Verteilzentrale: Heidi Schmieder (links) und Gabriele Zumkeller organisieren beim DRK den Mahlzeitendienst Essen auf Rädern. | Foto: Hans-Jürgen Collet

DRK-Kreisverband Rastatt

Essen auf Rädern findet im Kreis Rastatt viele neue Freunde

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Deutlich mehr Menschen  haben  beim DRK-Kreisverband Rastatt in den vergangenen Wochen  den  Mahlzeitendienst „Essen auf  Rädern“  bestellt. Auch die Nachfrage nach Erste-Hilfe-Kursen, die in den Räumen des DRK wieder gestartet sind, ist enorm.

In einem kleinen Raum, direkt neben dem Fuhrpark sitzt Heidi Schmieder. Mehrere Pappkartons stehen vor ihr. Sie alle sind gefüllt mit kleinen Menüschalen. „Ich schaue, welche Kunden sie heute geliefert bekommen“, sagt Schmieder.

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Gemeinsam mit den anderen Helfern beim Mahlzeitendienst „Essen auf Rädern“ war sie in den vergangenen Wochen reichlich gefordert. „Es sind viele Kunden dazu gekommen. Wir haben 150 bis 200 Essen pro Monat mehr abgegeben als sonst“, sagt Stefan Leiber-Pfeffinger, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Rastatt.

Hamsterkäufe beim Lieferanten

Er räumt ein, zu Beginn der großen Corona-Krise, auch Hamsterkäufe bei dem westfälischen Lieferanten Apetito getätigt zu haben, um für alle Fälle gerüstet zu sein: „Wir hatten schon unsere zweite Kühlkammer hoch gefahren, weil wir nicht wussten, wie sich alles entwickelt“. In jüngster Zeit seien einige Kunden zwar wieder abgesprungen, „aber wir hoffen, dass sich einige dafür entscheiden, dauerhaft dabei zu bleiben.“

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Bei Minustemperaturen von 23 Grad lagern die Portionen in den Kühlräumen des DRK, wobei die Kunden entscheiden können, ob sie die Mahlzeiten täglich warm oder tiefgekühlt in Paketen, die eine ganze Woche reichen, angeliefert bekommen sollen. Essen für Vegetarier, Schon- und Diätkost stehen als Alternativen ebenfalls bereit.

„Etwa ein Viertel unserer Kunden erhält die Tiefkühlkost, drei Viertel werden mit den warmen Mahlzeiten versorgt, erklärt Gabriele Zumkeller, die das „Essen auf Rädern“ in der Rastatter Zentrale des Kreisverbandes organisiert. Dies alles geschehe unter Einhaltung der aktuellen Vorgaben, also mit Schutzkleidung und mit dem Einsatz von Desinfektionsmitteln.

Außerdem erfolge die Übergabe der Mahlzeiten durch die DRK-Mitarbeiter derzeit an der häuslichen Türschwelle, so dass ein direkter Kundenkontakt vermieden werden könne, wie Leiber-Pfeffinger betont.

Geschäftsstelle lange  im Minimalbetrieb

Auch im Hauptgebäude des DRK-Kreisverbandes sind die Auswirkungen der Corona-Beschränkungen deutlich zu erkennen. Rot-Weiße Absperrbänder im Erdgeschoss trennen auf augenfällige Weise die Rettungswache von den anderen Räumlichkeiten im Obergeschoss. „Wir hatten die Geschäftsstelle lange auf Minimalbetrieb gestellt mit nur einer Präsenzkraft vor Ort.

Wo es möglich war, wurde im Home-Office gearbeitet“, sagt der Kreisgeschäftsführer, nach dessen Einschätzung für den Kreisverband die Hoffnung besteht, aus der Krise finanziell „mit einem blauen Auge“ davon zu kommen.

Der Schulungsraum im Obergeschoss kann seit wenigen Tagen nun auch wieder für Fortbildungs- und Erste-Hilfe-Kurse wieder genutzt werden. „Gerade die Nachfrage nach den Erste-Hilfe-Kursen ist derzeit enorm“, sagt Leiber-Pfeffinger und begründet diesen Trend vor allem mit der Wiedereröffnung der Fahrschulen.

Natürlich gelte es auch bei diesen Kursen, die entsprechenden Regeln einzuhalten: „Vier Quadratmeter Fläche pro Teilnehmer und zehn Quadratmeter pro Ausbilder müssen gewährleistet sein“, sagt der Kreisgeschäftsführer. Alle Wege seien markiert, Türklinke und Toiletten würden stets desinfiziert, für die Ausbilder sei ein Spuckschutz installiert und die Abstandsregel auf 1,60 Meter ausgeweitet.

Auf  Partnerübungen wird verzichtet

Weitere Neuerung bei den Erste-Hilfe-Kursen in Zeiten von Corona: „Wir verzichten auf Gruppenarbeiten und Partnerübungen sollen vermieden werden“, sagt Leiber-Pfeffinger. Er verweist zudem darauf, dass derzeit nur zehn Personen zu einem Kurs zugelassen werden: „Früher waren es bis zu 15 Teilnehmer.“

Eher zurückhaltend seien die Betriebe momentan noch bei der Auffrischung der Kurse für betriebliche Ersthelfer: „Die vorgesehene Frist dafür ist um ein halbes Jahr verlängert worden.“

Unter eingeschränkten Bedingungen wurde die Tagespflegeeinrichtung des DRK in der Augustastraße seit einigen Tagen wieder geöffnet. „Statt mit der zugelassenen Zahl von 16 Plätzen betreiben wir die Einrichtung momentan nur mit acht Plätzen“, sagt Leiber-Pfeffinger. Temperatur-Messungen bei den Besuchern würden vorgenommen und bei Erkältungssymptomen der Gast wieder nach Hause geschickt. Aber: „Bislang hatten wir bei den Besuchern und in unserer Belegschaft noch keinen einzigen Corona-Fall.“

Weniger Neuanschlüsse beim Hausnotruf-System

Was das Hausnotruf-System betrifft, konstatierte Leiber-Pfeffinger aufgrund der Situation zuletzt ein zwischenzeitlich rückläufiges Interesse an Neuanschlüssen. Man habe sich bemüht, die Anschlüsse vor Ort bei den Kunden möglichst schnell zu installieren – natürlich auch mit entsprechender Schutzkleidung ausgerüstet.

Insgesamt sind beim Kreisverband Rastatt derzeit rund 1.000 Teilnehmer dem Hausnotrufsystem angeschlossen. Leiber-Pfeffinger lässt keinen Zweifel: „Es ist nun wichtig, langsam wieder zur Normalität zu kommen und deshalb kann man nur an die Vernunft der Leute appellieren, die Regeln einzuhalten“.