Ursachen der Korrosion von Gläsern im Schloss Favorite wurden in den vergangenen Jahren wissenschaftlich untersucht.
Ursachen der Korrosion von Gläsern im Schloss Favorite wurden in den vergangenen Jahren wissenschaftlich untersucht. | Foto: Collet

Forschungsprojekt

Historische Gläser sind in Rastatt unter der Lupe

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So manche Hausfrauen sind schon der Verzweiflung nahe, wenn Eintrübungen, Streifen und Schlieren an Trinkgläsern trotz emsiger Reinigungsversuche einfach nicht so ganz verschwinden wollen. Mit ähnlichen Problemen haben sich in den vergangenen fünf Jahren Experten des Fraunhofer-Institutes für Silicatforschung ISC Wertheim-Bronnbach in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg befasst. Im Zentrum ihrer Untersuchungen standen dabei rund 400 Gläser, die einst Markgräfin Sibylla Augusta ins Schloss Favorite mitgebracht hatte.

Zum Erbe von Sibylla Augusta gehörte unter anderem eine böhmische Glashütte und die Forschungen ergaben, dass viele Gläser tatsächlich von dort stammten. Nach Angaben von Michael Hörmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten, seien in das Projekt rund 250 000 Euro – vorwiegend der Erlös aus Eintrittsgeldern – investiert worden.

Schutz vor Korrosion

Ziel sei es gewesen, Lösungsmöglichkeiten zu finden, um zu ermitteln, wie die etwa 300 Jahre alten Gläser in den historischen Räumen vor Korrosion zu schützen sind „und die Ergebnisse auch der wissenschaftlichen Gemeinde zur Verfügung zu stellen“.

Die Raumluft war nicht so schädlich wie die Luft in den Vitrinen.

Restaurator Werner Hiller-König erinnerte daran, dass 2013 die ersten Schäden in der Glassammlung festgestellt worden seien. Dabei verwies er auch auf die begrenzten technischen Mittel im Schloss Favorite, so dass dann die Idee entstanden sei, das Fraunhofer-institut einzubinden. So lautete etwa eine Frage, wie die Schäden entstehen, gerade auch im Blick auf die klimatischen Zustände. „Die Raumluft war nicht so schädlich wie die Luft in den Vitrinen“ lautete eine gewonnene Erkenntnis.

Bessere Luftzirkulation

Durch das Entfernen der Dichtungen an den Vitrinen wurde somit eine bessere Luftzirkulation erreicht. Ein Staubeintrag an den Gläsern sei indessen kaum vorhanden gewesen. Genauer unter die Lupe genommen wurde die chemisch-physikalische Zusammensetzung der unterschiedlich stark in Mitleidenschaft gezogenen Gläser. Zudem wurden Probegläser erstellt, die einen künstlichen Alterungsprozess zu durchlaufen hatten.

Je trockener die Lagerung, desto besser.

Nach den gewonnenen Erkenntnissen gibt es Wechselwirkungen zwischen der Glasoberfläche und dem Raumklima. „Je trockener die Lagerung, desto besser“, wie Katrin Wittstadt und Gabriele Maas-Diegelervom Fraunhofer-Institut erklärten. Das Problem: Die Korrosionsschicht verändert das Erscheinungsbild des Glases mitunter deutlich, während eine Reinigung der Gläser etwa mit Tensiden deren Substanz angreifen kann. „Das Glas ist einem Stressprozess ausgesetzt“, wie Hörmann bilanziert. Es gelte nun, den Zustand sämtlicher Gläser der Sammlung in Schloss Favorite zu dokumentieren, Listen zu erstellen und zu entscheiden, welche von ihnen einer Reinigung unterzogen und damit weiterhin gezeigt werden können.

Historische Gläser bestimmen künftigen Umgang

„Die Erkenntnisse des Projektes werden den Umgang mit historischen Gläsern künftig bestimmen“, ist sich Hörmann sicher. Zugleich glaubt er, dass der Umgang mit historischen Hohlgläsern neu überdacht werden müsse, wobei die Ergebnisse des Projektes aus Schloss Favorite in einen „Glaskorrossions-Atlas“ einfließen sollen, der auch anderen Restauratoren zur Verfügung gestellt werden kann.