Überraschend athletisch: Faustball ist ein dynamischer Sport, der den Spielern viel abverlangt | Foto: pr

Lange Tradition des Sports

Faustball beim TV Oberndorf: 100 Jahre voller Sport, Kameradschaft und blauer Flecken

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Faustball hat ein Geräusch: KLATSCH. Manchmal auch gefolgt von einem Schmerzensschrei. Der bis zu 370 Gramm schwere Lederball ist bockelhart und kann zumindest auf der zarten Haut eines Anfängers ordentlich wehtun. Die Sportart ist so etwas wie der große Bruder des Volleyballs. Ein bisschen härter, größer und rustikaler – und trotzdem überraschend athletisch. Beim TV Oberndorf (TVO) hat Faustball eine lange Tradition.

Die Abteilung feiert am 14. Februar Jubiläum. Seit 100 Jahren macht es dort: KLATSCH. Claus Hafner muss nicht lang überlegen, warum ihn die Sportart schon immer fasziniert. „Es ist ein wahnsinnig dynamisches Spiel“, sagt er. Es ist das Urteil eines echten Experten. Seit 34 Jahren leitet Hafner die Abteilung. Schon sein Vater begeisterte sich für den Sport, er selbst stand Anfang der 60er Jahre zum ersten Mal auf dem Feld.

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Im Winter trainieren Spieler in der Halle, im Sommer auf dem Sportplatz

Heute ist Hafner 75 Jahre alt und schnürt immer noch jede Woche die Sportschuhe fürs Training. Im Winter macht es in der Kuppenheimer Wörtelhalle KLATSCH, im Sommer auf dem Sportplatz an der Oberndorfer Grundschule. Bei der Gründung vor 100 Jahren befand sich das Faustballfeld noch auf dem Sportplatz am Steinkopf, wo heute die B 462 verläuft.

Blick zurück in die Geschichte: Die erste Mannschaft aus dem Jahr 1964. Schon damals mit dabei war der heutige Abteilungsleiter Claus Hafner (hinten, Vierter von links). | Foto: pr

Am 14. Februar 1920 hatte eine Versammlung des damals noch jungen Vereins stattgefunden. Wie im Protokoll nachzulesen ist, wurde dort über Faustball gesprochen und „nach langer Diskussion“ ein Spielwart gewählt. Bei einer Versammlung ein Jahr später genehmigten die Mitglieder den Kauf eines weiteren Balls. Wie der Spielführer erklärt hatte, könne der Sportbetrieb sonst nicht weitergeführt werden.

Leider ist die Sportart
auf dem absteigenden Ast

Claus Hafner, Faustball-Abteilungsleiter

Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen haben es die Oberndorfer geschafft, den Faustball bis heute am Leben zu erhalten. „Leider ist die Sportart auf dem absteigenden Ast“, sagt Hafner. Viele Teams, gegen die Oberndorf einst antrat, gibt es heute nicht mehr. Das TVO-Erfolgsrezept besteht aus ganz viel Kameradschaft. „Wir machen viel und sind ein geselliger Verein“, sagt Hafner.Auf dem Jahresprogramm stehen stets ein Hüttenaufenthalt und eine Weihnachtsfeier. Fast noch wichtiger für den Zusammenhalt ist aber die gesellige Runde, zu der sich die Spieler nach jedem Training zusammensetzen.

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Seit rund zwei Jahren gibt es sogar wieder ein gemischtes Nachwuchsteam. Die Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 15 Jahren nehmen weite Wege auf sich, um sich gegen die Konkurrenz in ganz Baden zu messen. Die Herren sind in der Landesliga aktiv. In der aktuellen Hallenrunde kämpft das Team der Trainer Albrecht Streiling, Fabian Lutz und Joachim Döll allerdings mit Verletzungsproblemen und krebst deshalb in der Tabelle ziemlich weit hinten herum.

Dabei ist das Verletzungsrisiko laut Hafner grundsätzlich viel kleiner als beispielsweise beim Fußball. Bei Anfängern gehören allerdings rote Arme und blaue Flecken dazu. KLATSCH. Aber es ist alles Gewöhnungssache. Unter Hafners Haut hat sich schon ewig kein Bluterguss mehr abgezeichnet.

Abteilungsfeier mit aktiven und ehemaligen Spielern

Für den Jubiläumstag am kommenden Freitag hat er die aktuellen und auch ehemalige Spieler zu einer Abteilungsfeier eingeladen. Darunter werde sicher auch einige Mitglieder der einstigen Verbandsliga-Mannschaft sein. Bis 2008 spielte das Team sechs Jahre lang in der höchsten Liga Badens. Aus sportlicher Sicht war es die bislang erfolgreichste Zeit des TV Oberndorf.

„In den letzten Jahren fehlen die großen, sportlichen Erfolge“, sagt Hafner. Aber es erfüllt ihn mit Stolz, dass die Faustballabteilung mit noch immer 26 Aktiven nach wie vor die tragende Säule des Turnvereins ist. Viele Faustballer bringen sich auch im Vorstand ein. Beim jährlichen Sommerfest organisiert die Abteilung schon seit Jahrzehnten ein Turnier für Hobbymannschaften. Obwohl das Sommerfest 2020 ausfällt, wird es das Turnier auch im Jubiläumsjahr geben, verspricht Hafner.

TV Bretten: Ein großer Verein – ganz ohne Fußball

In der Vergangenheit haben bei der Veranstaltung schon einige Teilnehmer Faustball-Blut geleckt und sind anschließend in den Verein angetreten. Von den ersten Schmerzen ließen sie sich nicht abschrecken. KLATSCH.

Die meisten Bälle werden beim Faustball gar nicht mit der Faust gespielt, sondern mit dem ausgestreckten Unterarm. Nur bei der Angabe und bei einem Angriffsschlag dreschen die Spieler mit der Faust auf das runde Leder ein. Fünf Sportler stehen pro Mannschaft auf dem 50 mal 20 Meter großen Feld. In der Halle sind die Abmessungen mit 40 mal 20 Metern ein bisschen kleiner. Wie beim Volleyball darf eine Mannschaft den Ball dreimal in den eigenen Reihen hin- und herspielen, bevor er über die Leine ins gegnerische Feld muss. Dabei darf er vor jeder Berührung aber immer einmal auf den Boden aufspringen. Gespielt wird nach Punkten und Sätzen. Wann genau die Sportart entstand, ist nicht bekannt. Die Wurzeln liegen aber in Südeuropa. Erste schriftliche Aufzeichnungen darüber datieren aus dem Jahr 240. Heutzutage wird Faustball vor allem in Europa und Südamerika gespielt. Deutschland ist eine der führenden Nationen und mit zwölf Titeln mit großem Abstand Rekordweltmeister.