Die neuen Kompaktwagenmodelle von Daimler, die unter anderem im Werk Rastatt gefertigt werden, finden zwar viele Abnehmer. Dennoch gingen die Verkaufszahlen des Stuttgarter Autobauers im ersten Quartal zurück | Foto: dpa

Hoffnungen ruhen auf China

Nur Asien federt Daimlers Absatzrückgang ab

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Dass die ersten Monate des Jahres nicht sonderlich verheißungsvoll ausfallen würden, hatte die Unternehmensspitze bei Daimler bereits geahnt. Der Autobauer verweist auf die Einführung neuer Modelle, die im Regelfall mit Absatzproblemen einhergehen. Vor diesem Hintergrund sei ein Rückgang bei den ausgelieferten Fahrzeugen der Marke Mercedes-Benz eine logische Folge. Um 4,1 Prozent sackten die weltweiten Verkäufe der Schwaben im März im Vergleich zum Vorjahresmonat ab.

Mit dem ersten Quartal als Bezugspunkt fällt der Rückgang im Vergleich zu 2018 noch größer aus: 5,6 Prozent auf etwa 561 000 Autos. Es hätten sogar noch weniger verkaufte Fahrzeuge sein können, wenn da nicht der chinesische Markt wäre. Dort steht bei Daimler erneut ein Plus in den Büchern. „Wir freuen uns über das beste Quartal aller Zeiten für Mercedes-Benz in China“, sagte Britta Seeger, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und verantwortlich für den Vertrieb der Pkw-Sparte Mercedes-Benz Cars.

China für ausländische Autohersteller schwieriges Marktumfeld

Damit widersetzen sich die Schwaben hartnäckig einem Branchentrend. Denn der Automarkt im Land des Lächelns kühlte zuletzt doch deutlich ab. Vor allem der Zollstreit mit den USA sorgt bei den Kunden für Verunsicherung. Zudem versucht die chinesische Regierung, aufstrebende heimische Hersteller zu stärken. Bei Premiumherstellern wie Daimler macht sich dies noch nicht so stark bemerkbar, wie das jüngste Verkaufsplus von 2,6 Prozent im ersten Quartal auf mehr als 174 000 Fahrzeuge zeigt.

Auch Rivale Audi legte hier leicht zu. Dessen Mutterkonzern Volkswagen musste mit seiner Kernmarke hingegen einen Rückgang um knapp sieben Prozent hinnehmen. Generell zeigten sich die Chinesen im März nicht gerade in Auto-Kauflaune. Der Branchenverband China Passenger Car Association (PCA) meldete einen Rückgang der Verkäufe an Privatkunden um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Nachrichtenagentur dpa mitteilte.

Daimler will neue Modelle auf Weltmärkten etablieren

Wie lange sich die Premiumhersteller diesem Trend entziehen können, ist bislang unklar. Für Daimler geht es nun in erster Linie darum, seine neuen Modelle auf den Weltmärkten zu etablieren. Dazu zählen auch die in Rastatt gefertigten Kompaktwagen A- und B-Klasse. Der Marktstart der B-Klasse ist laut Seeger erfolgreich angelaufen. „Weltweit waren die ersten drei Monate des Jahres aufgrund der laufenden Modellwechsel bei SUVs und Kompaktwagen aber wie erwartet herausfordernd“, sagte Seeger.

Gerade die Kompakten lassen jedoch Hoffnung aufkeimen. Der Konzern habe mit ihnen einen neuen März-Bestwert erzielt. Der weltweite Absatz der neuen A-Klasse stieg in den vergangenen drei Monaten laut Unternehmensangaben um 25,6 Prozent. „Noch nie zuvor wurden in den ersten drei Monaten eines Jahres so viele A-Klassen weltweit verkauft wie in 2019“, hieß es aus der Pressestelle von Daimler.

Sorgenkind Smart

Ein großes Sorgenkind der Stuttgarter bleibt Smart. Die Kleinwagenmarke schaffte es auch im ersten Quartal 2019 nicht aus dem Krisenmodus heraus. Nur etwa 27 000 Smart wurden seit Januar weltweit verkauft, ein Rückgang um zwölf Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2018. Auch hier heißt die Hoffnung China. Daimler bringt Smart in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Autobauer und Daimler-Großaktionär Geely ein.

Arbeitnehmervertreter fürchten um Jobs

Mit dem Schritt nach Asien soll die Wende eingeläutet werden. Kritik daran gibt es von den Arbeitnehmervertretern im französischen Hambach, wo der Smart bislang gebaut wird. Sie fürchten um die Jobs der Beschäftigten im Smart-Werk, wenn der Kleinwagen künftig in China entwickelt und gebaut wird.

Lob an der Maßnahme kam hingegen von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen: „Li Shufu, der Chairman von Geely, ist ein hervorragender Stratege. Mit dem Joint Venture zeigt er, dass er die Kooperation mit Daimler sehr ernst nimmt und keiner der üblichen Equity-Investoren ist.“ Insofern habe die Marke Smart eine Chance, sich doch noch zu etablieren.