man erst merken, wie viel tatsächlich verzogen ist“, sagt Künstler Goertz. Ihm ist es wichtig, die Skulptur wieder in den Ursprungszustand zu bringen – bis hin zum Kopfsteinpflasteruntergrund mit seiner weißen Zeichnung. „Diese Zeichensprache hat etwas Pikareskes. Wenn sie weg wäre, würde der Zusammenhang zwischen Personen und Schirm nicht mehr existieren.“
Nun soll die Goertz-Skulptur schnellstmöglich abgebaut werden, damit sie nicht noch mehr Schaden nimmt. Wann sie wieder aufgestellt werden kann, ist derzeit noch offen.