Der Traum vom großen Gewinn verlockt gerade in der bunten Welt der Spielautomaten zum Einsatz mehr oder minder üppiger Geldbeträge. Wenn die Kontrolle über das eigene Verhalten an den Geräten aber verloren geht, ist der Weg zur Spielsucht nicht mehr weit. | Foto: Murat

Suchtpotenzial

Gefahren durch Automatenspiele sind Thema im Rastatter Landratsamt

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Er kann Kumpel sein, guter Freund oder Feind. Gemeint ist der Spielautomat – und wenn die Beziehung zu diesem Gerät besonders eng ist, könnte der Weg in die Sucht nicht mehr weit sein. „Das Sprechen mit Automaten ist für die betroffenen Spieler oft völlig normal“, sagt Stephan Peter-Höner. Er ist Leiter der Fachklinik Fischerhaus in Gaggenau-Michelbach und der Suchtberatungsstelle in Karlsruhe. Anlässlich der „Jahreskampagne Seelische Gesundheit“ im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden rückte im Landratsamt das Rhema Glücksspielsucht in den Blickpunkt.

Ob in Spielbanken, Wettbüros, im Lotto, beim Bingo oder an Automaten – die Palette der Möglichkeiten auf der Suche nach dem großen Spielglück ist weit und es werden in diesem Geschäft riesige Summen verdient, wie Peter-Höner sagt.

Überwiegend ein männliches Problem

Etwa 250.000 Automaten seien 2011 deutschlandweit in Gaststätten und Spielhallen zu finden gewesen. „In Karlsruhe etwa gab es 683 Spielgeräte“. Erste wissenschaftliche Schriften über die Spielleidenschaft als Krankheit stammten nach Angaben von Peter-Höner bereits aus dem Jahr 1561. Und: Glücksspielsucht ist überwiegend ein männliches Problem, obwohl „die Frauen etwas aufholen.“

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Spielhallen haben sich gewandelt

Das Alter der Betroffenen liege meist zwischen 25 und 40 Jahren. Peter-Höner spricht von rund 35.000 Spielsüchtigen in Baden-Württemberg. Das Abdriften in diese Art von Sucht sei eng mit einem „ausweichenden Verhalten“ zu begründen: „Es geht darum, sich nicht mit anstehenden Problemen auseinandersetzen zu müssen“. Gewandelt habe sich im Laufe der Jahre das Erscheinungsbild von Spielhallen: „Früher waren es dunkle Spelunken, in denen geraucht werden durfte und man hinterher die Kleider lüften musste. Die neuen Hallen sind heller und ähneln eher Cafés“.

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Auszahlungsintervalle befördern Suchtpotenzial

Nach den Erkenntnissen der Betroffenen, die in die Suchtberatungsstellen kommen, würden durch die Glücksspielautomaten, die gerade in Gaststätten und Bistros oft aufgestellt würden, die meisten Abhängigkeiten erzeugt. Die kurzen Auszahlungsintervalle, beförderten das Suchtpotenzial am Automaten.
Spielhallen hätten es heute schwerer, eine Konzession zu bekommen. Dafür explodiere förmlich das Spielen im Online-Bereich: „Oft versumpfen die Leute da im Verborgenen komplett drin“. Peter-Höner verwies auch auf das Landeglücksspielgesetz, wobei die Behörden mit der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen oft überfordert seien. Verstöße gegen die Regelungen sollten nach Ansicht des Sozialtherapeuten deutlich härter geahndet werden als bisher.

Lotto als Kompensation

Die Sperrsysteme für Spieler wiesen dabei einige Lücken auf, sagt Peter-Höner – und verweist in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auf die „Spielautomaten-Lobby“, die eine große Rolle spiele. Dabei wünschten sich pathologische Spieler eine wirkungsvolle Sperre für sich selbst, wobei ein Entsperren nur über eine Suchtberatungsstelle laufen sollte. Eine wichtige Rolle in der Therapie spielten auch die Angehörigen.
Und nach einer therapeutischen Behandlung? Peter-Höner: „Am besten ist, wenn der Betroffene danach gar nicht mehr spielt. Andernfalls könnte auch Lotto eine Kompensation sein, denn da ist das Suchtpotenzial weniger hoch.“

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