Spannende Einblicke in die Arbeit im Gastgewerbe gibt das GastroMobil des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga den Schülern der Gustav-Heinemann-Schule in Rastatt.
Spannende Einblicke in die Arbeit im Gastgewerbe gibt das GastroMobil des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga den Schülern der Gustav-Heinemann-Schule in Rastatt. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Fachkräftemangel in Rastatt

Gastro-Mobil wirbt um Auszubildende im Gastgewerbe

Anzeige

Eine Ausbildung in der Gastronomie? Nicht gerade beliebt bei heutigen Schulabgängern. Allein in Baden-Württemberg sind mehr als 1.000 Ausbildungsstellen in diesem Bereich nicht besetzt.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga hat sich mit dem Nachwuchsprojekt „Wir Gastfreunde“ zum Ziel gesetzt, wieder mehr Jugendliche für eine Ausbildung im Gastgewerbe zu begeistern. Das Gastro-Mobil besucht dafür Schulen in allen Regionen des Landes. Auch in der Rastatter Gustav-Heinemann-Schule hat es Halt gemacht.

Multimediale Einblicke in die Gastronomie

Der multimedial ausgebaute Linienbus gibt den Schülern mit verschiedenen Aufgaben Einblicke in die Bereiche der Gastronomie. Gewürze am Geruch erkennen, einen Tisch richtig eindecken, oder einen virtuellen Gast an der Rezeption einchecken.

„Wer Spaß hat, mit Menschen zu arbeiten, der ist bei uns willkommen“, so begrüßt Martin Eberhard die Schüler in der Lounge des Busses. Der Betreuer des Mobils weiß wovon er spricht. Er war selbst lange Gastronom.

Er vergleicht die Berufe im Gastgewerbe mit dem Ausrichten einer Feier: „Ihr habt doch bestimmt alle schon mal eine Party veranstaltet, seid also Gastgeber gewesen. Als Gastgeber sind wir dafür da, dem Gast den Tag zu versüßen, indem wir einen super Job machen.“

In kurzen Filmen berichten sechs Auszubildende über ihren Berufe und geben einen kurzen Einblick in ihren Arbeitsalltag. „Nix für mich. Ich mag nicht so viel mit Menschen zu tun haben“, sagt eine Achtklässlerin am Ende.

Bei einigen ihrer Mitschüler scheint aber Interesse zu bestehen. „Macht ein Praktikum“, empfiehlt Eberhard beiden Gruppen. „Nur über das was man mal gemacht hat, kann man urteilen“.

Tatsächlich kommen einige Schüler direkt mit den anwesenden Rastatter Gastronomen ins Gespräch und vereinbaren ein Praktikum.

Auch in Rastatt herrscht Fachkräftemangel

Vor Ort ist auch Frank Hildenbrand, Vorsitzender des Dehoga in Rastatt. Er kennt die Situation: „Wie überall herrscht auch in Rastatt Fachkräftemangel. Das ist ja ein internationales Problem.“

Es fehle die Wertschätzung der Berufe in der Gastronomie. „Aber da wird dran gearbeitet, auch durch die Politik“, sagt Hildenbrand.

Neben dem Gastro-Mobil sei die auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung zur Fachkraft im Gastgewerbe ein guter Schritt. „Damit soll auch Menschen mit Migrationshintergrund der Einstieg ins Gastgewerbe erleichtert werden. Ich kenne einige Kollegen, die damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben.“

Andere Branchen sind finanziell attraktiver

Robert Amos, Geschäftsführer des Lehners Wirtshaus in Rastatt, sieht die Verantwortung mit beim Gast. „Viele sind nicht mutig genug, die Preise zu verlangen, die sie zum Überleben bräuchten, und um angemessene Löhne zu zahlen.“

Der Gast verlange Qualität, sei aber oft nicht bereit, dafür zu bezahlen. Auch wenn das Gehaltsgefüge besser werde, sei für viele ein Job in der Industrie oder in der Baubranche finanziell attraktiver.

Positives Resümee in Rastatt

Doch für Rastatt scheint Hoffnung zu bestehen. Gastro-Mobil-Betreuer Martin Eberhard zeigt sich an diesem Tag jedenfalls äußerst zufrieden, denn er lobt: „Ich habe selten so interessierte Schüler erlebt.“

 

Frank Hildenbrand ist Inhaber des Restaurants Schnick-Schnack und Vorsitzender der Dehoga Rastatt. Redaktonsmitglied Alina Meier hat mit ihm über das Thema Fachkräftemangel gesprochen.

BNN: Warum sind mehr als 1.000 Ausbildungsstellen in der baden-württembergischen Gastronomie unbesetzt?

Frank Hildenbrand: Die Jugendlichen wollen sich heute nicht mehr festlegen. Wenn es ihnen in einer Ausbildung nach kurzer Zeit nicht mehr gefällt, machen sie einfach was anderes. Es muss einem einfach Freude bereiten, ein Gastgeber zu sein. Man muss arbeiten, wenn andere feiern gehen. Die Jugendlichen bestellen ihr Essen über einen Lieferdienst, ohne zu wissen, was dahinter steckt. Die Wertigkeit einer guten Ausbildung in der Gastronomie muss wieder in ein anderes Licht gerückt werden.

Frank Hildenbrand, Gastronom und Vorsitzender des Dehoga Rastatt.
Frank Hildenbrand, Gastronom und Vorsitzender des Dehoga Rastatt.       Foto: Collet | Foto: Hans-Jürgen Collet

BNN: Wie kann man dem Fachkräftemangel in der Gastronomie entgegenwirken?

Frank Hildenbrand: Indem man selbst welche ausbildet. Es hilft aber nicht, einen Auszubildenden in der Küche wochenlang Kartoffeln schälen zu lassen. Wer heutzutage Mitarbeiter sucht, muss sich was einfallen lassen. Die alte Schule hat hier keine Chance mehr. Leidenschaft und Disziplin muss es zwar noch geben, aber kein Diktat von oben herab.

BNN: Was wird konkret getan?

Frank Hildenbrand: Mit dem Gastro-Mobil haben die Jugendlichen die Möglichkeit, die Ausbildungen in der Gastronomie interaktiv kennenzulernen. Mit der verkürzten, nur noch zweijährigen Ausbildung soll ihnen und auch den Menschen mit Migrationshintergrund der Einstieg ins Gastgewerbe erleichtert werden.