Auf der Franzbrücke in Rastatt geht es eng zu. Fahrradfahrer und Autos müssen sich den wenigen Platz teilen. Für den ein oder anderen Radler ist das ein unangenehmes Gefühl, mit Motorhauben im Rücken über die Murg zu rollen.
Auf der Franzbrücke in Rastatt geht es eng zu. Fahrradfahrer und Autos müssen sich den wenigen Platz teilen. Für den ein oder anderen Radler ist das ein unangenehmes Gefühl, mit Motorhauben im Rücken über die Murg zu rollen. | Foto: Collet

ADFC sieht Verbesserungsbedarf

Fahrrad-Verkehr: In Rastatt rollt’s noch nicht ganz rund

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Die ADFC-Ortsgruppe Baden-Baden/Rastatt hat bei einer Radtour durch Rastatt neuralgische Punkte unter die Lupe genommen. Für das Fahrrad gibt es noch einiges zu tun. Allerdings ist die Stadt dabei, auch einige Dinge für Radler zu verbessern.

Endlich zeigt die Ampel grün. Die Blechlawine wälzt sich über die Kreuzung am Karlsruher Tor. Auch zwei Radfahrer spült es in diesem Schwall gen Franzbrücke. Mit Motorhauben im Rücken geht es für sie über die Murg.

„Das löst bei vielen Radlern großes Unbehagen aus“, erklärt Martina Berghaus vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Deshalb wählt so mancher verbotenerweise den Gehweg, meint die stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Baden-Baden/Rastatt.

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Rastatt kommt im Fahrrad-Test nicht ganz so schlecht weg

Bei der ADFC-Tour durch Rastatt fahren der Vorsitzende Ralf Neininger und Roland Walter mit. Dabei werden neuralgische Punkte für den Radverkehr unter die Lupe genommen. Rastatt kommt dabei nicht ganz so schlecht weg. Es gibt Kritikpunkte, wie etwa, dass die Radwege oft noch Flickenteppiche sind. Es sei auch nicht ersichtlich, wohin die Radweg führen.

Die Stadt ist dran und es wird viel geplant.

Martina Berghaus, stellvertretende Vorsitzende des ADFC-Kreisverbandes

„Die Stadt ist dran und es wird viel geplant“, sagt Berghaus. Der Knotenpunkt am Karlsruher Tor und die Franzbrücke seien alles andere als fahrradfreundlich. „Wer über die Straße will, stellt sich als Radfahrer entweder zu den Autos auf die Straße oder muss je nach dem über drei Fußgängerampeln“, erklärt Neininger.

Das Karlsruher Tor ist der Gordische Knoten Rastatts

Kreuzung und Brücke sind für die Rastatter Verkehrsplaner so etwas wie der Gordische Knoten. Im kommenden Jahr wird die Franzbrücke saniert. Auch die Kreuzung soll umgebaut werden.  Es ist der Ort in Rastatt mit dem zweithöchsten Verkehrsaufkommen.

 

 

Die Brücke ist denkmalgeschützt. „Eine neue Brückenplatte, die vier Meter breiter ist als die alte, das hat nichts Denkmalschutz zu tun“, sagt Markus Fraß, Fachbereichsleiter Bauen und Verkehr. Die Stelle, an der sich Ludwigring und Rauentaler Straße treffen, biete nicht viel Platz. Ein Kreisverkehr wäre dem Verkehrsaufkommen nicht gewachsen.

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ADFC schlägt vor, Rechtsabbiegespur zu streichen

Der ADFC hat vorgeschlagen, bei der Umgestaltung des Knotenpunktes die Rechtsabbiegespur ins Industriegebiet zu streichen. So könnte eine der drei Fahrstreifen für Radfahrer genutzt werden. Das hat die Stadt abgelehnt.

„Wir haben in einer Mikrosimulation den Verkehr nachgebildet“, erläutert der Fachbereichsleiter. Die Anzahl der Fahrspuren werde benötigt, damit der Verkehr möglichst rückstaufrei fließe. Radfahrstreifen und an den Ampeln vorgelagerte Haltelinien, wie an anderen Kreuzungen in Rastatt, sollen künftig für Sicherheit sorgen.

Ein Radweg führt über den Bahnhofsvorplatz. In Rastatt müssen sich Fußgänger und Radfahrer den Bahnhofsvorplatz teilen. Das ist nicht immer einfach.
Ein Radweg führt über den Bahnhofsvorplatz. In Rastatt müssen sich Fußgänger und Radfahrer den Bahnhofsvorplatz teilen. Das ist nicht immer einfach. | Foto: Collet

Einen weiteren neuralgischen Punkt macht der ADFC vor dem Bahnhof aus. Dort verläuft ein – in beide Richtungen führender – Radweg. „Wenn Züge angekommen sind, ist es an normalen Tagen unmöglich dort Fahrrad zu fahren“, sagt Berghaus. Das Unfallrisiko sei hoch.

Vorplatz soll umgestaltet werden

Auch die Stadt weiß von dieser Situation. Fraß weist darauf hin, dass der Bahnhofsvorplatz umgestaltet werden soll. „Das spielt in der mittelfristigen Finanzplanung der Stadt aber keine Rolle“, gibt er zu. Konkrete Pläne gibt es keine.

Ein Ansatz wäre laut Fraß zu prüfen, ob in der Karlsruher- und Bahnhofstraße auf Fahrspuren verzichtet werden kann. „Das würde eine ebenerdige Querung vom Bahnhofsplatz zum Kulturplatz deutlich erleichtern“, meint er.

Vom dadurch zur Verfügung stehenden Verkehrsraum könnten Bus und Rad profitieren. Fraß sieht die künftige Achse für den Radverkehr vom Bahnhof zur Franzbrücke ohnehin über die Bahnhofstraße und den Hilpertshof laufen.

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Konsens in Sachen Fahrradparkhaus

In Sachen Fahrradparkhaus am Bahnhof herrscht zwischen ADFC und Stadt offensichtlich Konsens. Roland Walter schwebt ein Fahrradparkhaus vor, wie etwa in Karlsruhe oder in Seltz. „Als Fläche könnten dafür beispielsweise die gebührenpflichtigen Parkplätze und der Platz mit den Fahrradboxen an der nördlichen Seite des Bahnhofs in Frage kommen“, sagt Walter.

Just diese Fläche sei Grund der Deutschen Bahn, so Fraß. Die Stadt habe mit dem selben Hintergedanken Gespräche mit dem Bahnhofsmanagement in Karlsruhe geführt. Fraß pflichtet Walter bei und meint, „es ist sicherlich im Sinne der Stadt, so etwas wie ein Fahrradparkhaus zu etablieren“. Nur der richtige Ort dafür wurde noch nicht gefunden.

Sie fahren mit dem Fahrrad täglich an einem neuralgischen Punkt vorbei? Wir freuen uns auf Ihren Hinweis per E-Mail an: redaktion.rastatt.aktionen@bnn.de