„Schäfer Karle“ war nicht vor Ort, aber dafür seine Herde. Die Tiere waren auf einer kahlgefressenen Fläche eingepfercht. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Schäden an Äckern und Bäumen

Hirte lässt 800 Schafe in Nachbars Gärten in Ötigheim naschen

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Ein Hirte, der seine rund 800 Schafe offenkundig nicht in Zaum hält und dadurch hohe Schäden verursacht, liefert seit mehr als zwei Wochen Zündstoff für „den“ Aufreger unter den
Ötigheimer Landwirten.

Bürgermeister Frank Kiefer hatte das Thema in der Gemeinderatssitzung am Dienstag zur Sprache gebracht. Das Ortsoberhaupt bestätigte gestern, dass er alle Beteiligten – Geschädigte, Schäfer, Feldhüter und Förster – demnächst zu einem Runden Tisch einladen wolle, um bei der Schadensregulierung zu helfen.

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Ohne Wasser und Salz eingepferchte Schafe

Die BNN machten sich ein eigenes Bild vor Ort und begaben sich zusammen mit den beiden Landwirten Christopher Kühn, zugleich CDU-Gemeinderat, und Markus Speck auf „Spurensuche“ im Bereich zwischen Ötigheim und Steinmauern. „Schäfer Karle“ war nicht vor Ort, aber dafür die ohne Wasser und Salz eingepferchten Schafe.

Irgendwann taucht er auf, lässt die Tiere frei und dann fressen sie alles ab, was ihnen vor die Nasen kommt

Die beiden Geschädigten über „Schäfer Karle“

„Irgendwann taucht er auf, lässt die Tiere frei und dann fressen sie alles ab, was ihnen vor die Nasen kommt – auch vor den Grundstücken benachbarter Landwirte machen sie nicht Halt“, erzählen die beiden Geschädigten. Beim Rundgang präsentieren sie neben abgefressenen Mais-, Weizen- und Kartoffeläckern auch fast völlig entrindete Streuobstbäume mit abgenagten Zweigen.

Die Landwirte Markus Speck und Christopher Kühn (von links) begutachten auf einem Feld bei Ötigheim einen Obstbaum, der von Schafen fast völlig entrindet wurde. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Der Schäfer spielt mit uns seit zwei Wochen ein regelrechtes Katz- und Maus-Spiel

Christopher Kühn, Landwirt und CDU-Gemeinderat

Kühn schätzt, dass durch die Tiere schon mehr als 10.000 Euro Sachschaden entstanden sein dürften. „Dieser Schäfer spielt mit uns seit zwei Wochen ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel. Und wenn man ihn mal antrifft und etwas zu ihm sagt, dann lacht er nur. Dieser Mann zeigt sich in keiner Weise kooperativ“, berichtet Kühn.

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Keine rechtliche Handhabe

Die private Erlaubnis, sich kostenfrei auf den Flächen aufzuhalten und dort die Gründüngung zu fressen, habe der Schäfer von einem Ötigheimer Landwirt. Und solange er diese Genehmigung habe, gebe es nach Auskunft der Behörden keine rechtliche Handhabe gegen ihn.

Von der Gemeinde bis zum Landwirtschafts- und Veterinäramt seien schon alle mögliche Behörden vor Ort gewesen. „Die Polizei war sicher schon zehnmal hier, allein am Samstag dreimal“, sagt Kühn. Inzwischen lägen gegen den Mann, „der meines Wissens keine Genehmigung für die Wanderschäferei besitzt“, schon gut zehn Anzeigen vor.

Die Ämter bemühten sich alle, aber es bewege sich halt nichts. „Mittlerweile sind es bald 20 Betroffene, die sich alle nicht mehr weiterzuhelfen wissen – und es gibt viele, denen noch gar nicht bekannt ist, dass sie solche enormen Schäden haben“, so Kühn.

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Gemeinde und Landkreis bemühen sich um eine Lösung

Bürgermeister Frank Kiefer erklärt auf Anfrage dieser Redaktion, dass die Gemeinde zwar nicht zuständig sei, sich aber um die Klärung der Sachlage und eine Einigung bemühe. „Wenn der Schäfer seine Tiere nicht unter Kontrolle hat, dann ist das eine privatrechtliche Angelegenheit. Bislang ungeprüft ist, ob eine Versicherung besteht, um eine ordentliche Regulierung der Schäden in die Wege leiten zu können“, berichtet das Ortsoberhaupt.

Landkreissprecherin Gisela Merklinger erklärt auf Nachfrage, dass eigentlich die Ortspolizeibehörde für die Aufklärung und Schadensermittlung zuständig sei. „Weil sich aber die Landwirte bei uns gemeldet, über diese Zustände und die Schäden beklagt haben, wurde auch das Landwirtschaftamt eingeschaltet. Wir versuchen jetzt eine gütliche Einigung hinzubekommen, die allen Seiten gerecht wird“, so Merklinger.