Für das Motiv der Putzfrau stand die Mutter des Künstlers Model.
Für das Motiv der Putzfrau stand die Mutter des Künstlers Model. | Foto: Rastätter

Philipp Kneise

Exklusive Einblicke in das Atelier des Stencil-Künstlers „Kunstrasen“ in Rastatt

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England, Norwegen, Frankreich, Spanien – in diese Länder verkauft der Künstler Philipp Kneise (41) alias „Kunstrasen“ die meisten Werke. Nur etwa zehn Prozent erstehen Kunden aus Deutschland. In den ersten Jahren waren es nur zwei Bilder pro Jahr.

Das liegt auch daran, dass Deutschland etwas länger benötigt, bis die Menschen etwas mit Street Art anfangen können. „Im Ausland ist Street oder Urban Art deutlich etablierter“, erklärt Kneise.

Zeitlich hatte es der Stencil-Künstler nach eigenen Angaben gut erwischt. Er begann mit seiner Arbeit, als auch in Deutschland die Bekanntheit und Anerkennung zunahm. Seit etwa fünf Jahren kann Kneise, der in Bischweier wohnt, von seiner Tätigkeit als Künstler leben. Seine ersten Sprühversuche machte er auf der Terrasse der Eltern. Und vor elf Jahren folgten dann seine ersten richtigen Stencils. Diese sind eine Form der Street Art, die mit Hilfe von Schablonen erstellt werden. Einer der bekanntesten Künstler aus diesem Bereich ist Banksy.

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„Ich möchte eine Kunst kreieren, an der die Leute Freude haben“, sagt Kneise. In Zeiten in denen bei vielen Bildern Schwarz- und Grau-Werte dominieren, versucht er deshalb die Farben am Leben zu halten.

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Ausstellungen in Konstanz, Karlsruhe und New York

Aktuell werden seine Arbeiten in der Ausstellung „Rumbling Renaissance“ in der Neuen Kunst Gallery in Karlsruhe gezeigt. Drei Mal war Kneise bisher auf der art Karlsruhe. Weitere Ausstellungen gab es in Konstanz, Gaeta (Italien) und New York. Nächstes Jahr im Oktober stellt der Kreativschaffende wieder in NY aus. „Für eine Ausstellung sprühe ich zum Teil 160 Bilder – das ist ein Vollzeitjob“, erklärt der Künstler.

Am gefragtesten seien die Motive mit den Bubbles und den Dalmatinern. Für das Motiv der Putzfrau sei seine Mutter Model gestanden erzählt er beim Atelierbesuch den Badischen Neuesten Nachrichten. Die Schürze lieh sie sich extra in einem Geschäft aus. „Auch meine Nichten oder mein Schwager durften schon als Model herhalten“, ergänzt der Bischweierer.

In seinen Werken greift der Künstler meist ein Element aus der klassischen Kunst auf und verändert es, um etwas Eigenes zu schaffen. Wie etwa die Punkte („Spots“ und „Bubbles“) des britischen Künstlers Damien Hirst. „Zum Teil entstehen die Dinge zufällig“, sagt Kneise. Dieser sei schon bei Instagram und Facebook unter Kneises Werken markiert worden, habe sich bisher jedoch nicht dazu geäußert.

Kneise studierte in London

Das einzige Werk auf der Straße befindet sich in Italien. Es entstand im Rahmen des „Memorie Urbane Street Art Festivals“. „Ich sprühe nur auf Einladung“, sagt Kneise. Illegale Wände seien für ihn tabu. Studiert hat Kneise übrigens Möbeldesign in London. In Deutschland arbeitete er als freie Mitarbeiter beim SWR im Bereich Videodesign und zeitweise lebte er in Mannheim.

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Da sein Atelier in Rastatt ist, beschränkt sich der Kontakt zu anderen Künstlern meist über das Internet. In Metropolen sei man näher am Geschehen, so die Einschätzung des 41-Jährigen. Einige der Arbeiten erledigte er auch außerhalb des Studios. „Motive schneiden kann ich beispielsweise auch zu Hause“, sagt er. Am besten gelinge die Arbeit mit seiner Lieblingsplaylist.

Von der Website über die Buchhaltung bis hin zum Versand macht Kneise alles allein. Das sei zum Teil ganz schön anstrengend. „Ich mache das gerne, aber ein Assistent wäre da schon hilfreich“, sagt er.

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