Eine unbeschwerte Zeit wollen Maja Hoppe (links) und Tanja König, Leiterinnen der „Drachenreiter“-Gruppe, den Kindern bereiten. Dazu gehören Basteln, Werken und Spaß haben. Aber auch Gespräche sind ein wichtiger Bestandteil.
Eine unbeschwerte Zeit wollen Maja Hoppe (links) und Tanja König, Leiterinnen der „Drachenreiter“-Gruppe, den Kindern bereiten. Dazu gehören Basteln, Werken und Spaß haben. Aber auch Gespräche sind ein wichtiger Bestandteil. | Foto: Schneider

Nachfrage ist sehr groß

Gruppe „Drachenreiter“ in Rastatt richtet sich an Kinder von suchtkranken Eltern

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Für Kinder ist es ein Albtraum: Sie leiden, wenn Mama oder Papa drogensüchtig oder psychisch krank sind. Ein neues Angebot des Landkreises Rastatt will diesen Kindern helfen.

Seit September vergangenen Jahres trifft sich die Gruppe „Drachenreiter“ in der Tagesstätte für psychisch kranke Menschen in Rastatt. „Drachenreiter“ ist ein Kooperationsprojekt des Caritasverbandes und des Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation (BWLV). Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt.

Die Nachfrage war von Anfang an sehr groß.

Tanja König, Pädagogin der Gruppe „Drachenreiter“

„Die Nachfrage war von Anfang an sehr groß“, sagt Tanja König, eine der Pädagoginnen, die diese Gruppe leitet. Es habe mehr als doppelt so viele Anfragen wie Plätze gegeben. Auch jetzt sei die Nachfrage nach einem Platz noch immer da.

Hohe Dunkelziffer im Landkreis Rastatt

Die Gruppenleiterinnen König und Maja Hoppe gehen davon aus, dass die Dunkelziffer betroffener Kinder im Landkreis Rastatt relativ hoch ist. Fachleute vermuten, dass jedes siebte Kinder unter 18 Jahren vorübergehend oder dauerhaft von der Suchterkrankung mindestens eines Elternteils betroffen ist. Hinzu kommt, dass bundesweit zwei bis drei Millionen Kinder ein Elternteil mit einer psychischen Erkrankung haben.

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Die Gruppe ist derzeit voll

Die „Drachenreiter“-Gruppe bietet acht Plätze und richtet sich ausschließlich an Kinder von sechs bis zehn Jahren aus dem Landkreis Rastatt. Derzeit ist die Gruppe voll. „Wir haben aber eine Warteliste und der Einstieg ist jederzeit möglich“, betont Hoppe. Oftmals sei es so, dass sich in den Lebensumständen der Kinder etwas verändere und dann werde unvermittelt ein Platz frei.

Jedes Kind hat ein Recht darauf, unbeschwert Kind sein zu dürfen.

Tanja König, Pädagogin der Gruppe „Drachenreiter“

Die Gruppe trifft sich wöchentlich für zwei Stunden und soll den betroffenen Kindern einen geschützten Raum bieten. „Jedes Kind hat ein Recht darauf, unbeschwert Kind sein zu dürfen“, sagt König.
Jede Gruppensitzung startet mit einem unterschiedlichen Spiel, bei dem die Kinder erzählen, wie es ihnen geht oder was bei ihnen so passiert ist.

„Manche Kinder sind mittlerweile schon so weit, dass sie uns zu Beginn erzählen, ob etwas passiert ist“, berichtet Hoppe. Das Erzählen von Erlebnissen entlaste die Kinder und schütze sie gleichzeitig. „Das Reden über Probleme ist eine wichtige Kernkompetenz, die sonst nirgendwo richtig vermittelt wird“, erklärt Hoppe.

Mutiger Schritt aus der Tabuzone

Zudem gehen die Eltern einen wichtigen Schritt, in dem sie die Kinder bei der Gruppe anmelden: „Damit geben sie ihren Kindern die Erlaubnis über ihre Erkrankung zu sprechen“, sagt König. Das sei ein mutiger Schritt aus der Tabuzone.

Kindergruppe soll vor allem Spaß machen

Während der Gruppensitzungen wird methodisch auf einzelne Erkrankungen eingegangen. „Dann können die Kinder besser verstehen, woran Mama oder Papa erkrankt sind“, sagt König. Zu den Aktivitäten gehören neben Spielen auch Basteln, Werken oder einfach raus gehen und beispielsweise Schnitzeljagd spielen. Die Kindergruppe solle vor allem Spaß machen, meinen beide Gruppenleiterinnen.

In den Ferien finden keine Gruppensitzungen statt. Aber in den Sommerferien gibt es zwei gemeinsame Aktivitäten, wie etwa Ausflüge. Das Ferienprogramm ist Teil des Konzeptes und wird mit finanziert vom Landkreis Rastatt.