RA-Eremitage
Die Eremitage von Schloss Favorite wird in diesem Jahr 300 Jahre alt. Sie erhält daher eine eigene Ausstellung. | Foto: Collet

Rastatter Lustschloss

Favorite wird zum „Highlightmonument“

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„Favorite ist eine Perle, ein Schatzkästlein. Doch das ist hochsensibel.“ Mit diesen Worten zieht Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten, ein durchweg positives Resümee des vergangenen Jahres im barocken Lustschloss. Denn obwohl nicht alle Räume zugänglich sind und die Besucherzahl kontrolliert wird, haben Favorite 2017 so viele Menschen besucht wie noch nie zuvor: „23 700 Besucher kamen, das sind knapp sieben Prozent mehr als im Vorjahr“, freute sich Hörrmann. Und weil Favorite so gut ankommt und das Ensemble um Lustschloss, Eremitage und Schlosspark so viel zu bieten hat, haben Hörrmann, Schlossverwalterin Magda Ritter und Konservatorin Petra Pechacek Favorite in diesem Jahr zu einem von zwölf „Highlightmonumenten“ des aktuellen Themenjahrs „Von Tisch und Tafel“ gemacht.

Wanzenkraut, Schlosshonig und Dîner en blanche

„Wenn man vom Essen spricht, dann muss man auch etwas im Bauch haben“, sagt Hörrmann lachend und verweist auf die drei Genussabende, die unter lukullischem Aspekt stehen: Bei „Bowlen, Punsche und Liebschaften“ (25. Mai), „Chili, Teufelsdreck und Wanzenkraut“ (13. Juli) und „Meerrettich, Niederbühl und Ludwig Wilhelm von Baden“ (14. September) gibt es nicht nur Interessantes rund um Essen und Trinken zu erfahren, sondern am Ende auch immer leckere Kostproben, was auch für viele der anderen Führungen gilt, die alle unter dem kulinarischen Aspekt stehen. Neu in diesem Jahr ist die Möglichkeit, „die Schlösser zu verkosten“, so Hörrmann: Neun sogenannte Schlosshonige werden in diesem Jahr erstmals angeboten, „gesammelt von fleißigen Bienen aus der Umgebung der jeweiligen Schlösser, in diesem Fall aus dem Schlosspark“. Im Kalender steht außerdem wieder das „Dîner en blanche“ oder Picknick in weiß. Ursprünglich sollte es am Schlosserlebnistag am 17. Juni stattfinden. „Da spielt allerdings die deutsche Nationalmannschaft gegen Mexiko, deshalb haben wir das Picknick auf den Samstag vorgezogen“, so Schlossverwalterin Magda Ritter mit einem Augenzwinkern. Statt des Picknicks gibt es dann beim Schlosserlebnistag aber wenigstens Kaffee und Kuchen für die Führungsteilnehmer.

Ra-Favorite
Vielfältiges Programm voller Kulinarik: Michael Hörrmann, Magda Ritter und Petra Pechacek bei der Vorstellung des Themenjahr-Programms 2018. | Foto: Collet

Eine zweite Besonderheit rückt ein weiteres Kleinod des Ensembles in den Vordergrund: die Eremitage. „Wir zeigen, was für ein Schatz sie ist, die sonst etwas unbemerkt abseits der Spazierwege liegt“, so Konservatorin Petra Pechacek, die derzeit auch an einer begleitenden Veröffentlichung rund um die höfische Einsiedelei arbeitet. Am 21. Juli wird das kleine achteckige Gebäude mit dem Schieferdach und dem Glockentürmchen 300 Jahre alt. Markgräfin Sibylla Augusta ließ es errichten, um hier Bußübungen zu tun. Drei Monate lang widmet sich die Ausstellung in sechs Räumen im Lustschloss dem kargen Rückzugsort. Dabei soll dieses „Anti-Favorite“ laut Pechacek in Bezug zu sechs weiteren Eremitagen wie etwa Waghäusel und in den Kontext der Heiligen Stätten gestellt werden. „Wir schauen dabei auf die Netzwerke. Es ist unglaublich interessant zu sehen, wo sich die Adeligen ihre Inspiration für ihre höfischen Einsiedeleien geholt haben“, so Pechacek begeistert. Um diese Verflechtungen bildlich zu machen, soll es einen Guckkasten mit Darstellungen dieser Bauten geben, die heute teilweise gar nicht mehr existieren. Zudem wird die Eremitage, die nur sehr selten geöffnet ist, während der dreimonatigen Ausstellung vom 21. Juli bis zum 21. Oktober an den Wochenenden stundenweise geöffnet und mit fachkundigem Personal ausgestattet sein.

Bußweste zum Anfassen in Planung

Um auch dem Schlosspark gerecht zu werden, gibt es Angebote zum Thema „der Jagdwald als Einsiedlerwildnis“. Angereichert wird die Ausstellung außerdem mit Leihgaben wie einem Pulverhorn, einem 19Hundehalsband, Plänen und Büchern, einem Cranach-Holzschnitt aus Backnang und den Votiv-Anhängern aus Einsiedeln – worüber sich Pechacek besonders freut: „Nach Jahrzehnten sind die Votiv-Anhänger, die die Markgräfin Einsiedeln gestiftet hat, mal wieder hier zu sehen.“ Besonderes Highlight der Ausstellung ist eine Bußweste aus München, wie sie die fromme Markgräfin oft unter ihren Prachtgewändern trug. „Damit die Besucher auch eine Vorstellung von dem kratzigen Kleidungsstück bekommen, das aus Menschen- und Hundehaar gefertigt wurde, lassen wir extra eine solche Weste anfertigen, die auch angefasst werden darf.“

Das ganze Programm gibt es hier.