Mehr als „nur“ ein paar Schläge: Häusliche Gewalt führt zu körperlicher und seelischer Not. Oft leiden die Betroffenen zusätzlich unter finanziellen Problemen.
Mehr als „nur“ ein paar Schläge: Häusliche Gewalt führt zu körperlicher und seelischer Not. Oft leiden die Betroffenen zusätzlich unter finanziellen Problemen. | Foto: Jochen Tack/imago

Häusliche Gewalt

Frauenschutzhaus im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden ist voll ausgelastet

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Der Landkreis Rastatt sowie der Stadtkreis Baden-Baden sind ausreichend mit Frauenhausplätzen versorgt. Rechnerisch zumindest: Das Sozialministerium schreibt 15 bis 29 Plätze vor. 20 Unterbringungsmöglichkeiten sind es tatsächlich. In der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses des Kreistags zeichnet Patricia Huschka dennoch ein kritisches Bild.

„Insbesondere die letzten beiden Jahre war das Frauen- und Kinderschutzhaus voll ausgelastet“, sagt die Leiterin des Amts für Soziales, Teilhabe und Versorgung Rastatt. Die Belegungszahlen würden deutlich machen, „dass häusliche Gewalt auch im Landkreis ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt“. Das Problem in Zahlen: 194 Fälle seien im Jahr 2019 im Landkreis Rastatt zur Anzeige gekommen.

Engpässe durch Belegungen von außerhalb

Im landesweiten Vergleich stehe Rastatt/Baden-Baden mit Hilfsangeboten für betroffene Frauen allerdings „recht gut dar“. Amtsleiterin Patricia Huschka berichtet über zusätzliche ambulante Beratungsstellen sowie über Hilfe durch Institutionen wie Jugendämter, Polizei oder den Weißen Ring. Zu Engpässen in den Schutzhäusern komme es unter anderem durch Belegungen von außerhalb.

Wir denken, der Auftakt ist gelungen.

Patricia Huschka, Amtsleiterin für Soziales, Teilhabe und Versorgung 

Um Kräfte zu bündeln, haben der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden im Juli 2019 einen gemeinsamen Runden Tisch ins Leben gerufen. Dieser tagt zweimal im Jahr. Ziel ist laut Amtsleiterin Patricia Huschka, zunächst zu analysieren, welche Angebote es bereits gibt und wie sie wirken. Anschließend wollen die Beteiligten den Bedarf klären und mögliche Versorgungslücken aufdecken. Mit dem bisher Erreichten zeigt sich Huschka zufrieden. „Wir denken, der Auftakt ist gelungen.“

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Landrat Toni Huber bezeichnet häusliche Gewalt als „gesellschaftliches Problem mit traumatischen Folgen“. Was die Menge an Frauenhausplätzen betrifft, reicht er die Verantwortung an andere Landkreise weiter: „Wenn alle ihre Zahlen erfüllen würden, hätten wir ein Problem weniger. Wir allein können die Plätze nicht schaffen.“

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Mehr Gewalt im Zusammenhang mit den Corona-Beschränkungen?

Arne Pfirrmann (Freie Wähler) fragt nach, ob häusliche Gewalt im Zusammenhang mit den Corona-Beschränkungen zugenommen habe. Dazu Amtsleiterin Patricia Huschka: „Das wird vielleicht überraschen, aber bisher sind keine Auswirkungen spürbar.“ Sämtliche Fachleute würden jedoch davon ausgehen, dass die Gewalt „zwar gestiegen, aber nicht nach außen gedrungen“ sei.

Wenn jemand aufgenommen wird, testen wir. Außerdem geht die Frau zunächst in Quarantäne.

Brigitte Schäuble (CDU)

Das Thema „Corona“ beschäftigt auch Beate Benning-Gross (Bd90/Die Grünen). Sie will wissen, ob die betroffenen Frauen vor Einzug ins Frauenhaus getestet würden. Brigitte Schäuble (CDU), die zugleich Trägervereinsvorsitzende des Frauenhauses Baden-Baden und des Landkreises Rastatt ist, bejaht das. „Wenn jemand aufgenommen wird, testen wir. Außerdem geht die Frau zunächst in Quarantäne.“

Runder Tisch hat weitere Pläne

In den kommenden Monaten will sich der Runde Tisch weiter mit dem Thema befassen. Er plant eine Übersicht über Angebote und Anlaufstellen sowie eine Informationsbroschüre für Fachkräfte und Betroffene. Dabei will er die Landeskoordinierungsstelle mit einbeziehen. Außerdem wollen die Akteure die Bevölkerung durch Öffentlichkeitsarbeit für das Problem sensibilisieren.