Geschenk der Stadt an Händler und Kunden: Das Parken ist wegen den Auswirkungen der Corona-Pandemie vorerst bis zum 14. Juni in weiten Teilen des Rastatter Zentrums drei Stunden lang kostenlos. Das Angebot wird rege genutzt. | Foto: Siebnich

Händler fordern Verlängerung

Gratis-Parken in Rastatt wird von Kunden ausgiebig genutzt

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Viele Geschäfte in der Rastatter Innenstadt haben am Samstag vor 10 Uhr noch geschlossen. Doch zum Start des langen Pfingstwochenendes herrscht trotzdem schon dichter Verkehr rund um die Obere Kaiserstraße. Alle Parkplätze sind belegt, Pkw warten in zweiter Reihe auf eine Lücke. Auch am Postplatz kurven Autos im Suchmodus. Seit Anfang Mai bietet die Stadt in weiten Teilen des Zentrums drei Stunden Gratis-Parken an, um den Handel in der Corona-Krise zu unterstützen. Die Kunden nutzen das Angebot ausgiebig.

Norbert Gerstner hat eine Lücke am Postplatz entdeckt und stellt seinen blauen Golf ab. Dass er dort nichts zahlen muss, war dem Murgtäler vorher gar nicht bewusst. „Ach, wirklich?“, fragt er erfreut nach. Er wäre ohnehin nach Rastatt zum Einkaufen gekommen, aber natürlich spart er gern.

Die Leute kommen nicht
extra deshalb nach Rastatt

Werner Hirsch, Juewlier

So geht es auch einer Frau, die kurz darauf ein Parkticket ziehen will. Der Automat ist außer Betrieb, ein Schild weist auf das Gratisangebot hin. Die Frau lächelt: „Das ist eine schöne Überraschung.“

Aus Sicht von Werner Hirsch, der ein paar Meter entfernt seinen Juwelier-Laden betreibt, ist das symptomatisch. „Die Leute kommen nicht extra deshalb nach Rastatt“, sagt er über die Gratis-Park-Aktion. Aber er finde es trotzdem gut, dass die Stadt etwas unternehme, um die örtliche Wirtschaft in der Corona-Krise zu unterstützen.

Stadtverwaltung plant keine Verlängerung über 14. Juni hinaus

Die Umsätze würden zwar „von Woche zu Woche“ besser, doch nach wie vor fehle die Laufkundschaft: „Es gibt keine Spontankäufe mehr, die Kunden kommen nur noch gezielt“, schildert er seine Eindrücke.

Hirsch würde es befürworten, wenn das Gratis-Parken bestehen bliebe, bis die Normalität wieder vollends zurückgekehrt ist. Doch im Rathaus gibt es derzeit keine Pläne, die bislang bis zum 14. Juni beschränkte Aktion zu verlängern.

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Die Pressestelle teilt mit: „Die Stadtverwaltung sieht die Aktion als einmalig an und beabsichtigt keine weitere Verlängerung über den 14. Juni hinaus.“ Auch aus den Reihen des Gemeinderats, der sich bei der Beschlussfassung am 4. Mai eine etwaige Fortsetzung vorbehalten hatte, lägen aktuell keine Anträge dazu vor.

Grundsätzlich zieht das Stadtmarketing aber eine positive Zwischenbilanz. Wirtschaftsförderer Torsten von Appen habe „ausschließlich positive Rückmeldungen“ von Einzelhändlern bekommen. Das „Geschenk“ der Stadt Rastatt als Aktion der Willkommenskultur komme gut an. Der Parkplatz rund um die Obere Kaiserstraße sei fast immer voll besetzt.

Politessen verteilen 17 Strafzettel

Zu Stoßzeiten wie am Samstag führt das allerdings auch zu Engpässen. Während in den Parkhäusern der Badner Halle und der Schlossgalerie gähnende Leere herrscht, stellen draußen einige Fahrer ihr Auto am Ende einer erfolglosen Suche nach einem Gratis-Stellplatz auch mal dort ab, wo sie es nicht dürften. Zum Beispiel vor der Hauptpost oder der Stadtkirche.

Die Stadtverwaltung weist den Eindruck einer „chaotischen Parksituation“ zurück und spricht von „regem Fahrzeugverkehr“. Am 23. Mai, ebenfalls ein Samstag, hätten Politessen 17 Knöllchen verteilt. Allerdings nicht, weil die Autos falsch standen, sondern in allen Fällen, weil die Parkscheibe fehlte.

Händler fordern Gratis-Parken in der Badner Halle

Um solche Situationen zu vermeiden und den Handel dauerhaft zu stärken, wünscht sich Hubertus Grafe vom gleichnamigen Fotostudio nach wie vor Gratis-Parken in der Tiefgarage der Badner Halle. Die derzeitige Aktion komme bei den Kunden „sehr gut“ an. Er befürwortet eine Verlängerung ebenso wie Sabine Karle-Weiler vom Modehaus Senger. Seit Beginn des Angebots habe sich die Frequenz auf dem Marktplatz deutlich erhöht.

Dort unterwegs ist auch Valentina Stil. Sie hat sich gefreut, dass sie ihr Auto heute kostenlos in der Kaiserstraße parken konnte. „Sonst komme ich immer mit dem Rad“, erzählt sie. Dass sie diesmal mit dem Pkw da ist, sei allerdings Zufall. Denn vom Gratis-Parken habe auch sie bislang nichts gewusst.